Vielleicht ist das alles gar nicht wahr, aber die Legende geht so: Keiner kennt seinen Namen. Nur seine Familie und genau fünf andere Leute wissen, dass er Musik macht. Er arbeitet nachts in seiner Wohnung in London, wenn die meisten schlafen und der Rest des Lebens um ihn herumfließt. Manchmal geht er in Clubs, stellt sich ganz nach hinten und hört dem DJ zu, sieht den Tanzenden zu, im Nebel und im flackernden Licht. Wenn er nach Hause geht, allein, hallen die Beats in ihm nach, gebrochene Beats, und diesen Nachhall nimmt er mit nach Hause, vermischt ihn mit dem Geräuschen von klirrenden Schlüsseln, zischenden Projektilen aus Computerspielen, mit Stimmfetzen und Gesang mit einem überirdischen Soul. Was dabei herauskommt, nennen Experten Dubstep, aber so einig sind sie sich nicht, sagen dann, es ist “mehr als das”, aber am besten kann man die Musik empfinden, wenn man sich eine unendliche Stadt vorstellt und eine unendliche Nacht und eine unendliche Fahrt alleine im Bus durch den Regen.
Jürgen Albertsen
Kategorie: Musik
Burial
Ballads of the Book
Es gibt zwei Schichten von Vorurteilen gegenüber Schotten. In der ersten, der oberflächlichen Schicht redet man von Männerröcken mit nichts drunter, Geiz und Dudelsack. In der zweiten, leidlich differenzierteren, von Schwermut, Selbstzerstörung und Trunksucht. Immerhin gibt es Schriftsteller, die über diese zweite Schicht schreiben und Musiker, die davon singen.
Das verdienstvolle Label Chemikal hat jetzt eben solche schottischen Schriftsteller und Musiker zusammengebracht. Erstere schreiben die Texte, letztere machen die Musik dazu.
18 Lieder sind es geworden. 18 Lieder übers Trinken, Schlägereien und zerbrochene Liebe und immer mit einer guten Portion grimmingen Humor: Ballads of the Book.
Bands wie De Rosa, Idlewild, Aereogramme, Musiker wie Aidan Moffat (Ex-Arab Strap), Norman Blake (Teenage Fanclub), Mike Heron (The Incredible String Band). Schriftsteller wie A.L. Kennedy, Ian Rankin und Lousie Welsh. Sie haben etwas Wunderbares geschaffen. Kein Kunstprodukt, sondern etwas Rauhes, Ehrliches, aber trotzdem Schönes.
So wie ihr Land, möchte man denken. Und scheiß drauf, wenn das ein Klischee ist.