Cormac McCarthy: The Crossing

BuchumschlagDies ist der zweite Teil der Border-Trilogie. Im Prinzip gilt dasselbe, was ich über den ersten Teil (All the Pretty Horses) gesagt habe. Und doch hat mich dieses Buch nicht ganz so mitgerissen, nicht ganz so berührt wie Pretty Horses.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass es einerseits zu ähnlich ist, aber dann auch wieder zu anders. Ähnlich dieshalb, weil es wieder um einen Jungen geht (diesmal heißt er Billy), der von zu Hause abhaut. Er will einen Wolf, den er eigentlich hätte jagen sollen, über die Grenze in dessen Heimat, den mexikanischen Bergen zu bringen. Und wieder ist dieser Junge ein Romantiker, ein Abenteurer, der aber auch feststellen muss, dass die Welt vielleicht oft abenteuerlich ist, aber beileibe nicht immer romantisch.

Doch wo Pretty Horses sehr zwingend war, einen mitgerissen hat, fängt dieses Buch an zu schlingern. Es hat natürlich auch mit Billy zu tun, der manchmal selbst nicht weiß, was eigentlich sei Ziel ist. Und so braucht es immer wieder Menschen, die ihm mit ihren Geschichten auf den richtigen Weg zurückführen. Und es sind dann diese Geschichten, die ein wenig ermüden, denn sie kommen allzu oft als Gleichnisse her, und ich muss ehrlich sein: Da schalte ich ab.

So hat man manchmal das Gefühl, das McCarthy mit diesem Buch ein wenig zu viel Botschaft reinpacken wollte und seine Lakonie und seine Strenge zu kurz kommen ließ. Es ist natürlich trotzdem noch ein gutes Buch, und ich bin gespannt auf den dritten Teil, in dem die beiden Hauptcharaktere der ersten beiden Bücher aufeinander treffen. Immerhin sind sie doch verschiedenen genug, dass es da viel Reibung geben kann.

Kommentare 1

  1. johannes :

    Am “Grenzgänger” gefällt mir die Einstiegsgeschichte mit der Wölfin wahnsinnig gut . McCarthy führt einen feinen pinsel, es gelingt ihm, Bilder und Stimmungen bis in kleinste Detail wiederzugeben. Mich beeindruckt die Akribie, mit der er zu Werke ging, mit welcher minimalistischen Haltung es ihm gelingt,die Geschichte zu erzählen. Im Anschluss aber, ab der Rückkehr ins Elternhaus,beginnt sich die Erzählung im Kreis zu drehen, sie wird unscharf,ein wenig beliebig,natürlich geschehen schlimme Dinge, die im Westen, in Mexico zu g eschehen haben, natürlich überwindet der Held alle Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, natürlich bleibt ihm die Liebe versagt. Nur logisch,dass ihn der Autor irgendwo im dunklen, no-future-Nichts verlässt. Na ja, auch all die Menschen, denen er begegnet, die jeweils eine volle Ladung an Metaphysik über ihm ausschütten,vermögen nicht wirklich zu überzeugen. Das Buch hat Längen, aber für die von Anfang bis zum Ende herrschende Stimmung im Grenzland, für die Natur, die Geheimnisse, die Trostlosigkeit habe ich es geliebt,bin jeden Abend gerne zum Buch zurück gekommen

    27 Jan 2009 um 15:50

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