Sind Sie Krimiautor? Sind Sie erfolglos? Liegt das vielleicht daran, dass Sie kein Talent haben?
Kein Problem. Spezialisieren Sie sich auf Weihnachstfeiern.
Egal ob der Chef es wirklich gut mit seinen Mitarbeitern meint und selbst gerne feiern mag, oder ob er denkt, “die Konkurrenz macht das, also sollte ich wohl auch und außerdem muss man das Pack bei Laune halten” — fast jede Firma macht in den Adventswochen eine Party. Die einen dekorieren das Besprechungszimmer um, schenken selbstgemachte Bowle aus und saufen sich einer endlich mal gelösten Stimmung entgegen; die anderen finden, dass man schon genug Zeit im Büro verbringt und laden zum Event.
“Crime and Dine” zum Beispiel.
Das geht so: Man mietet einen großen Raum in einem Gasthof in einem Vorort einer beliebigen Großstadt an. In diesen steckt man dann die Belegschaft von zwei oder drei Firmen und serviert Essen in vier Gängen. Man engagiert eine solide Boulevard-Theatergruppe und lässt sie inmitten der Gäste ein Stück aufführen. Es handelt davon, dass ein Kloster zum ersten Mal seine Pforten für die gemeinen Bürger öffnet und — ausgerechnet — die weihnachtsfeiernden Firmen als Gäste zum “Sakraldinner” eingeladen hat. Natürlich stirbt jemand: Ein vollkommen verkutterter Mönch mit Schweigegelübde (praktisch, so spart man sich Honorar). Eine Kommissarin wird gerufen und bittet die Gäste um Mithilfe. Die Ermittlungen beginnen etc. pp. Gift, Schatulle, Schatz, Banküberfall, Mönch in Wahrheit eine Frau usw. usf.
Sowas könnte ja eventuell noch unterhaltsam sein, wenn nicht der Autor nicht das Konzept des Rätselkrimis vollkommen falsch verstanden hätte. Denn wenn man die Gäste schon mitraten lässt, so sollte man den entscheidenden Hinweis vielleicht nicht dann erst geben, nachdem die Gäste ihren Tipp schon abgegeben haben.
Also, liebe erfolglose Krimiautoren, hauen Sie in die Tasten. Verwurschteln Sie ein paar Versatzstücke von Edgar Wallace, veranstalten sie so ein Krimidinner und verlangen Sie dafür 80 Euro. Sparen Sie dabei nicht nur an der Story, sondern auch am Essen und am Wein, dann bleibt genug für Sie übrig. Die nächste Firma, die den Advent feiern muss, kommt bestimmt.
Kommentare 5
hast du schon wieder jemandem von deiner krimileidenschaft verraten oder ist dein chef von selbst…? und: was ist ein schwei-gelübde?
08 Dez 2007 um 16:05 ¶Irgendwann, irgendwann schaffe ich es, einen Eintrag hier auf Anhieb ohne Tippfehler zu machen. Ich bin mir da wirklich sicher! Fragt sich nur, wie lange das dauern wird.
Ich habe niemanden von meiner Krimileidenschaft erzählt, vielmehr muss ich gestehen: Ich war Augenzeuge.
08 Dez 2007 um 17:52 ¶Tiefes Beileid.
08 Dez 2007 um 21:46 ¶Ich fühle mich tief verbunden. Ich hab mir nämlich das Gleiche (oder das Selbe?) gedacht.
10 Dez 2007 um 12:45 ¶Und das zuwenige Essen war so krass, dass sogar anwesende, schlanke Frauen (keine Namen) nicht satt wurden.
Aber:
Sieben Halbe sind auch ein Schnitzel!
Na, höchstens ein halbes Schnitzel. Wobei: Flüssige Nahrung kann ja gerne auch mal die geistige ersetzen.
10 Dez 2007 um 21:07 ¶Neuer Kommentar