Gehört Island zu Skandinavien oder nicht? Je nach Sichtweise und Kontext kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber will man in Deutschland Krimis aus Island verkaufen, so ist die Antwort eindeutig ja. Und Indriðasons Kommissar Erlendur Sveinsson erfüllt auch die Standardanforderungen an einen skandinavischen Kommissar, wie man ihn hierzulande gerne sieht: Einsam, melancholisch, mit seiner Familie überworfen. Leider bleibt er trotz all dieser Bürden erstaunlich blass, wenn auch nicht ganz so blass wie seine Kollegen, die man gerne einmal miteinander verwechseln kann, so schwach sind sie charakterisiert.
Die Handlung: Reykjavík breitet sich immer mehr ins Umland aus, und in einem der vielen Neubaugebiete wird ein Skelett gefunden. Es ist alt, sechzig, siebzig Jahre, und so beginnt eine Spurensuche in eine Zeit, als Island noch zu Dänemark gehörte, das wiederum aber von Deutschen besetzt war, so dass die Briten bzw. Amerikaner ihrerseits Island besetzen, um die strategisch wichtig gelegene Insel nicht den Feinden zu überlassen. In Rückblenden erfahren wir dann die Geschichte einer Familie jener Zeit, die unter dem herrischen Terror des Vaters zu leiden hat. Und anders als in der Gegenwartshandlung bekommt hier der Roman ein bisschen Tiefe und vor allem nachvollziebare Charaktere. Zwar schrammt die Darstellung der väterlichen Gewalt manchmal arg haarscharf am Klischee vorbei, aber sie ist zumindest sehr eindringlich und führt uns vor Augen, dass auch in den heutigen Musterländern der freien Gesellschaft einmal ein tief einzementiertes Rollenverständnis geherrscht hat.
So hätte es eigentlich der Ermittlung der Polizei gar nicht gebraucht. Sie dient eigentlich nur dazu, den Erzählstrang aus der Vergangenheit ab und so spannungswirksam zu unterbrechen. Außerdem krankt das Buch wie auch schon Nordermoor an einer schlampigen Sprache und hastigen Perspektivwechseln. Und von dem deutschen Titel will ich gar nicht erst anfangen. Aber angesichts der Tatsache, dass dieses Buch besser ist als sein Vorgänger, besteht ja noch Luft nach oben.
Eric Cash ist Mitte dreißig, lebt an der Lower East Side von New York und arbeitet als Manager in einem Restaurant. Aber natürlich will er Künstler sein, wie so viele in dem Viertel. Eines Tages geht er mit seinem über zehn Jahre jüngeren Kollegen Ike und dessen Kumpel auf Sauftour. Sie werden überfallen. Während Eric bereitwillig sein Geld weggibt, makiert Ike den starken Mann — und wird erschossen. Aber von wem? Von dem Gangster… oder doch von Eric? Wurden sie überhaupt überfallen oder behauptet Eric das nur? Immerhin kann der Dritte im Bunde keine vernünftige Aussage machen, so besoffen wie er war.