Monat: März 2007

Bücherfragen

Gebunden oder Taschenbuch?

Neue Bücher, die gerade erschienen sind und die ich unbedingt haben will: gebunden. Gleiches gilt für Bücher, die mir wichtig sind. Das Auge liest ja schließlich mit. Ansonsten Taschenbuch.

Amazon oder Buchhandel?

Soll ich ehrlich sein? Ich brauche den Buchhandel nicht. Ich muss mich fast nie beraten lassen, weiß immer genau, was ich will. Außerdem bin ich der typische Internetshopper. Ich kriege in Läden Platzangst (wobei ich es in Buch- und Musikläden noch am ehesten aushalte). Na klar will ich auch nicht, dass die Oligarchen die Welt übernehmen, und sicher tut mir irgendwann mein Egoismus Leid. Aber bis dahin…

Lesezeichen oder Eselsohr?

Lesezeichen freiwillig und Eselsohr aus Versehen.

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?

Zuerst einmal nach Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch und Katalanisch. Innerhalb der Sprachgruppen Belletristik (viel) und Sachbücher (wenig) zusammen, aber nach Autoren geordnet. Innerhalb der Autoren keine weitere Ordnung. Das kann ich dann gerade noch so überblicken. Reiseführer, Atlanten, Nachschlagewerke usw. haben ihren eigenen Platz.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Erst behalten, dann wegwerfen und später denken: Was?? Soviel hät’s bei eBay dafür gegeben?!

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?

Da ich den Schutzumschlag sowieso nur kaputtmachen oder verlieren würde, nehme ich ihn während des Lesens ab und bringe ihn außer Gefahr. Nach dem Lesen kommt der Schutzumschlag wieder rum und verdeckt die Flecken, die ich mittlerweile auf dem Buch hinterlassen habe. Nur wenn bei gebrauchten Büchern der Schutzumschlag dermaßen abgegnibbelt ist, dass er nicht mehr schützen kann, schmeiße ich ihn weg.

Kurzgeschichten oder Roman?

Beides. Wobei ich Probleme habe, gute Kurzgeschichten zu finden, vor allem von zeitgenössischen Autoren. Jemand ein Tipp?

Sammlung oder Anthologie?

Meistens Sammlungen, aber nicht aus Überzeugung, sondern weil es sich so ergibt.

Harry Potter oder Lemony Snicket?

Snicket kenne ich nicht und von Potter habe ich nur den ersten Band gelesen. Fand ihn so naja.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?

Wenn das Buch gut ist, dann bis zum Ende des Kapitels. Oder des nächsten. Oder des übernächsten. Oder des ganzen Buches.

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“

Ganz klar: Die stürmische Nacht.

Kaufen oder Leihen?

Kaufen. Immer. Leihen führt bei mir unweigerlich dazu, dass ich das Buch nicht lese und wieder zurückgebe oder dass ich das Buch lese und behalte.

Neu oder gebraucht?

Meistens neu. Autoren verdienen eh schon so wenig. Nur wenn ich nicht 100% von dem Buch überzeugt bin und natürlich wenn das Buch vergriffen ist, kaufe ich es gebraucht.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Zeitungen und Internet. In letzter Zeit viel durch Blogs, aber auch die Rezensionen bei Amazon. (Tipp: Immer die negativen Rezensionen lesen, die begründen meistens besser als die positiven. Dreht man die Argumente dann um und würde ihnen zustimmen, dann sollte man zuschlagen.)

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Cliffhanger in einem Roman? Kann mich nicht erinnern so etwas schon einmal erlebt zu haben. Offenes Ende: Ja, wenn es passt.

Morgens, mittags oder nachts lesen?

Abends und nachts in der Woche, auch nachmittags an Wochenenden und im Urlaub.

Einzelband oder Serie?

Es gibt Einzelbände mit Charakteren und Themen, mit denen würde ich mir eine Serie wünschen, und es gibt Serien, die wären besser nicht über den ersten Band hinausgekommen.

Lieblingsserie?

Ian Rankins Romane um Inspector John Rebus.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?

Francis Ebejer: The Maltese Baron. Ich habe das Buch in Valletta, Malta, gekauft, als ich dort Urlaub machte. Malta kann ich nicht gerade empfehlen, aber dieses Buch unbedingt. Allerdings scheint man es nirgendwo anders kaufen zu können als dort.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes. Obwohl ich auf kurz, knapp, präzise stehe, sind es dann letztendlich die Schmöker, die mich immer wieder umhauen.

Welches Buch liest du gegenwärtig?

Petros Markaris: Nachtfalter. Ich musste bei der SZ-Krimibibliothek zuschlagen.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Bis auf die allerletzten zwei Seiten das perfekte Buch. Und tragisch, weil Høeg danach nie wieder etwas Anständiges geschrieben hat.

Interviews vom Krimifestival München

Bevor ich ich mich gen Norden aufmachte, traf ich noch kurz den Herrn Ludger Menke vom Krimiblog. Er weilte in München, um das hiesige Krimifestival zu besuchen. Inzwischen bin ich aus Hamburg zurück und er wieder eben dort und bereitet fleißig seine Eindrücke vom Festival nach. Jeden Tag bringt er ein Interview, angefangen mit dem Veranstalter des Festivals und danach jeden Tag mit einem anderen Autoren. Schön, dass die Verlage nicht mehr nur die “etablierten” Medien ernst nehmen, und es so einem enthusiastischen Blogger wie Menke ermöglichen, an hochkarätige Autoren heranzukommen und ausführlich und kenntnisreich davon zu berichten.

Krimiblog

Was ich über Braunschweig gelernt habe

  • Braunschweig ist nicht Göttingen
  • In Braunschweig bespuckt man falsch parkende Autos
  • Der Braunschweiger neigt dazu, Oboenspielerinnen zu beschimpfen
  • Der Braunschweiger Polizist hält nichts von Frauen hinter dem Steuer und bringt das auch klar zum Ausdruck
  • Braunschweig ist ideal, um eine Kneipenkette zu eröffnen
  • Braunschweig ist das nächste Berlin

Meine ernste Geschichte beim Kaffee.Satz.Lesen

Es ist voll. Sehr voll. Ich habe mich mit meinen Freunden und meiner Mutter extra in die erste Reihe gesetzt, um schnell rauszukommen, wenn ich dran bin. Hat aber nichts genützt, denn jetzt stellen sie extra Stühle auf — direkt vor uns.

Eine ehemalige Mitschülerin kommt herein. Wir haben uns fast fünfzehn Jahre nicht gesehen, aber ich bin zu nervös für ein vernünftiges Gespräch. Meine Hände sind kalt, obwohl all die Leute den Raum gut aufheizen.

Es geht los.

Vor mir liest Sebastian Schnoy. Er ist lustig. Das Publikum johlt. Ich denke: Scheiße, meine Geschichte ist zu ernst. Das will kein Mensch hören.

Dann bin ich dran. Ich hadere ein bisschen mit den Mikrofonen und denke daran, was mir mal ein Rocksänger gesagt hat: “Wenn du da vorne stehst, siehst du vom Publikum nichts.” Er hat recht. Wenn ich aufsehe, blendet die Lampe so stark, dass ich froh bin, dass ich nur auf mein Buch schauen muss.

Ich lese. Nadjas Zähne. Eine Viertelstunde habe ich Zeit. Ich habe das Gefühl, ich rase durch meine Geschichte. Ich bremse mich. Kaum einer lacht. Ich werde nervös, denke aber dann: Klar, ernste Geschichte halt. Und: Wie kann man gleichzeitig vorlesen und denken? Das ist dann so komplex, dass ich mich verhasple.

Die Geschichte ist vorbei. Wieviel Zeit ist vergangen? Keine fünf Minuten, scheint mir. Der Applaus ist wie ein Traum, keine Ahnung, ob laut, leise oder lang. Ich habe Mühe, auf mein Buch auf dem Büchertisch hinzuweisen. Aber vielleicht liegt das auch wieder am Mikro.

Ich stehe auf, kämpfe mich zu meinen Platz zurück. Meine Mutter lobt mich, und ich fühle mich ein bisschen wie damals nach dem Plattdeutschen Lesewettbewerb.

Jetzt liest Carsten Klook. Wärme kehrt in meine Hände zurück. Klook macht eine Anspielung auf Crass, ich grinse Punkrocker Stefan an, der neben mit sitzt, und weiß: Jetzt kann ich wieder klar denken.

Pause.

Ich bringe meine Mutter nach draußen, die noch zwei Stunden zugfahren muss. Auf dem Weg zurück verabschiede ich die Schulkollegin, die den schönen Tag noch genießen will. Ich hole mir ein Flens. Herr-lich.

Nach der Pause lache ich herzlich über Tex Rubinowitz und Kathrin Passig und denke: Auch die haben keine ernsten Geschichten, aber egal. Und: Ich muss mehr Riesemaschine lesen.

Später gehen wir noch essen, Herr Paulsen erzählt wunderbare Anekdoten über eine Weihnachtslesung mit einer Geschichte vom wichsenden Weihnachtsmann, und ich haue fast mein ganzes Honorar auf den Kopf. Aber das klingt jetzt mehr nach Rock’n'Roll als es war, denn so eine Tappasplatte ist nicht billig.

Noch vor zwölf fahren wir zurück nach Altona, wo wir schlafen werden. Die öffentlichen Uhren zeigen noch die Winterzeit. An den Wänden sehe ich immer wieder geschmiert: “ETA”. Todmüde falle ich ins Bett.

Ich fahre dann mal los…

Ballads of the Book

Ballads of the Book.jpgEs gibt zwei Schichten von Vorurteilen gegenüber Schotten. In der ersten, der oberflächlichen Schicht redet man von Männerröcken mit nichts drunter, Geiz und Dudelsack. In der zweiten, leidlich differenzierteren, von Schwermut, Selbstzerstörung und Trunksucht. Immerhin gibt es Schriftsteller, die über diese zweite Schicht schreiben und Musiker, die davon singen.

Das verdienstvolle Label Chemikal hat jetzt eben solche schottischen Schriftsteller und Musiker zusammengebracht. Erstere schreiben die Texte, letztere machen die Musik dazu.

18 Lieder sind es geworden. 18 Lieder übers Trinken, Schlägereien und zerbrochene Liebe und immer mit einer guten Portion grimmingen Humor: Ballads of the Book.

Bands wie De Rosa, Idlewild, Aereogramme, Musiker wie Aidan Moffat (Ex-Arab Strap), Norman Blake (Teenage Fanclub), Mike Heron (The Incredible String Band). Schriftsteller wie A.L. Kennedy, Ian Rankin und Lousie Welsh. Sie haben etwas Wunderbares geschaffen. Kein Kunstprodukt, sondern etwas Rauhes, Ehrliches, aber trotzdem Schönes.

So wie ihr Land, möchte man denken. Und scheiß drauf, wenn das ein Klischee ist.

Und dann reden wir doch nicht über Technik

Ich habe Vorurteile gegenüber meine Zunft, dieselben Vorurteile wie jeder andere auch. Kommunikationsgestört sind die Programmierer, reden immer nur über Technik. Und feiern können sie schon gar nicht.

Dabei muss ich mich nur in meiner Firma umsehen, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Und überhaupt: Ich habe wesentlich mehr kommunikationsgestörte Autoren kennengelernt als Programmierer.

So läuft das Treffen dann auch anders ab als erwartet. Ich hatte Angst, dass wir mehr oder weniger schweigend am Tisch sitzen und jeder sich an seiner Cola festhält. Doch nicht nur der Ire am Tisch legt mächtig los und bestellt sich nach zehn Minuten schon das zweite Bier.

Ich meine, wer macht sowas schon, sich nach der Arbeit noch mit anderen treffen, um über die Arbeit zu reden? Aber es ist eben auch eine gemeinsame Feststellung, dass wir das Glück haben, unser Hobby zum Beruf gemacht zuhaben. Über die Technik reden wir dann weniger, eher tun wir das, was jeder Stammtisch tut: Lästern. Über die Manager, die Projektleiter und natürlich über alle, die kein Ruby benutzen. Und auch das wäre vielleicht nicht auszuhälten, wenn hinter allem nicht etwas stünde, das eigentlich viel zu selten gibt: Selbstironie.

Die neueste Wirtschaft

Von Rattenschwäzen und davon, mich nicht zum denken zu zwingen. Schreinerunikate aus der Holsteinischen Schweiz, Tischbraumaschinen aus Oberfranken. Es blüht eine Art und Weise des Geldverdienens heran, die fast Spaß machen könnte. Wenn es denn nicht immer noch Arbeit wäre.

Kaffee.Satz.Lesen

Kaum war Rotes Curry erschienen, flatterte eine E-Mail ins Haus. Der Herr Paulsen war’s. Er schrieb, um mir zu gratulieren. Und ob ich nicht Lust hätte, bei Kafee.Satz.Lesen zu lesen. Hatte ich. Und so wird man mich hören und sehen können:

Am 25. März um 16:00 Uhr in der Baderanstalt in Hamburg.

Es wird das erste Mal sein, dass ich außerhalb von München lese, und das erste Mal so nahe an meiner alten Heimat. Ich freue mich auf die Stadt und auf euch.

Nachtrag: Die Veranstaltung ist immer restlos ausverkauft. Also besser früh kommen!

Der Stolz einer Stadt, die teuerste zu sein.

Was hat Pulp mit Champagner zu tun?

Klar, man könnte ihn ja auch schwören lassen. Auf die Bibel des Kapitalismus’, wenn es eine gäbe.