Jamie “JWZ” Zawinski (einer der Entwickler des allerersten Internet-Browsers übrigens) präsentiert uns in seinem Blog: the collected jwz bicycle wisdom. Als jemand, der fast überall mit dem Fahrrad hinfährt, habe ich mich großartig amüsiert.
Natürlich beziehen sich seine Weisheiten auf San Francisco. In München sieht die Sache dann doch ein bisschen anders aus.
“City bikes” and “road bikes” are designed for some Jetsons-slick hypothetical future city that I’ve never seen.
München ist so eine Stadt aus der Zukunft (hach, wie das die “Tradition und Moderne”-Fraktion freuen wird). Im Gegenteil: Mit Mountain-Bikes durch die Stadt zu fahren ist höchst albern, es sei denn man steht darauf, in gekrümmerte Haltung auf dem Sattel zu sitzen und völlig verdreckt am Ziel anzukommen. (Schon gemerkt? Es regnet ziemlich oft, selbst im weiß-blauen Bayern.) Ich weiß wovon ich rede. Mein Fahrrad hat keine Schutzbleche, und ich hasse mich jeden Tag dafür.
Man kann also getrost ein City-Bike kaufen, Rennrad lieber nicht, aber auch ein Trekking-Fahrrad geht. Mountain-Bikes sind für Berge, verdammt, und selbst da nerven sie.
Your bike will be stolen, so don’t get too attached to it.
Das sind die Vorteile des bayerischen Polizeistaats: München ist extrem sicher. Okay, ich würde mein Fahrrad jetzt auch nicht nächtelang an der Münchner Freiheit stehen lassen, aber im allgemeinen kann man davon ausgehen, dass das Fahrrad noch da ist, wenn man zurückkommt. Nur das Hinterrad haben sie mir mal geklaut, aber mit einem Schnellspanner lädt man die Diebe auch geradezu ein.
Safety: I follow the Zodiac approach: always assume the cars can see you perfectly, and are trying to kill you
Kein schlechter Ansatz. Ich habe mal eine Sendung über einen Trambahnfahrer gesehen, der sagte: “Man muss für alle anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken.” Dasselbe gilt für den Fahrradfahrer. Denn merke: Du bist verwundbarer als die Leute in Z3s und Mercedes M-Klasse.
Aber anscheinend hat in Deutschland die Verkehrserziehung gefruchtet. Oder die Autofahrer wissen, dass sie meistens mit dran sind, wenn sie einen Fahradfahrer umnieten, selbst, wenn sie keine Schuld haben. Und so sind die Autofahrer meistens erstaunlich rücksichtsvoll. Viel schlimmer allerdings sind die Fußgänger. Wozu nach links und rechts schauen, wenn man die Straße überquert, man hört doch, was kommt. Nun, einen Porsche Boxter hört man ganz prima, aber nicht mich, wenn ich gerade an der Parklücke vorbeifahre, aus der du gesprungen kommst.
Schlimm ist auch die Zeit von ca. Mai - September. Dann sind nämlich plötzlich gefühlte zehn Mal soviele Fahrradfahrer unterwegs. Und die Schönwetterfahrer sind nicht nur langsam (das wäre ja noch okay, man kann ja überholen), sie sind noch viel unberrechenbarer als Autofahrer und Fußgänger zusammen. Außerdem verstopfen sie die ohnehin knappen Fahradständer.
A propos: Seid nicht so blöd wie ich und kauft euch ein Fahrrad ohne Ständer. Man muss in München Fahrräder nicht unbedingt irgendwo anketten, man kann sie auch einfach nur auf den Ständer stellen und das Rückrad an den Rahmen anschließen.
Zu guter Letzt noch:
The City is only 7 miles across. Nothing is as far away as you think it is.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Auch wenn München größer ist — zumindest innerhalb des Mittleren Rings braucht man nichts Anderes als ein Fahrrad.