Monat: November 2008

Mal wieder ein paar Bücher…

John Irving: The Hotel New Hampshire

Eines dieser Bücher, bei denen man traurig ist, wenn es vorbei ist. Irving packt soviele Einfälle in ein einzige Kapitel wie andere nicht in ganze Bücher. Dieser Roman ist so voller skurriler Charaktere, seltsamer Wendungen, Humor, Wärme und Tragik, dass man sich noch lange daran erinnert. Nur das Ende hätte vielleicht ein bisschen weniger sentimental sein können…

Bram Stoker: Dracula

Davon kann natürlich nur jeder Schriftsteller träumen: Mit einem einzigen Buch ein ganzes Genre definieren. Man denkt zwar, man kennt die Geschichte, aber beim Lesen merkt man doch, dass man zu sehr von den schlechten Nachahmern versaut ist. Der Roman bleibt spannend, auch wenn er aus heutiger Sicht dann doch ein bisschen arg dick aufträgt. Aber so war das eben damals unter Königin Viktoria.

Leonardo Padura: Adiós Hemingway

Nach dem Havanna-Quartett wollte Padura ja eigentlich den Charakter des Teniente Conde beerdigen. Aber für diese Geschichte hat er ihn dann doch nochmal reaktiviert. Es geht um eine Leiche, die auf Hemingways früherem Anwesen (jetzt Museum) gefunden wurde. Diese Leiche ist vierzig Jahre alt, und bei der Polizei interessiert sich niemand so richtig dafür, also muss Conde ran, der ja eigentlich jetzt Schriftsteller und kein Polizist mehr ist.

Für mich ist dieses Buch das beste aus Paduras Conde-Serie. Es scheint, als täte es Padura gut, aus dem Korsett eines Romanzyklus auszubrechen. Und so setzt er seinem ohnehin genialem Quartett etwas noch Besseres hinterher.

Bret Easton Ellis: Less Than Zero

Ich mag Ellis ja sehr, und dieses Buch habe ich zum ersten Mal gelesen, als es damals rauskam. Das Grauen von American Psycho deutet sich schon an, aber der Schrecken ist hier subtiler. Dass man sich 200 Seiten lang von der Gleichgültigkeit und dem Nichts fesseln lassen kann, zeigt wie gut Ellis schon damals war (gerade mal Anfang zwanzig!). Für mich ist es immer noch sein bestes Buch, denn er verzichtet bis kurz vor Schluss ganz auf Schockeffekte und einen dann nur umso heftiger zu treffen.

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Prophezeiung, selbsterfüllende

Liebe Medien,

mir ist ja klar, dass ihr die Hosen voll habt. Es gibt ja immer mehr von euch, und all die Kanäle, all die Seiten müssen ja gefüllt werden. Und bezahlen will auch keiner mehr dafür. Wozu 1,50 für eine Zeitung ausgeben, wenn ich sie auch im Internet lesen kann? Und von den Filmen und den MP3s wollen wir gar nicht erst anfangen.

Aber versucht es vielleicht doch mal mit einem Experiment. Wenn die nächste Wirtschaftskrise ansteht — kleiner Tipp: so in zehn Jahren — schreibt einfach nicht darüber. Kommentiert nicht jeden Tag des DAX-Kurs (”bricht dramatisch ein”), lässt den IFO-Index links liegen (”auf den niedrigsten Stand sein sieben Jahren”) und ignoriert mal jegliche Prognosen (”Nullwachstum in nächsten Jahr”).

Ihr werdet sehen, so schlimm wird das dann nicht. Okay, die eine oder andere Firma wird trotzdem hops gehen, Leute werden ihren Arbeitsplatz verlieren, aber die große Panik? Die bleibt dann aus. Und was bedeutet das? Kleinanleger rennen nicht zu den Banken und heben ihr Guthaben ab, verkauften nicht hektisch ihre Aktien und sind ganz allgemein viel gelassener.

Denn das brauchen wir mal. Ein bisschen Gelassenheit. Und weil es ohne eure Panikmache dann gar nicht so schlimm kommt, springt auch was für euch raus. Die Firmen schalten immer noch Anzeigen und pflastern eure Portale mit Bannern voll. Ihr verdient immer noch Geld. Ihr müsst nicht auch noch Leute entlassen. Und ihr könnt weiter eure Seiten füllen. Ist das nicht was?

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What’s In a Name?

Es wird mir ja auch nicht leicht gemacht. Axel, Alex, Andreas. Auf dreißig Mitarbeiter scheinen nur ein halbes Dutzend Namen zu kommen. Immerhin kann ich die Leute in meinem Bürozimmer auseinanderhalten. Aber kaum gehe ich ins Nachbarzimmer fängt es schon an. Rudi? Hubi? Juri? Spitznamen machen es nicht unbedingt leichter. Und von den Leuten, die vorne in der FiBu sitzen, wollen wir gar nicht erst anfangen, geschweige denn von den Dependencen in den anderen Städten.

“Vielleicht interessiert du dich nicht für Leute”, heißt es dann. Aber würde ich dann nicht auch die Gesichter vergessen? Außerdem: Selbst in den spannendsten Büchern komme ich manchmal durcheinander. War John jetzt der Bösewicht oder Jack?

Vielleicht sollte ich mich mal untersuchen lassen. Ein Röntgenbild meines Hirns. Vielleicht würde der Arzt — wie hieß er doch gleich? — mir dann ein tiefes schwarzes Loch zeigen, in dem all die Alex’ und Axels verschwinden. Und dann würde er mir sagen, wie der heißt, der Defekt, den ich habe. Aber den Namen würde ich auch gleich wieder vergessen.

Wie man sieht, passiert hier mal wieder nichts. Als Ausgleich gibt es jetzt noch eine zweite Seite, auf der nichts passiert: Die letzten Lieder. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dort ein bisschen mehr passiert als hier ist ein bisschen größer.

Also.

Danke für die Geduld.