Monat: Januar 2008

Die kleinen Dankbarkeiten des Lebens

Einer meiner schönsten Zeiten im meinem Arbeitsleben hatte ich als Praktikant in der EDV-Abteilung einer Behörde. Nicht nur dass ich einen großartigen Chef hatte, der mich alles machen ließ, was mich interessierte, auch ist mir in meinem Beruf seitdem nie wieder soviel Dankbarkeit widerfahren. Während in der professionellen Software-Entwicklung eher das Prinzip gilt “Einmal nicht zusammengeschissen ist genug gelobt”, lief das damals oft genug so ab: “Hilfe, mein Word ist weg!” — “Hm… mal sehen. Oh, das Icon auf dem Desktop ist gelöscht. Ich tu das mal wieder dahin.” — “Oooohh, du bist ein Schatz. Endlich kann ich wieder arbeiten. Willst du Kaffee? Kuchen?”

So ungefähr hat sich wahrscheinlich auch der ADAC-Mann (aka “Gelbe Engel”) am Samstag gefühlt. Ich erzähle ihm noch was von Duplex-Garage und eng, und er kommt einfach mit einer tragbaren Batterie daher und — zack! — springt der Wagen sofort wieder an… und dass nachdem ich schon zwei Nachbarn belästigt habe, von denen einer sogar die Antenne seines Autos abgerissen hat (Duplex-Garage halt). Jedenfalls war ich dem ADAC-Mann unendlich dankbar, auch wenn ich gerade weder Kaffee noch Kuchen zur Hand hatte. Innerlich hat er wahrscheinlich die Augen verdreht und gedacht: Wenn es doch immer so einfach wäre.

Nein, “Outdoor” heißt nicht “Außentür”.

Introducing…

2185087061_4ae4cd53d4_o-2.jpg

„First, get the name of your band: this will be the first article title on:
http://en.wikipedia.org/wiki/Special:Random

Get the title of your album: the last four words of the very last quote:
http://www.quotationspage.com/random.php3

The third picture, no matter what it is, is your album cover:
http://www.flickr.com/explore/interesting/7days

(Via Anke)

Schlaf

“Früher haben die Leute noch im Schnitt acht Stunden geschlafen, heute gerade mal sechs.”
“Da sieht man mal, wie schädlich schlafen ist.”
“Wieso das denn?”
“Na, heute leben die Leute doch viel länger als früher.”

Von wegen der Weg ist das Ziel

Ich habe mal ein Buch gelesen, das etwas öde war, aber einen tollen Titel hatte: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Wie wahr.

Als ich nach München zog, hatte ich kein Auto. Wenn ich eine weitere Strecke zurücklegen wollte, nahm ich die U-Bahn oder das Taxi, je nach Uhrzeit, Wetter und Kontostand. Jetzt ist das aber so, dass öffentliche Verkehrsmittel die Stadt abstrakt machen. Sie besteht nur noch aus Ausgangspunkten und Zielen. Dazwischen ist nur Zeit, aber keine Strecke, vor allem, wenn man mit der U-Bahn fährt, also nichts an den Fenstern vorbeirauschen sieht. Bis auf mein Viertel und ein paar ganz wenigen anderen Gegenden, kannte ich mich also kaum aus.

Bis ich mir nach zwei Jahren ein Auto kaufte. Und mich erstmal dauernd verfuhr. Ich musste immer wieder an einer Ecke anhalten und auf der Karte nachsehen. “Aha. Fraunhofer Ecke Klenze. Da geht’s lang.” So lernt man die Stadt kennen, zumindest den Teil, den man durchquert. Umwege lassen einen zum Entdecker werden.

Irgendwann ging mir das aber auch auf die Nerven. Die Strecke war mir scheißegal. Ich wollte einfach nur ankommen. Ich benutze ja auch weiterhin viel den MVV, aber überall fährt die auch nicht hin. Also kaufte ich mir ein Navigationsgerät. Das ist dann wieder ein bisschen wie U-Bahn-Fahren. Man setzt sich ins Auto, lässt sich schön sagen, wo man abbiegen soll und muss nicht mehr versuchen, die schon längst zerfetzte und vergilbte Karte zu entziffern. Am Ende hat man irgendwie Strecke zurückgelegt, aber auch wenn man sie hat vorbeirauschen sehen: Wichtig ist irgendwann eben doch nur das Ziel.

Umgezogen

Meldung aus dem Maschinenraum: Dieses Blog ist umgezogen. Das hättest du gar nicht gemerkt? Prima, dann habe ich alles richtig gemacht.

Irgendwas funktioniert nicht? Dann hinterlasse doch bitte einen Kommentar oder schreibe mir an die Adresse mail ‘kringel’ juergenalbertsen.de.

Danke.

Heute beim Mittagessen erzählte ein Kollege, dass man bei einer Supermarktkette jetzt nur noch mit Fingerabdruck bezahlen kann. Leute vom Chaos Computer Club haben dann schnell rausgefunden, dass man mit einem Laserdrucker und ein bisschen Leim einen solchen Fingerabdruck prima fälschen kann. Da dachte ich gleich: Was macht man dann? Kann man seinen eigenen Fingerabdruck sperren lassen? Und wenn ja, wie bezahlt man dann? Da hilft dann wohl nur noch plastische Chirurgie.

The Wire

Season02_posterart.jpg Drehbuchschreiber, Regisseure, Produzenten wenden sich von Hollywood ab, weil sie sich durch die Blockbuster-Maschine eingeengt fühlen. Und wohin gehen sie? Ausgerechnet zum Fernsehen. Denn es gibt nämlich Abo-Sender wie HBO, die das Geld ihrer Zuschauer nicht nur dafür benutzen, sündhaft teure Sportrechte zu kaufen, sondern auch exzellente Serien zu produzieren. Ein paar von ihnen sind auch nach Deutschland geschwappt. Sex and the City zum Beispiel oder The Sopranos.

The Wire hingegen wird hierzulande wohl niemals laufen. Schon in Amerika ist die Serie nicht besonders erfolgreich bei den Zuschauern. Zu komplex die Handlung, die sich in jeder Staffel über ein gutes Dutzend Episoden à eine Stunde entwickelt, zu oft benutzen die Charaktere das Universalwort “Fuck” und sprechen sowieso wahlweise in einem Gangster- oder einem Bullen-Slang.

Warum hat HBO dann vier Staffeln produziert und plant noch eine fünfte? Weil sie eben nicht von Werbeeinnahmen abhängig sind und wohl so etwas wie eine Mischkalkulation machen. Das Geld von Leuten, die wegen der Sex and the City ein Abo abgeschlossen haben, fließt eben auch in weniger erfolgreiche Serien wie The Wire.

Worum geht bei The Wire? Um etwas, das einer der Charaktere sarkastisch “The modern urban crime environment” nennt. Auf der einen Seite stehen Gangs, die die Viertel der Stadt kontrollieren und dort Drogen veraufen, sogar noch aus dem Gefängnis heraus ihre Truppen steuern, sich gegenseitig bekriegen, aber auch immer wieder an ihrem Tun zweifeln und sich nicht immer zwischen dem Geschäft und Freunden bzw. Familien entscheiden können. Auf der andere Seite steht die Polizei mit Typen, denen es einen Kick verschafft, wenn sie den Gangstern immer um einen Schritt voraus sind oder die Karriere machen wollen und auch vor Korruption nicht zurückschrecken; die bei der Polizei sind, weil sie einfach nur einen sicheren Job wollten oder manchmal auch, weil sie an die Gerechtigkeit glauben.

Es wäre fast zu banal zu sagen, dass jeder Charakter gute und schlechte Seiten hat, vielmehr ist es so, dass man sogar bei den fast ausschließlich Bösen immer nachvollziehen kann, warum sie tun, was sie tun. Sei es, weil sie den Druck der Gruppe nicht stand halten, sei es, weil sie auch endlich einmal beweisen wollen, dass sie ein Ding durchziehen können, oder sei es, weil sie von klein an nur das eine kennen: The Game, das Spiel um Drogen, Macht und Gewalt.

Dann das Drehbuch. So brillante Dialoge hört man selten, weder im Kino noch im Fernsehen. Jede Szene ist wie eine winzige Geschichte in sich und treibt diese ganz subtile Spannung dieser Serie nach oben. Cliffhanger hat sie nicht nötig, alles ergibt sich wie von selbst.

Dabei hat The Wire es sich zum Anspruch gemacht, möglichst realisitisch zu sein. Ob sie es schaffen, kann man als Mittelklasse-Westeuropäer schwer beurteilen, aber vieles deutet darauf hin. Die Ausstattung zum Beispiel. Die Polizeibüros sehen genauso öde und abgenutzt aus, wie man sich Behörden nunmal so vorstellt, die Dealer am unteren Ende der Hackordnung schlafen auf Matratzen in heruntergekommenen Sozialbauten, sowohl Gangster als auch Polizisten lassen sich in schmierigen Bars an einem klebrigen Thresen volllaufen. Kein Vergleich mit der MTV-Welt von CSI.

A propos CSI: Im Gegensatz zu dort sind viele der Polizisten bei The Wire fett, schlecht angezogen und haben den käsigen Teint aller Büroarbeiter. Die Haut der Hafenarbeiter ist mit schlampigen Tätowierungen überzogen, und die Gangster tragen ihre Hosen bis zu den Knien heruntergezogen.

Fast überflüssig zu sagen, dass das Ende jeder Staffel ebenso ambivalent ist wie die Motivation jedes einzelnen Charakters. Irgendwie hat jeder immer gleichzeitg gewonnen und verloren, wobei es natürlich immer die keinen sind, die am meisten zu leiden haben — auf beiden Seiten.

Eine Warnung noch: Die Serie macht süchtig. Da sie in Deutschland nicht läuft und wohl auch zu Tode synchronisiert würde, muss man sie sich auf DVD ansehen. Und ist es leicht, nach dem Ende jeder Folge zu sagen: “Noch eine” und “Noch eine” und “Noch eine”. Aber warum eigentlich nicht?

Die BMW Welt hat innen fatale Ähnlichkeiten mit dem Terminal 2 des Münchner Flughafens. Und auch das Parken ist da genauso teuer. Das kann kein Zufall sein.

Also, wenn ich sie so sehe, diese kleinen Grüppchen, frierend, von einem Fuß auf dem anderen tretend, die Schultern hochgezogen, dann glaube ich nicht so recht an die These, dass die Raucher es viel lustiger haben, weil es draußen von der Tür so gesellig ist. (Aber vielleicht wird das im Sommer anders.)

Und im übrigen scheint es mir so zu sein, dass die Jüngeren viel Folgsamer sind als die Generation 45+. Je höher der Altersdurchschnitt der Kneipenbesucher desto höher scheint die Wahrscheinlichkeit zu sein, dass jemand sagt: “Scheiß drauf, sollen sie mich doch rausschmeißen.”