Monat: Dezember 2007

Ausblick

Die Spatzen pfeifen es ja schon.

Im März 2008 erscheint im Poetenladen die Krimi-Anthologie Hell’s Bells, herausgegeben von Christiane Geldmacher. Darin enthalten ist eine Kurzgeschiche von mir mit dem Titel Ein Platz bei ihr im Grab. (Nein, es geht nicht um Zombies.)

Details (Preis, ISBN, Autogrammkartenbestelladresse) folgen dann bei Gelegenheit. Aber vielleicht wollt ihr ja schonmal im Bürcherregal Platz schaffen.

Keine Ablenkung ist auch keine Lösung

Binsenweisheit: Wieviel man doch geschafft kriegt, wenn man kein Internet hat. Aber das viele Schaffen nützt einem dann auch nichts, wenn man hinterher sowieso immer wieder alles umschmeisst. Wie dem auch sei. Keine Atempause, es geht voran.

Ansonsten verlief die Woche in der Heimat ohne bloggenswerte Ereignisse. Das Wetter war trüb, und nur die Rückfahrt stressig mit zwei Stunden Verspätung wegen verpassten Anschlusses. Immherin habe ich gelernt, dass D&G-tragende Teens höflich sein können, wenn man sie durch das Umbau-Chaos am Harburger Bahnhof lotst. Und als ich dann endlich im ICE saß, habe ich live diese Durchsage hören können: “Befindet sich ein Arzt an Bord?”

Das war’s. Mehr war nicht.

Guten Rutsch.

Bar El Mirador

(Diese Geschichte habe ich mal innerhalb einer Nacht für einen Wettbewerb geschrieben. Gewonnen hat sie nicht — vielleicht ist eine Nacht dann doch nicht genug. Egal, es hat Spaß gemacht, sie zu schreiben, und vielleicht macht es dem einen oder anderen ja auch Spaß, sie zu lesen.)

Jordi ließ sein Auto zurück, er musste es riskieren. Wenn er Glück hatte, war sein Peugeot sogar den Gitanos zu schäbig.

Er betrat das Haus. Es war erstaunlich ruhig. Um diese Tageszeit waren sie alle schon unterwegs: Am Strand, in den Cafés, auf den Ramblas.

Jordi arbeitete sich von unten nach oben. Kaum eine Wohnung hatte noch Türen, fast überall konnte man direkt hindurchsehen, auf der Ostseite sogar bis zum Meer, das hinter den Fenstern blitzte. Jordi ging einfach in Räume hinein und suchte. Manchmal lag jemand auf den Matratzen oder saß in einem verschlissenen Sessel. Er fragte nach Xavi, aber man zuckte nur mit den Schultern. Ein Wunder, dass ihn überhaupt jemand den Tipp mit diesem Haus gegeben hatte.

Natürlich konnte Xavi schon unterwegs sein. Sich irgendwo am Strand von einer Engländerin oder Deutschen einen Drink ausgeben lassen. Aber eigentlich war es dazu noch zu früh.

Schließlich fand er Xavi ganz oben, in einem Liegestuhl im Schatten auf einem der wenigen Balkone ohne Wäsche.

Man sah Xavi die Kopfschmerzen an. Er wirkte wenig überrascht. “Mein lieber, guter Jordi…”, sagte er. Er trug nur eine Badehose und ließ sehen, was ihn so unwiderstehlich machte. Noch war er jung genug, dass die Nächte keine Spuren hinterließen. “Du hast mich gefunden…”

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Größenwahn, der: Schon jetzt über eine Trilogie nachdenken.

Dein Qualm ist illegal

Stellen Sie sich vor, Sie sind Nichtraucher. Sie finden das neue Nichtrauchergesetz wirklich super, vor allem das bayerische, das strengste. Das Essen schmeckt irgendwie besser, wenn am Nebentisch niemand qualmt, und nach einem Kneipenabend brummt zwar wie immer der Schädel, aber wenigstens stinken die Klamotten nicht mehr so.

Stellen Sie sich weiter vor, Sie sitzen an der Bar. Sie trinken mit ihrem besten Kumpel ein Bier und müssen ihn trösten, weil seine Freundin mit dem Chef durchgebrannt ist (”Der weiß, wenigstens, was er vom Leben will!”). Auch ihr Kumpel ist Nichtraucher.

Plötzlich riechen sie was. Kann es sein? Ist das wirklich…? Tasächlich: Jemand raucht. Und das auch noch direkt neben Ihnen. Ein Typ, tief gebeugt über etwas, das aussieht wie Whisky. Er ist allein. Der Qualm steigt Ihnen in die Augen, Sie husten. Sie sind ja nichts mehr gewohnt.

Was tun Sie? Ignorieren sie es (immerhin hat er es anscheinend schon schwer genug)? Versuchen Sie, den Blick des Barmannes zu erhaschen, damit er den Rauchenden bittet, die Zigarette auszumachen? Oder sprechen sie ihn selbst an, auch zu seinem eigenen Schutz, immerhin kann er Ärger kriegen?

Natürlich nicht. Sie zahlen verärgert, lassen das Bier halb getrunken stehen und verlassen fluchtartig das Lokal. Sie verabschieden sich hastig von ihrem Kumpel — soll er doch selber mit seinen Problemen klarkommen, ist ja nicht Ihre Schuld, dass der Abend ruiniert ist — und eilen nach Hause.

Dort gehen Sie ins Internet und tun das, was Ihnen als Deutscher im Blut liegt. Sie rufen eine Ordnungsmacht zu Hilfe. Und Sie tun das mit einem Formular der Pro Rauchfrei e.V., der Lobby für Nichtraucher:

Sie haben hier die Möglichkeit, sich wirksam über Missachtung der neuen Nichtraucherschutzgesetze zu beschweren. Pro Rauchfrei wird Ihr Anliegen gegenüber den zuständigen Behörden vertreten.

In diesem Sinne: Fröhliches Denunzieren!

Fuck the Christmas No. One

Am Montag ist es soweit. Dann kann man sie herunterladen, die Single, mit der Malcolm Middleton dieses Jahr zu Weihnachten Nummer Eins in Großbritannien sein will: We’re all Going to Die.

“Released digitally on the 17th December this will also be Malcolm’s bid for the coveted U.K. Christmas Number 1 spot. Putting him in direct competition with this years X Factor winner and the Spice Girls, William Hill have given Malcolm odds of 1000/1 in what the bookmakers say is ‘the longest ever odds we’ve given on a Christmas number 1! “

Mittlerweile ist seine Quote auf 12:1 (die vierthöchste) gestiegen, es gibt also Chancen. Leider kann man ihm nur helfen, wenn man die Single in einem britischen Shop runterlädt, Downloads hier in Deutschland zählen nicht. iTunes gibt einem von hier aus nur Zugriff auf den deutschen Shop, aber vielleicht findet sich da ja noch eine andere Möglichkleit. Die 79 Pence wären mir es auf jeden Fall wert, allein schon wegen dieses Videos:

Berufsberatung für Krimiautoren

Sind Sie Krimiautor? Sind Sie erfolglos? Liegt das vielleicht daran, dass Sie kein Talent haben?

Kein Problem. Spezialisieren Sie sich auf Weihnachstfeiern.

Egal ob der Chef es wirklich gut mit seinen Mitarbeitern meint und selbst gerne feiern mag, oder ob er denkt, “die Konkurrenz macht das, also sollte ich wohl auch und außerdem muss man das Pack bei Laune halten” — fast jede Firma macht in den Adventswochen eine Party. Die einen dekorieren das Besprechungszimmer um, schenken selbstgemachte Bowle aus und saufen sich einer endlich mal gelösten Stimmung entgegen; die anderen finden, dass man schon genug Zeit im Büro verbringt und laden zum Event.

“Crime and Dine” zum Beispiel.

Das geht so: Man mietet einen großen Raum in einem Gasthof in einem Vorort einer beliebigen Großstadt an. In diesen steckt man dann die Belegschaft von zwei oder drei Firmen und serviert Essen in vier Gängen. Man engagiert eine solide Boulevard-Theatergruppe und lässt sie inmitten der Gäste ein Stück aufführen. Es handelt davon, dass ein Kloster zum ersten Mal seine Pforten für die gemeinen Bürger öffnet und — ausgerechnet — die weihnachtsfeiernden Firmen als Gäste zum “Sakraldinner” eingeladen hat. Natürlich stirbt jemand: Ein vollkommen verkutterter Mönch mit Schweigegelübde (praktisch, so spart man sich Honorar). Eine Kommissarin wird gerufen und bittet die Gäste um Mithilfe. Die Ermittlungen beginnen etc. pp. Gift, Schatulle, Schatz, Banküberfall, Mönch in Wahrheit eine Frau usw. usf.

Sowas könnte ja eventuell noch unterhaltsam sein, wenn nicht der Autor nicht das Konzept des Rätselkrimis vollkommen falsch verstanden hätte. Denn wenn man die Gäste schon mitraten lässt, so sollte man den entscheidenden Hinweis vielleicht nicht dann erst geben, nachdem die Gäste ihren Tipp schon abgegeben haben.

Also, liebe erfolglose Krimiautoren, hauen Sie in die Tasten. Verwurschteln Sie ein paar Versatzstücke von Edgar Wallace, veranstalten sie so ein Krimidinner und verlangen Sie dafür 80 Euro. Sparen Sie dabei nicht nur an der Story, sondern auch am Essen und am Wein, dann bleibt genug für Sie übrig. Die nächste Firma, die den Advent feiern muss, kommt bestimmt.

El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Ángeles del Río de Porciúncula. Heute bekannt als L.A.

Freising

Von Kroation sind sie gekommen. Sie strömen aus dem Gymnasium, der Vortrag ist zu Ende. Ganz am Schluss kommt der Mann mit oranger Warnweste und trägt eine Marienfigur. Die meisten gehen wieder zurück, den Berg hinunter zum Parkplatz.

Doch ein paar gehen nochmal rauf zum Dom. Sie kennen alle Rituale, von denen ich schon doppelt nichts weiß, als Ex-Protestant. Das kurze Niederknien, das Weihwasser, das Bekreuzigen. Ein paar schlendern in den Gängen umher, ein paar setzen sich auf die Bänke in stiller Andacht.

kerzen.jpg

Sicher sind sie wegen des Papstes hier, folgen seinen Spuren. Zweifeln sie weniger, wissen sie mehr Antworten? Oder wissen sie wenigstens, was sie zu erwarten haben? Manchmal erscheint es mir so, wenn ich Leute beten sehe, und dann kann ich verstehen, warum die Leute in den Glauben flüchten. Sicher wird man ruhiger dadurch, weniger zynisch.

Aber dann sehe ich die harten Kniebänke, das ganze Gold, die Fresken, die Votitivkapellen. Ich höre den Aufruf der Kardinäle, den Indios in Lateinamerika zu helfen, jenen Indios, denen sie bei der Conquista des Leben zur Hölle gemacht haben, wenn sie ihnen überhaupt das Leben ließen.

Und ich denke: Das ist nichts für dich. Also doch besser zynisch bleiben?