Monat: Oktober 2007

Auf der Herrentoilette einer Event-Agentur

“Hallo.”
“Grüßi Gott.”
“Die neue Dame schon gesehen?”
“Hmja, im Vorbeigehen.”
“Und? Was macht Sie für einen Eindruck.”
“Jung.”
“Mh-hm.”
“Und französisch.”
“Ah!”
“Ja. Jung. Französisch.”
“Gut. Sehr gut.”

Fortschritt

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Kaum erzählt man jemanden, dass man sein Blog mehrmals die Woche aktualisiert, fällt einem auch schon nichts mehr ein, was man reinschreiben könnte.

Softwarehersteller geben ihren Produkten ja deshalb hochtrabene Namen, weil sie uns glauben machen wollen, diese Produkte seinen mehr as nur Werkzeuge. Stichwort: Digitaler Lifestyle. Wie dem auch sei, manchmal verleiten sie zu blöden Kalauern: “Gestern den ganzen Tag af den Leoparden gewartet. Wahrscheinlich haben sie ihn gefangen und in den Zoo gebracht.”

(Nein, ich finde das auch nicht lustig.)

(Immerhin hatte ich mich schon auf ein ganzes Wochenende Spielerei eingestellt, dammit.)

Das Blog, die Wissenschaft und ich

Als ich vor sechs Jahren nach einer Software suchte, um meine kleinen Geschichten einfach ins Netz stellen können und dann später rausfand, dass man das, was ich da betrieb, Blog nannte, hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass es einmal Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit sein würde.

So stand ich aber vorgestern einem sympathischen Kommunikationswissenschaftsstudenten Rede und Antwort und werde Quelle für eine Bachelor-Arbeit sein. Es ging um Journalismus, natürlich, aber hauptsächlich um die Motivation dahinter, ein Blog zu betreiben. Da musste ich erstmal in mir herumwühlen, um die Antwort zu suchen: Weil Spaß am Schreiben habe und weil es so keine Einbahnstraße mehr ist.

In diesem Sinne: Auf die nächsten sechs Jahre und viel Erfolg bei der Bachelor-Arbeit.

Mercè Rodoreda: Auf der Plaça del Diamant

placadeldiamt.jpgGestern ging die Buchmesse zu Ende, mit Katalonien als Gastland, und in diesem Zusammenhang will ich noch einen Buchtipp loswerden.

Auf der Plaça del Diamant von Mercè Rodoreda ist ein moderner Klassiker der katalanischen Literatur und dieses Jahr — wahrscheinlich auch wegen der Buchmesse — auf Deutsch neu aufgelegt. 1962 erschienen, als die Autorin noch im Schweizer Exil lebte, erzählt es die Geschichte von Colometa (dt. Täubchen), einer jungen Frau im Barcelona der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie ist ein ganz normales Mädchen für die damalige Zeit, gefangen in einem Weltbild, das für sie die Rolle der Ehefrau und Mutter vorsieht. Sie ist verlobt mit einem sympathischen und soliden jungen Mann, aber bei einem Tanz lernt sie Quimet kennen. Der ist mehr ein Hans-Guck-in-die-Luft und schafft es, sie rumzukriegen, in dem er einfach verfügt: “Du heiratest mich.” Dass er nicht der beste Ehemann ist, sehen wir gleich, als er sich vor der Renovierung der gemeinsamen Wohnung drückt und später einen ganzen Schwarm von Tauben mit ins Haus holt. Als dann der Bürgerkrieg ausbricht, lässt er Colometa mit den Tauben und den Kindern allein und schließt sich den republikanischen Milizen an.

Ein deutscher Autor aus derselben Generation wie Rodoreda hätte aus diesem Stoff wahrscheinlich ein komplexes, moralinsaures Gebilde gemacht. Doch die Geschichte ist so herrlich lakonisch und anrührend erzählt, dass sie weder verkopft noch kitschig daherkommt. Ganz nebenbei zeigt sie uns, wie jemand, der sich weder für Politik interessiert noch sonst irgend etwas Besonderes vom Leben will, Opfer eines Krieges wird, sich für alle aufreibt, ohne an sich selbst zu denken, bis es ihr irgendwann zuviel wird.

Dass das Buch kein Klassiker der Weltliteratur, ja, noch nicht einmal der spanischen ist, liegt natürlich daran, dass Rodoreda auf katalanisch geschrieben hat. Aber vielleicht hat die Buchmesse ja die Leser auf Autoren wie sie aufmerksam gemacht. Verdient hätte sie es, auch wenn sie nichts mehr davon hat.

Wer ein Feind von Aglizismen ist, sollte vermutlich kein Golf spielen.

Verschollen

Das Substantiv für “verschollen” ist nicht etwa “Verschollung”, sondern “Verschollenheit.” Es gibt sogar ein Gesetz, das alles regelt, das damit zu tun hat. Darin finden sich dann Paragraphen wie:

Ist der Untergang des Schiffes, der die Verschollenheit begründet haben soll, nicht feststellbar, so beginnt die Frist von sechs Monaten (Absatz 1) erst ein Jahr nach dem letzten Zeitpunkt, zu dem das Schiff nach den vorhandenen Nachrichten noch nicht untergegangen war; das Gericht kann diesen Zeitraum von einem Jahr bis auf drei Monate verkürzen, wenn nach anerkannter seemännischer Erfahrung wegen der Beschaffenheit und Ausrüstung des Schiffes, im Hinblick auf die Gewässer, durch welche die Fahrt führen sollte, oder aus sonstigen Gründen anzunehmen ist, daß das Schiff schon früher untergegangen ist.

Die Blogs so ausgestorben. Sind sie denn alle auf der Buchmesse?

Hey Radiohead

Das Aufregenste an eurem neuen Album ist wohl die Veröffentlichungsform. Ist ja super, so frei ohne Einschränkungen übers Internet, jeder zahlt das, was er will, wenn’s sein muss auch gar nichts, und weiter verteilen kann er’s auch. Aber hört euch vielleicht nochmal OK Computer an. Ein wenig mehr Dramatik und ein wenig weniger Kopf wäre mal wieder schön.

Doris Lessing

Wie es der Zufall es will, habe ich gerade erst zwei Bücher von ihr, die noch auf dem Dachboden meines Elternhauses lagen, hierher mitgenommen. Die Terroristin und Anleitung für einen Abstieg zur Hölle. Ich werde sie auch gelesen haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht an sie erinnern. Liegt das an den Büchern oder liegt das (wahrscheinlicher) an mir?

Egoload - Harmoniebedürftiger Idealist

Scheint ein neuer Trend zu sein. Bescheidwissermusik im Tatort. Diese Woche erkannt: Sigur Rós, Nouvelle Vague, The Kills und ein Lied, dessen Titel mir beim besten Willen nicht einfällt. (Das war denn sowieso so das Allerunrealistischste. Als ob sie sowas jemals im Formatradio spielen würden.)

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich höre, wie jemand im Straßeninterview sagt “In der heutigen Zeit kann man doch froh sein, wenn man zehn Prozent mehr kriegt” und mit der heutigen Zeit eine Zeit meint, in der Großkonzerne einen Rekordgewinn nach dem anderen einfahren, im übrigen auch der Konzern, der diese zehn Prozent zahlen soll (von den Fondsmanagern wollen wir gar nicht erst anfangen), wenn jemand also sagt, man solle doch froh sein, muss ich sofort an Schweine denken, die sich freiwillig auf die Schlachtbank legen.

(Jaja, ich weiß, Jürgen der Klassenkämpfer.)

Eine Krankengeschichte

Ich bin ein Schreibtischhocker. Nicht damit genug, dass ich in der Fabrik schon mindestens acht Stunden am Rechner arbeite, nein, wenn ich ich nach Hause komme, setze ich mich noch an den Laptop und schreibe/surfe/vertrödel die Zeit, nicht selten den ganzen Abend lang. Und noch dazu bin ich eigentlich Sporthasser (warum, dazu vielleicht später einmal), und das hat sich schon gerächt. Irgendwann hatte ich es so dermaßen im Kreuz, dass mich eine Stunde Umzugshilfe erst einmal zum Physiotherapeuten trieb. Der machte mit mir komische Übungen mit Gummibändern, die zwar halfen, aber die ich zu Hause natürlich nur exakt drei Mal nachgemacht habe. Immerhin gab er mir einen Tipp: Das beste sei Bergaufwandern.

Das traf sich gut, denn Wandern mag ich. Und es hilft wirklich. Seit ich im Monat zwei oder drei Mal in die Berge gehe, bin ich im Kreuz praktisch schzmerzfrei. Irgendwann habe ich dann sogar angefangen zu joggen, und ich weiß nicht warum: Auch das hilft.

Dafür habe ich jetzt Probleme mit dem Nacken. Er weigert sich neuerdings beharrlich, sich schmerzfrei drehen zu lassen. Dabei ist es bestimmt wenig förderlich, dass ich mit über 1,90m über einen Laptot kauere, aber was soll ich dagegen tun? Ein Stehpult vielleicht? Oder darf man einen solchen nur benutzen, wenn der Nachname mit H. anfängt? Muss man dazu nicht eine Aussicht auf den Golf von Mexiko haben? (Wie die Aussicht in Dahlem ist, weiß ich nicht.) Und vor allem: Wohin damit?

Ich fürchte, ich werde doch wieder beim Physiotherapeuten enden.