50cm, das hört sich gar nicht soviel an, aber es reicht, dass das Boot die Wellen über nimmt. Wir haben nur die Genua oben, was es nicht einfacher macht. Aber ich kann es noch. Höher ran, fieren, wenden, das aber mit Hilfe. Egal, endlich wieder Wind und Weite.
Wir fahren in den Hafen rein, ein paar Mal killt das Segel, meine Schuld, bin eben doch aus der Übung, außerdem sind da die Silos. Zurück müssten wir kreuzen, aber mach das mal nur mit der Genua, also dann unter Motor, AK auf Kollund zu, jetzt wehen meine Haare in die Augen, so lang sind sie geworden.
Scheiße, Kamera vergessen.
Am nächsten Tag finde ich das Kirchenprogramm von 2006 in der Jacketttasche. So lange habe ich den Anzug nicht angehabt. In der Zwischenzeit mal fetter geworden, aber rechtzeitig genug wieder abgenommen, es ist eben immer ein Auf und Ab. Sowieso kenne ich kein einizges der Lieder, und warum nach einem Bläserchoral nicht geklatscht werden darf, kann mir auch niemand sagen.
…und auch nicht, warum Sonnenuntergänge schöner sind als -aufgänge. Weil das Ende schöner ist als der Anfang? Andererseits, ist es nicht die Nacht, die anfängt, also wo ist hier das Ende? Und vielleicht ist es wahrscheinlich wieder nur blöde Sentimentalität.
Anders als das Buch von Clemens Meyer, der sowas von hätte schiefgehen können bei dem Milieu, in dem wa spielt, aber endlich mal ein deutscher Roman, bei dem das funktioniert. Von acht Stunden Fahrt sechs Stunden lang darin gelesen. In der restlichen Zeit festgestellt, dass deutsche Zugbegleiter genauso schlecht Englisch sprechen wie spanische Piloten. Am falschen Ende globalisiert.
Schließlich dann zurück. Bier kaufen, Chips, sich auf Deadwood freuen. Regen, Müdigkeit, nichts von Wind und Weite, es ist eben immer ein Auf und Ab.
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