Monat: September 2007

Erstes Kapitel fertig. Am Ende dann sprachlich doch ein bisschen rumgesaut.

Erstes Kapitel, erste Szene, allererster Entwurf

Die Hubschrauber flogen voraus.

Zu Anfang waren sie noch so tief, dass sie das Wasser kräuselten, doch schon über der Förde stiegen sie höher. Sie flogen direkt auf die Stadt zu, drei immer kleiner werdende schwarze Maschinen vor der tiefen Sonne.

Leif wollte ihnen nicht hinterherfahren. Er wollte kehrt machen und weitersuchen, egal, ob es dunkel wurde. Immer wieder blickte er nach achtern hinaus über die Bugwelle hinweg, doch dort sah er nur die Schiffe vom Verein. Sie alle folgten dem Funkbefehl der Küstenwache: Suche abbrechen und in den Hafen zurück.

So wie auch Jesse, der am Ruder saß und die Augen zusammemkniff. Nie trug er Sonnenbrille, sondern ließ die Falten um seine Augen tiefer und tiefer werden. Er schwieg immer noch, wie schon den ganzen Tag.

Ein paar der anderen Schiffe vom Verein fuhren längsseits, allesamt unter Motor, die leere Takelage wie Skelette gen Himmel. Einige der Skipper sahen zu Leif herüber, und er hatte Angst, sie würden etwas rufen. Aber vielleicht hatten sie zuviel Respekt oder wussten einfach nur, wie er tickte. Sie nickten und steuerten weiter schweigend ihre Boote.

Als sie in die Förde einfuhren, kam ihnen ein Frachter entgegen, und die Boote längsseits ließen sich zurückfallen, um in der Fahrrinne Platz zu machen. Sie passierten die Halbinsel Holnis, und Leif sah ein paar Menschen am Ufer stehen. Sie blickten von der Steilküste herunter, wahrscheinlich angelockt von dem Geräusch der Hubschrauber und dem, was sie im Radio gehört hatten.

Sie fuhren weiter gen Flensburg, und immer wieder sahen Menschen ihnen vom Ufer zu — auf der deutschen wie auf der dänischen Seite. Es waren nicht allzu viele, vielleicht zufällige Spaziergänger oder späte Feriengäste. In Glücksburg standen sie auch auf den Brücken des Yachthafens. Sie warteten auf die Boote, die jetzt aus dem Konvoi ausscherten und auf den Hafen zusteuerten. Jesse grüßte ihnen mit erhobener Hand: Danke für die Hilfe.

Leif wusste, er sollte es auch tun, aber er konnte es nicht.

Ich muss aufhören, übers Segeln zu schreiben. Ich kriege Heimweh.

(Und ich hätte noch soviel zu lernen.)

Die winzigen Freuden eines Musikfans: Die Radiohead-Anspielung im Titel des neuen Ian-Rankin-Romans verstehen.

Schall und Rauch

Ein Mann und eine Frau in einem Lokal, beide tragen sie weiß. Sie sitzen an einem Tisch an der Fensterfront, die schon längst wieder geschlossen ist. Vor ihnen stehen kleine leere Colaflaschen mit Strohhalmen. Es ist ein Uhr nachts. Die Leichen vom Oktoberfest bleiben aus, nur ein einzelner Mann in Lederhosen steht an der Bar und schafft sein Bier nicht mehr.

Früher hätte man wohl gesagt, die Frau in Weiß sei kaffeebraun. Ihre Hose und ihr Rollkragenpulli sind eng, aber nicht zu eng. Sie ist sicher fünfzehn Jahre jünger als ihr Begleiter. Seine Haut sieht aus, als hätte er das Land oft bereist, aus dem sie stammt. Sein Spanisch ist flüssig, aber weder akzentfrei noch deutlich. Manchmal sagt sie “Que lindo” und streicht ihm über die Arme. Ansonsten sieht sie auf ihre Hände oder beoachtet Gäste, die aufbrechen.

Irgendwann zahlen auch sie. Dreißig Euro, es war wohl nicht nur Cola. Als sie aufstehen, schwankt er. Er greift nach dem Tisch, doch findet ihre Hand. Sie treten ins Freie. Für einen Moment stehen sie auf dem Bürgersteig und lassen ein paar Oktoberfest-Leichen passieren. Die einzigen Autos, die vorbeifahren, sind Taxis. Sie warten, bis keines mehr kommt, und überqueren die Straße. Er hat seinen arm um ihre Schulter gelegt, und sie drängt sich an ihn. Aber von hier aus sieht es doch mehr aus wie Stützen als ein Lieben.

Das Oktoberfest und ich

Die ersten drei Jahre habe ich mich geweigert. Aufs Oktoberfest? Zu zigtausend Besoffenen, die auf den Bänken stehen und schlechte Lieder grölen? Seid ihr total bescheuert? Außerdem war ich viel unterwegs und kannte sowieso niemanden, mit dem ich hingegen könnte.

Dann wollte man mich überreden. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen, aber gab schließlich nach. Immerhin gab es Leute, die dafür nicht nur quer durch die Republik reisten, sondern sogar um die Welt flogen. Wenn ich schon hier wohnte, konnte ich es mir also zumindest mal anschauen.

Mein erster Eindruck: Grauenhaft. Zigtausend Besoffene, die auf Bänken standen und schlechte Lieder grölten. Ich wäre am liebsten sofort umgekehrt. Aber meine Begleitung zerrte mich weiter, wir fanden einen Tisch und bestellten die erste Mass.

Denn die Sache hat einen entscheidenen Vorteil. Es geht hauptsächlich ums Bier. Und ich liebe Bier. Noch dazu ist es es spezielles Bier, das sie während der Wiesn brauen, und wie man so schön sagt: Er perlt verdammt gut.

So taute ich auf und fing an, mich zu amüsieren. Wegen des Alkohols: So banal. Von wegen, man kann auch ohne Alkohol fröhlich sein! Man muss es leider ganz deutlich sagen: Die Wiesn sind ohne das Bier nicht zu ertragen.

Und es waren auch nicht nur Idioten da. Man kam schnell mit den Leuten am Tisch ins Gespräch, und sie kamen von überall her. Landshut, Stuttgart, Berlin, sogar aus meiner friesischen Heimat. Dann natürlich Engländer, Amerikaner und viele, viele Italiener. Nur als ich einmal zwischen Serben und Kosovo-Albaner saß, wurde mir ein bisschem mulmig.

Im Laufe der Jahre bin ich dann jedes Jahr zwei oder dreimal dort gewesen. Irgendwann stand ich auch sogar auf den Bänken und grölte schlechte Lieder mit. Doch nie zu Aton aus Tirol oder den Sportfreunden! Soviel Stolz habe ich selbst dann noch, wenn ich total betrunken bin.

Jetzt ist es wieder soweit. Diesmal habe ich mir sogar den Einzug der Wiesnwirte angesehen, aber seien wir ehrlich: Ein paar fahnenschwenkende Trachtenträger und kackende Kaltblutpferde ist dann auch nicht so spannend. Ob ich dieses Jahr auf die Wiesn gehe, weiß ich nicht. Wahrscheinlich fühle ich mich schon wie die gebürtigen Münchner, die ich kenne: Wird dann auch irgendwann langweilig, auf der Bank zu stehen und schlechte Lieder zu grölen.

Über das Hineinpassen

Gestern im Ersten lief der wunderbare Film Die Frau am Ende der Straße. Bis ca. zur 75. Minute dachte ich ziemlich oft “Scheiße, so bist ja manchmal auch du.”

Dasselbe dachte sich vielleicht Christian Buß, der auf Spiegel-Online über diesen Film schreibt. Sein Artikel hat mich einerseits erst auf den Film aufmerksam gemacht, aber andererseits heißt es dort auch:

Wer findet es als Frau schon toll einem Haufen mit Sekt angeheizter Vorstadtmäuschen seinen Körper in unvorteilhaften Negligés zu präsentieren? Wer diskutiert gerne mit den Leuten von nebenan über die Farbe des Gartenzauns? Und wer mag es schon, bis spät in die Nacht bei verbrannten Würstchen den versauten Witzen der Nachbarn zu lauschen?

Die Antwort ist: Verdammt viele. Denn nicht jeder wohnt in Prenzlauer Berg oder im Gärtnerplatzviertel, sondern die meisten in Kleinstädten, gerade in Deutschland. Sie sind also alle Vorstadtmäuschen. Denn es gibt ihn halt immer noch, den Traum von der Nachbarschaftsidylle. Sogar der Ehemann im Film sagt: “Können wir nicht einfach ein ganz normales Leben führen?”

Sicher ist es die Hölle für jemanden, der nicht hineinpasst. Aber die meisten wollen ja genau das — hineinpassen — und der Film beobachtet das sehr gut. Der Artikel leider nicht. Er zieht sich zurück in seine Großstadtarroganz.

Was man so Meer nennt

Zu dieser Diskussion fällt mir folgender Dialog ein:

Ich: “Wie war denn dein Urlaub?”
Er: “Herr-lich! Sardinien. Die Landschaft, die Sonne. Und natürlich das Meer. Wie ich es schon vermisse.”
Ich: “Oh ja, ich auch.”
Er: “Warst du auch im Urlaub?”
Ich: “Nee, das nicht. Aber ich bin doch am Meer aufgewachsen.”
Er: “Wo das denn?”
Ich: “Na, an der Nordsee.”
Er: “Das ist doch kein Meer.”
Ich: “Wieso DAS denn nicht?”
Er: “Das ist kalt und stinkt.”

Bring on the Kryptik

In der Firma, in der ich arbeite, hat jeder sein Kürzel. Es setzt sich zusammen aus dem ersten Buchstaben des Vornamens und den ersten beiden Buchstaben des Nachnamens. Ich bin also JAL. Dieses Kürzel benutzen wir nicht nur, um uns am Firmennetzwerk anzumelden, sondern auch in der täglichen Kommunikation (hauptsächlich in E-Mails manchmal aber auch mündlich): “JAL setzt die Datenbank auf.”

Weil wir außerdem eine Internet-Firma sind, benutzen wir einen Haufen Anglizismen, mehr noch als woanders. Manche sind unvermeidbar (Compiler, Parser, Browser), manche haben sich so eingeschlichen (Meeting, Briefing), manche sind schlicht dämlich: “Kannst du dich darauf committen?” (In diesem Zusammenhang ist zu beobachten, dass Leute umso seltener Anglizismen benutzen je besser sie Englisch können.)

Eines dieser dämlichen Anglizismen ist auch “Office”. Zum Beispiel: “Ich bin heute out of Office.” Und kürzt mant das noch ab und kombiniert es mit unseren Namenskürzeln, so ergibt sich dann schon eine veritable Geheimsprache: “jal heute ooo” (natürlich in Kleinbuchstaben). Daraus müsste man mal einen Gedichtband machen.

Saint Thomas, 1976 - 2007

P3050027.jpgVor ein paar Jahren wollte ich Lambchop live sehen. Sie spielten im Theatersaal des Amerikahauses, München. Das bedeutete: Sitzplätze (bei der Musik von Lambchop okay), Rauchverbot (gut) und eine Bar irgendwo in der Eingangshalle, denen das Bier ausgegangen war (schlecht).

Als ich kam, war der Saal dementsprechend noch halb leer, obwohl die Vorgruppe schon angefangen hatte. Es stand ein Mann mit Gitarre auf der Bühne, begleitet von Bass und Schlagzeug, und spielte wunderbare Lieder, mal traurig, mal tragikomisch, und immer mit hinreißenden Melodien. Neben mir saßen zwei Bescheidwisser, und als sich sie fragte, wer das denn sei, runzelten sie die Stirn und raunten mir zu: “Saint Thomas!”

Saint Thomas verbrachte während seines Auftritts mindestens ebenso viel Zeit damit, mit dem Publikum zu sprechen, wie damit, seine Lieder zu spielen. Und so traurig diese Lieder waren, so herzlich und lustig waren seine Kommentare. Er erzählte von einer Ratte, die sie im Backstage-Bereich gesehen hatte, davon, dass er nur noch Apfelschorle statt Bier trinke und dass sie das Ziel hätten, mindestens jedem zweiten Konzertbesucher eine CD zu verkaufen. An mir hat es nicht gelegen, wenn sie das Ziel nicht erreichten.

Ich sah ihn noch einmal live, im Atomic Café. Diesmal war er der Hauptact, nur begleitet von einem Schlagzeug und genauso gut gelaunt wie im Amerikahaus. Später las ich dann von seinen Alkoholproblemen (Apfelschorle war passé), davon, dass er Konzerte abgebrochen habe. Die deutsche Plattenfirme trennte sich von ihm, weil er überhaupt nichts mehr in den Griff bekam. Die Qualität seiner Musik schwankte. Die ersten drei Platten (Mysterious Walks, I’m Coming Home und Hey Harmony) waren allesamt großartig, das nächste dann (The Comback of Saint Thomas), mit dem er sich von der Plattenindustrie freischimmen wollte, enttäuschte. Mit Children of the New Brigade fand er wieder zurück zur alter Form, doch gesundheitlich ging es mit ihm bergab. Er sagte eine Tour ab und meldete sich endlich für eine Therapie an, die ihn von seiner Medikamenten- und Alkoholsucht befreien sollte. Vorher brachte er noch There’s Only One of Me heraus, aufgenommen auf einem 4-Spur-Gerät in in seinem Schlafzimmer: Ein sehr sprödes, düsteres Werk, das bei der Kritik durchfiel und das einem den Zugang wirklich schwermacht.

Er zog seine Therapie durch, und danach schien es eigentlich aufwärts zu gehen. Er ging noch einmal auf Tour, doch leider schaffte ich es nicht, ihn live zu sehen. Ich dachte noch: “Er kommt sicher bald wieder.”

Aber es soll nicht sein. Saint Thomas (bürgerlich: Thomas Hansen) ist diese Woche tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Genaues über die Todesursache weiß man noch nicht, angeblich hat er seine Depressionsmedikamente falsch dosiert. Aber egal ob es nun Selbstmord ist oder ein Unfall: Es scheint, als wäre er letzendlich doch an seinen mentalen Problemen zugrunde gegangen. Das ist wohl der Preis, den er für seine wunderbaren Lieder bezahlen musste.

11. September und der Fußball

Wir wissen alle, was für ein Tag heute ist, nicht? Genau, der Nationalfeiertag von Katalonien. Sie feiern den Jahrestag ihrer Niederlage im Jahre 1714. Im Spanischen Erfolgekrieg hatten sie sich, um endlich von Kastilien loszukommen, auf die Seite der Habsburger geschlagen — und verloren.

Davon hat sich das Verhältnis zwischen dieser Region und der Zentralmacht nie wieder so ganz erholt. Zwar hat Katalonien seit dem Ende der Franco-Zeit wieder weitreichende Autonomie erlangt und man darf auch wieder unbehelligt katalanisch sprechen, aber bei wichtigen Fragen hört der Spaß natürlich auf: Beim Fußball nämlich.

Weil am 11. September nämlich nicht nur Katalonien geschlagen wurde, sondern viel, viel später auch die Amerikaner, hat man sich überlegt: Warum gedenkt man der Ereignisse nicht mit einem Fußballspiel. Die katalanische Auswahl gegen die USA.

Nun sind die Katalanen gleichzeitg auch Spanier, auch wenn einige das gar nicht gerne hören. Und einige katalanische Nationalspieler spielen auch in der Nationalmannschaft Gesamtspaniens. Und die spielt am Mittwoch, den 12., in der EM-Qualifikation gegen Lettland. Und da man es einem hochbezahlten Profi natürlich nicht zumuten kann, an zwei Tagen hintereinander Fußball zu spielen, hat der katalanische Verband versprochen, nur Spieler zu nominieren, die nicht in der spanischen Auswahl spielen (u.a. Oleguer, der es als katalanischer Separatist sowieso ablehnt, sich für die Zentralmacht aufstellen zu lassen). Trotzdem hat Madrid gesagt: “Nein. Ihr dürft nicht spielen. Da stört die Vorbereitungen zu unserem Qualitifkationsspiel.” Fußball eben.

Wo wir gerade bei Blumfeld sind

Sie waren eine der ersten Bands, die ich live gesehen habe (wenn nicht sogar die erste), so ca. 1991 im Husumer Speicher. Das war weit vor ihrer Old Nobody-Schlagerphase und Jochen Distelmeyer noch sehr, sehr verletzlich. So verletzlich, dass er das Konzert sofort abbrach, als jemand (während Lass uns nicht von Sex reden?) rief: “Ach, halt’s Maul!”. Distelmeyer flüchtete von der Bühne — doch hatte er ein Problem. Im Speicher gab es keinen Backstage-Raum, also konnte er sich nicht verstecken, sondern stand verloren am Bühnenrand. Ein Zuschauer überzeugte ihn dann schließlich nach einigem Zureden, doch weiterzumachen. Was mit dem Störer passiert ist, weiß ich nicht.

Jahre später habe ich sie dann noch einmal bei einem Festival im Regensburger Stadtpark gesehen. Distelmeyer ging es eindeutig besser. Die Melodien perlten, er sang “Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt der Igel zu dem Stachelschwein.” Ich gönnte es ihm, nicht mehr von der Welt zerrissen zu sein, aber irgendwie war es nicht mehr so wie früher. Wahrscheinlich bin ich ein Seelenschmerzvoyeur.

Ob man sich als Drehbuchautor einer eher gewöhnlichen Tatort-Folge subversiv findet, wenn man Blumfelds Lass uns nicht über Sex reden in die Handlung mit einflicht?

Nur Fassade

Nach dem Krieg hat sich München nicht wie manche andere Städte dafür entschieden, die Reste der zerstörten Häuser niederzureißen und etwas ganz Neues hinzubauen, sondern alles mehr oder weniger zu rekonstruieren. Bei manchen Gebäuden ist es im Großen und Ganzen gelungen (Neues Rathaus, Alter Peter), aber bei manchen konnte man nur noch die Fassade retten. Die Regierung von Oberbayern ist so ein Beispiel. Außen wunderschönstes Terrakottafassade mit hohen Fenstern und einem Bogengang, drinnen nur ernüchternder Bürozweckbau. Jetzt könnte man daraus zwar ein treffendes Gleichnis für den Rest der Maximilanstraße oder von mir aus für die ganze Stadt ableiten (Fassade, gell?), aber das wäre dann auch wieder zu billig.

Druck

Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der war einen Kopf kleiner als die meisten anderen und zwei Köpfe kleiner als ich. Vielleicht war das der Grund, warum er mit Vorliebe in herrischen Gesten kommunizierte. Am liebsten rannte er mit seinem schnurlosen Telefon am Ohr durchs Büro, zitierte Untergebene per Fingerschnippen zu sich, führte sie, das Telefon immer noch am Ohr, zu seinem Arbeitsplatz und stieß seinen Zeigefinger Richtung Monitor. Aussage: “Was ist das für eine Scheiße und warum muss ich davon vom Kunden erfahren?” Und wenn er dann auflegte, liebte er es zu sagen: “Wir haben Druck!”

Daran musste ich denken, als ich am Sonntag in der FAS ein Interview mit Johanna Adorján las, die zusammen mit Heike Makatsch das Drehbuch für den Film Schwesterherz geschrieben hat. Sie redet davon, dass sie die Hauptfigur schwanger sein ließen — um den Druck auf sie zu erhöhen.

Nun ist Druck im wirklichen Leben ja eine eher blöde Sache, vor allem für denjenigen der ihn erfährt. Aber um eine Geschichte voranzubringen, ist es ein prima Mittel, solange der Druck von innen kommt, sozusagen in der Geschichte begründet liegt.

Jetzt sitze ich also da und denke: “Druck erhöhren, Druck erhöhen!” Und wenn ich ein probates Druckmittel gefunden habe, denke ich: “Ha! Nimm das!” Wahrscheinlich hat sich mein Vorgesetzter damals genauso gefühlt.