Domingueros

“Landratte”. Das sagt man als Segler gerne mal zu jemanden, der sich nur mit tastenden Füßen an Bord einer Jolle traut. Der zu “Steuerbord” “rechts” sagt, zu “achtern” “hinten” und von “fieren” und “höher rangehen” schon erst Recht keine Ahnung hat.

So einen Ausdruck muss es auch geben für Leute wie uns, die sich nur eine Woche nach heftigstem Schneefall in die Berge begeben, auf eine Tour, die sie schon mindestens ein dutzend Mal gemacht haben, bevorzugt am Anfang der Saison, “weil sie doch so einfach ist.”

Einfach ist dann aber nichts mehr, wenn man schon gleich zu Anfang durch den — immerhin noch festgetretenen — Schnee stapft, weiter oben dann auf immer mehr umgestürzte Bäume trifft, über die man rüberklettern muss, wobei man sich wahlweise Schrammen von den Ästen oder nasse Füße vom tiefen Schnee auf der andere Seite des Baumes holt. Und noch viel weniger einfach wird es, wenn man dann oben auf dem Sattel angekommen ist, denkt, “endlich keine Bäume mehr!”, aber feststellt, dass keine Bäume auch bedeuten, dass hier viel mehr Schnee liegt, der Schnee somit noch tiefer wird, die Hose nass, die Schuhe sowieso schon längst noch nasser, die Spur dann sich auch irgendwann verliert, weil sich der Wanderer vor einem sicher dasselbe gedacht hat wie wir jetzt: “Bloß wieder umkehren.”

Das heißt dann aber wieder zurück über die Bäume, mehr Schrammen holen, jeden Muskel spüren, aber wenigstens können die Füße nicht noch nasser werden. Immerhin trifft man unten angekommen Leute, die noch blöder sind als man selbst und in Mokassins ohne Socken da hoch wollen. Doch will man sich und die anderen beschimpfen, fällt einem nicht der passende Ausdruck ein. Wie heißt es denn, das Bergwort für “Landratte”?

Kommentare 4

  1. loreley :

    Flachlandtiroler.

    02 Apr 2008 um 10:07
  2. albertsen :

    Ja, das hatte ich auch im Kopf, aber irgendwie dachte, es gäbe noch was Anderes.

    02 Apr 2008 um 10:27
  3. kaltmamsell :

    Wobei mir ein großer Unterschied einfällt: Die Idee, aufs Hochgebirge zu steigen, ist ziemlich neu - bevor Berge als Sportgerät entdeckt wurden, blieben die Anwohner fein unten. Ganz anders bei Schiffen / der See, die seit Jahrtausenden von Küstenbewohnern genutzt werden.
    “Dominguero” ist vermutlich die beste Bezeichnung: Sonntagssteiger.

    03 Apr 2008 um 13:58
  4. loreley :

    Wie der Sonntagsfahrer.

    09 Apr 2008 um 12:12

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