Ich kaufe dauernd Bücher. Und bei Amazon zu surfen, ist natürlich ganz perfide, weil man da einfach nur klicken muss, und schon schicken sie es einem zu.
Die Bücher auch lesen? Das ist schon schwieriger. Denn erstmal muss ich mich gerade durch Formulare mit so schönen Namen wie “Bewilligungsbogen TM3″ kämpfen, und dann habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass die richtig guten Bücher immer seltener werden.
Also habe ich gedacht, warum nicht mal methodisch rangehen und notieren, was man so liest. Hier die (magere) Ausbeute für die ersten Monate des Jahres 2008.
Jean-Christophe Grangé: Die purpurnen Flüsse
Fängt gut und hektisch an, geht auch gut und hektisch weiter, aber ist zum Schluss nur noch hektisch und an den Haaren herbeigezogen. Eines dieser Bücher, bei denen man das Gefühl hat, der Autor hatte zu Anfang ein paar prima Bilder im Kopf und dann nicht mehr die Kurve gekriegt.
Mercè Rodoreda: Der zerbrochene Spiegel
Nicht so gut wie Auf der Plaça del Diamant, aber dennoch ein sehr schönes, stimmiges Buch über die Geschichte einer Familie in Barcelona vom Ende des 19. Jahrhundert bis in die Franco-Zeit. Gefällt einem sicher noch besser, wenn man Familienromanfan ist.
Ruth Rendell: End in Tears
Erstes Kapitel gut, danach geht’s abwärts. Siehe hier.
Jean-Patrick Manchette: Wesküstenblues
Großartig. Schnell, virbierend, zynisch, moralfrei. So muss ein Thriller sein. Kein psychologischer Schnickschnack, Gesellschaftskritik ohne Wehleidigkeit, jede Menge Sex und Leichen, und weit und breit kein guter Held in Sicht, sondern nur pure Niedertracht.
Marcus Sakey: The Blade Itself
Das nennt man dann wohl gut durchkomponiert. Eine gute Idee wird zu Tode konstruiert, die Personen sind zu schablonenhaft, man hört ständig die Karteikarten rascheln, auf denen der Autor sich den Plot notiert hat.
Jesus Moncada: Die versinkende Stadt
Habe ich nach einem Drittel abgebrochen. Erzählt von einer Stadt, die einem Stausee weichen muss. Vielleicht muss man zu diesem Buch einfach nur mehr Ruhe haben, denn es erzählt eigentlich tolle Geschichten, aber leider so mäandernd, so in der Zeit umherspringend, dass ich schlicht nicht mehr folgen konnte.
P.D. James: Children of Men
Nach exakt zwei Seiten abgebrochen. Was für ein Gelaber. Diese großartige Grundidee völlig zu Tode gequatscht, und das schon, bevor das erste Kapitel zu Ende ist. Statt dessen habe ich den Film gesehen — eines der seltenen Fälle, in denen der Film um Längen besser ist als das Buch. Wahrscheinlich, weil er nur ein paar Motive genommen hat und das Buch ansonsten ignoriert. Nie wieder P.D. James.
John Fante: Ask the Dust
Ich habe mir das Buch wegen Bandini des Bloggers gekauft. Als ich ihm das schrieb, antwortete er mir: “Ach, geh mir weg mit diesem pubertierenden Scheiß.” Wie Recht er hatte. Das Buch mag vielleicht aufregend gewesen sein, als es Ende der 1930er erschien, aber ich fand es genauso ärgerlich wie Keruacs On the Road. Ich habe einfach keine Lust mehr, über die Selbstfindingstrips Heranwachsender zu lesen. Dann lieber doch die Ergüsse altersgeiler Männer wie Bukowski.
Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N’Gustro
Nicht ganz so stringent wie Westküstenblues und vielleicht ein bisschen zu politisch. Ansonsten wieder im besten Sinne ein typischer Manchette.
Kommentare 6
So. ich habs mir bestellt. Den Westküstenblues!
Wehe das taugt nicht. ;-)
Schöne Grüße aus dem Allgäu
22 Apr 2008 um 11:40 ¶Und wenn nicht? Was passiert dann? Ich zittere vor Angst…
22 Apr 2008 um 11:52 ¶Das habe ich gesagt? Himmel, ich sollte mehr für mein Image tun. Bis Anfang zwanzig ist das Buch nämlich phänomenal. Danach kann man sich immer noch daran ergötzen, dass der Mann gut schreiben kann.
23 Apr 2008 um 12:36 ¶Klar hast du das so gesagt! Mindestens aber so ähnlich…
23 Apr 2008 um 19:26 ¶Nein, ich glaube das ja, ich erinnere mich sogar, es lässt mich aber dennoch wundern.
24 Apr 2008 um 13:45 ¶Westküstenblues bestellt. Wobei der Titel schon böse Assoziationsketten aufmacht.
Bin gespannt :-)
09 Jul 2008 um 11:17 ¶Neuer Kommentar