Monat: Oktober 2008

James M. Cain: The Postman Always Rings Twice

(dt. Wenn der Postmann zweimal klingelt)

Buchumschlag

Ich will nicht einordnen. Nicht in das Umfeld und in die Epoche schon gar nicht. The Maltese Falcon fand ich unglaublich blöd, andere von Hammet waren auch nicht besser. Da nützt es mir dann wenig, wenn diese Bücher eine ganze Gattung definiert haben, wenn ich heute nur noch über sie lachen kann.

The Postman hätte auch so ein Kandidat sein können. Damals verursachte es Riesenwirbel: Zuviel Sex, zuviel Gewalt. Aus heutiger Sicht ist der Apspekt natürlich harmlos. Jeder Tatort zeigt da schon mehr.

Aber vielleicht ist das besser so. So können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Die Story: Die USA in den Dreißigern. Frank Chamber ist ein Vagabund, ein Kleinkrimineller, der einen Job in einem Diner in Kalifornien annimmt. Der gehört Nick, einem griechischen Einwanderer. Frank fühlt sich sofort zu Cora, Nicks Frau, hingezogen, und es dauert nicht lange, da hecken die beiden einen Plan aus: Nick beiseite schaffen, den Diner zu verkaufen und sich mit dem Geld ein schönes Leben zu machen.

Aber so einfach ist das alles natürlich nicht. Die Polizei ist da das geringste Problem. Vielmehr ist die Beziehung zwischen Frank ein ständiges Ringen zwischen Liebe, Sex, Gewalt, Alkohol und Misstrauen. Auf dem ersten Blick erscheint es typisch hard-boiled, wie Cora Frank verfällt, aber dann merken wir, dass auch er nicht von ihr loskommt, dass er von ihr abhängig ist, und das nicht nur wegen des Geldes. Wir beobachten ein Pendel der Macht: Mal schwingt es in Franks Richtung, mal in Coras, aber selten bleibt es in der Mitte stehen.

Es ist ein unglaublich gradliniges Buch. Gute 100 Seiten, Ich-Erzähler, nichts, was nicht unmittelbar zur Geschichte gehört. Und die Dialoge: Knochentrocken, realistisch, brillant. Zu Recht ein Klassiker. Und noch dazu einer, der moderner wirkt als so vieles, was heutzutage auf den Markt kommt.

“Trink halt weniger” ist als Antwort auf eine zugebenen nervige Frage auf dem Oktoberfest irgendwie auch eine Tautologie. (Und dass mir ein Ingo-Schulze-Lookalike eine halbe Stunde versucht hat, mir zu erklären, dass früher alles besser war, weil cherchez la femme, macht es auch nicht besser.)

Cormac McCarthy: The Crossing

BuchumschlagDies ist der zweite Teil der Border-Trilogie. Im Prinzip gilt dasselbe, was ich über den ersten Teil (All the Pretty Horses) gesagt habe. Und doch hat mich dieses Buch nicht ganz so mitgerissen, nicht ganz so berührt wie Pretty Horses.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass es einerseits zu ähnlich ist, aber dann auch wieder zu anders. Ähnlich dieshalb, weil es wieder um einen Jungen geht (diesmal heißt er Billy), der von zu Hause abhaut. Er will einen Wolf, den er eigentlich hätte jagen sollen, über die Grenze in dessen Heimat, den mexikanischen Bergen zu bringen. Und wieder ist dieser Junge ein Romantiker, ein Abenteurer, der aber auch feststellen muss, dass die Welt vielleicht oft abenteuerlich ist, aber beileibe nicht immer romantisch.

Doch wo Pretty Horses sehr zwingend war, einen mitgerissen hat, fängt dieses Buch an zu schlingern. Es hat natürlich auch mit Billy zu tun, der manchmal selbst nicht weiß, was eigentlich sei Ziel ist. Und so braucht es immer wieder Menschen, die ihm mit ihren Geschichten auf den richtigen Weg zurückführen. Und es sind dann diese Geschichten, die ein wenig ermüden, denn sie kommen allzu oft als Gleichnisse her, und ich muss ehrlich sein: Da schalte ich ab.

So hat man manchmal das Gefühl, das McCarthy mit diesem Buch ein wenig zu viel Botschaft reinpacken wollte und seine Lakonie und seine Strenge zu kurz kommen ließ. Es ist natürlich trotzdem noch ein gutes Buch, und ich bin gespannt auf den dritten Teil, in dem die beiden Hauptcharaktere der ersten beiden Bücher aufeinander treffen. Immerhin sind sie doch verschiedenen genug, dass es da viel Reibung geben kann.

2. Dezember, München, Muffathalle. Geht jemand hin?