Monat: September 2007

Kann ich’s nur kurz?

Früher stand auf Astrid Paprottas Homepage, sie könne nur lang: Nämlich Romane, keine Kurzgeschichten. Und jetzt sagt Henrike Heiland bei mir in den Kommentaren etwas Ähnliches. Aber bitte: Wie kann das denn sein? Ich dachte immer, als Schriftsteller arbeitet man sich langsam empor. Zuerst als Pubertierender Gedichte für die/den Angebetete(n), dann erst grauenhafte Kurzgeschichten, später bessere und zum Schluss: der Roman. Okay, Gedichte habe ich auch keine geschrieben (sieht man mal von den schulenglischen Songtexten ab für eine befreundete Band ab), aber Kurzgeschichten scrheibe ich mittlerweile in einer Nacht. Und erst jetzt nähere ich mich so langsam an die Große Geschichte an (Arbeitstitel: Freibord). Wieso können einige diese Phasen überspringen und steigen gleich voll ein? Oder kann ich’s am Ende nur kurz?

Der Champ

Ich bin gerade süchtig nach Jörg Fauser.

Dass ich Autoren erst mit Anfang/Mitte dreißig entdecke, die man normalerweise mit zwanzig liest, ist normal, aber bei Fauser ist es irgendwie anders. Denn Fauser ist nicht spätpubertär, obwohl seine Geschichten von Drogen, Sex und billigen Hotels handeln. Fauser ist das, was eigentlich jeder Künstler sein sollte, aber kaum einer ist: unabhängig. Er hat seine Vorbilder — von Fallada bis Chandler — aber käut nicht deren Welt wieder, sondern ergründet inspiriert von ihnen seine eigene.

Zum Beispiel Rohstoff. Manche würde ihn Schlüsselroman nennen. In jedem Falle ist es die Geschichte eines Mannes, der, wie Fauser, an der Drogennadel hing und sich irgendwie aus dem Sumpf freizukämpfen versucht, um Schriftsteller zu werden. Dabei probiert er alles aus: Opium in Istanbul, eine Kommune in Berlin, Sex mit einer achtzehnjährigen Schönen in Göttingen oder eine Hausbesetzung in Frankfurt. Er arbeitet mal als Aushilfe in der Bundesbank oder am Flughafen, dann bringt er eine Zeitung heraus oder sogar ein Buch. Und immer wieder versumpft er in Arbeiter- und Rockerkneipen. Er hat nicht viel übrig für die Hippies und Revolutionäre, erkennt er sie als ebenso verlogen wie die Bürgerlichkeit, die sie zu bekämpfen vorgeben.

Die Hauptfigur in Rohstoff ist nicht immer erfolgreich bei seiner Suche, Fauser war es schon. Er hat sich einen unverstellten Blick auf die budesrepublikanische Wirklichkeit erarbeitet und konnte deshalb genauso coole Romane schreiben wie Chandler. Denn Coolness bedeutet nicht, dass man mit einer Whiskeyflasche auf dem Beifahrersitz durch Hollywood cruist, sondern dass man sich sicher in der Wirklichkeit bewegt. Und Fausers Wirklichkeit war eben Frankfurt und nicht L.A. Er hat nichts nachgeahmt, sondern seine ganze eigene, unabhängige Stimme gefunden. Wie Ulf Miehe sagte: “Fauser war der Champ.”

→ Die Fauser-Edition im Alexander-Verlag

Zum Jubiläum meine Stimme

Das Archiv dieses Blogs fängt im August 2002 an, also sind es schon fünf Jahre, dass ich es betreibe. Eigentlich sind es sogar noch mehr, denn vorher hatte ich eine handgebasteltete Seite, deren Inhalt bei vielen, vielen Systemwechseln verlorengegangen ist.

Fünf Jahre sind es also, in denen ich manchmal täglich, manchmal wochenlang gar nicht, manchmal nur Fiktives, manchmal nur Einzeiler, manchmal nur Rezensionen und manchmal nur Beobachtungen hier reinstellte. Selten gab es Bilder und nie Videos oder Ton.

Zumindest Letzteres soll sich jetzt ändern.

Ich habe letzten Samstag bei Westend ist Kiez gelesen (ein sehr netter Abend übrigens) und hatte mir im Vorfeld gedacht: “Jetzt kannst du dich ausnahmsweise mal vernünftig vorbereiten.” Vielleicht war es auch nur eine Entschuldigung, um mit GarageBand herumzuspielen, aber ich ich habe zwei meiner Geschichten vorgelesen und mich dabei aufgenommen. Die Qualität ist dabei so lala — vielleicht sollte ich doch lieber ein externes Mikrofon nehmen — aber wer immer schon mal meine Stimme hören wollte, kann das jetzt tun.

Die erste Geschichte stammt aus meinem Buch Rotes Curry und heißt Dass der der Gustl kein Hund war:

Die zweite Geschichte ist neu und findet sich auch hier auf diesem Blog. Sie heißt Er gab sich auf und wurde berühmt:

Viel Spaß beim Hören.