Monat: Februar 2007

Gibt es so etwas?

Ein Online-Research-Tool,

  • in dem ich ein Projekt definieren kann,
  • das mir ermöglicht, Bilder, Dokumente, ganze Webseiten, einfach alles in das Projekt zu integrieren,
  • in dem man Ideen in einem Wiki festhalten kann, sowohl global, als auch zu den einzelnen Dokumenten und Webseiten,
  • das ein Safari- und ein Firefox-Plugin anbietet, mit dem ich schnell Dokumente hochladen und Webseiten archivieren kann.

Für jeden dieser Aufgaben gibt es schon etwas:

  • Furl, das aber nur Webseiten speichert
  • PmWiki, mit dem ich aber schlecht Dokumente verwalten kann
  • Scrivener oder DEVONThink, die zwar meiner Idee schon sehr nahe kommen, aber nur lokal auf meinem Mac laufen.

Aber ich kenne kein Werkzeug, das alles vereint. Wo finde ich so etwas?

Andere brauchen auch keine Polizei

Opernball von Josef Haslinger

Eine Neonazigruppe verübt einen Giftfgasanschlag auf den Wiener Opernball. Ein Fernsehreporter sitzt im Ü-Wagen und muss mit ansehen, wie drinnen sein Sohn verreckt. Er macht sich auf den Weg und sucht Spuren.

Ein Plot, der furchtbar schiefgehen könnte. Aber Haslinger zeichnet keine Helden. Das Buch spuckt Zynismus nach allen Seiten, nicht nur durch die Attentäter, sondern auch durch den Fernsehreporter, für den früher nichts anderes zählte als Bilder.

Haslinger lässt Protagonisten im O-Ton zu Wort kommen. Den Fernsehreporter als Erzähler und die anderen, die ihm aufs Band sprechen: Einen der Attentäter, einen Schutzpolizisten und einen der Opfer. Das ist so unmittelbar wie entlarvend. Wir ertappen uns dabei, allen irgendwie Recht zu geben und merken erst zum Schluss, wie scheinheilig wir doch auch selber sind.

Die im Dunklen sieht man doch von Barbara Vine

Barbara Vine ist Ruth Rendell, aber es ist klar, warum sie für einige ihrer Bücher ein Pseudonym wählt. Hier geht es nicht um Ermittlungen, egal ob durch die Polizei oder sonstwem. Hier müssen wir uns selbst einen Reim machen.

Vor Jahrzehnten, in den 50ern, hat Vera Hillyard ihre Schwester Eden umgebracht. So kurz nach dem Krieg war England ganz anders als heute, und hinter die Gründe zu kommen, die damals jemanden bewegen konnten, einen Mord zu begehen, ist spannender als in anderen Büchern die Suche nach dem Mörder. Vine deutet an, lässt Dinge unausgesprochen, aber wir haben nie das Gefühl, in die Irre geführt zu werden. Denn die Sprache spiegelt den Geist der Zeiten: Damals sprach man gewisse Dinge nicht aus, und selbst heute wirkt dieser Schweigebann. Doch zusammen mit der Erzählerin, der Nichte Veras, sind wir Stück für Stück dabei, diesen Bann zu brechen.

Wenn nicht hier, dann → dein luxus

Vom Wollen und Nichtwollen

Da ist eine neue Art von Bahn, die sei zwanzig Jahren niemand haben will. Da ist eine Stadt, die sich selbst Boomtown nennt, High-Tech-Haupstadt gar, mit einem Flughafen 30 Kilometer vor der Stadt. Ideal für diese Art von Bahn. Sagen manche.

Aber da ist ein Oberbürgermeister, der diese Bahn nicht haben will. Und da sind die Bewohner der Stadt, die diese Bahn auch nicht haben wollen.

Aber da ist ein Ministerpräsident, der will. Und eine Bundesregierung, die zahlt. Und Gerüchte: Über Landtagabgeordnete, die Land gekauft haben, dort, wo die Bahn entlang fahren soll. Und die wollen auch. Sehr sogar.

Aber was sind schon Gerüchte?

Immer noch die Sache mit der Polizei

Es geht einfach nicht. Nicht nur, dass ich keine Ahnung habe, wie die Polizei funktioniert — das wäre egal. Nein, es interessiert mich auch einfach nicht.

Dabei ist er mir sogar sympathisch, mein Kommissar. Ich war auf dem Weg zu seiner Stimme. Aber es ist alles so unwichtig: Seine Konflikte auf dem Präsidium, diese miefige Welt seiner Kollegen. Wenn es mir der Geschichte nichts zu tun hat, wozu brauche ich es dann? Zwei Handlungsstränge drumrumbauen, nur um überhaupt etwas zu erzählen? Das ist mir zu dick.

Also weg damit. Wieder von vorne. Kürzer werden, radikaler. Unter 200 Seiten bleiben. Diesmal doch ein Exposé schreiben. Nebenher Fragmente bauen. Denn die Geschichte muss raus, sie ist mir wichtig. Und wenn es noch fünfzehn Jahre dauert.

Und ansonsten hat man mir versprochen, dass ich in zwei Jahren nicht mehr arbeiten muss, sondern kann. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Werkzeugkiste

Auch Astrid Paprotta schreibt mit Scrivener. Das erinnert mich daran, dass ich vergaß zu erwähnen, dass dieses hervorragende Programm jetzt in der Version 1.0 vorliegt. Das heißt, es ist seiner Betaphase entwachsen und kann für lächerliche $35 plus Steuern erworben werden.

Er ist doch nicht blöd: “9,90 Euro für dein Buch? Dann will ich es aber erst lesen, bevor ich es kaufe.”

Wie Josef K. vs. IKEA

Das Schlimmste ist nicht…

…dass wird schon dreiundhalb Monate darauf warten, dass das Regal endlich fertig wird,

…dass sie anscheinend nicht wissen, wie man eine Fräßmaschine programmiert,

…dass sie bei der ersten Austauschlieferung das Falsche dabei hatten,

…dass sie noch einmal wiederkommen mussten und einundhalb Stunden Verspätung hatten,

…dass aber schon wieder etwas falsch Gefräßtes lieferten,

…dass das noch Monate dauern kann.

Nein. Das Schlimmste ist, dass jeder sagt: “Ah ja, das war klar.”

Ich habe mich geirrt

Ich habe doch schon einmal an einem Literaturwettbewerb teilgenommen. An dem der Brigitte nämlich. Meinen Beitrag von damals finde ich heute furchtbar, und vielleicht geht es mir mit der Geschichte, die an den MDR geschickt habe, irgendwann genauso. Eines ist diesmal allerdings anders. Von der Brigitte habe ich nie etwas gehört. Der MDR hingegen hat sich jetzt schon gemeldet. Per Brief: Sie hätten meinen Beitrag angenommen und an die Jury weitergeleitet. Das kann zweierelei bedeuten. Entweder es gibt so wenig Teilnehmer, dass sie jeden einzelnen benachrichtigen können. Oder sie sind sehr, sehr höflich. Ich weiß noch nicht, was mir lieber ist.

Antik

In der Arbeit neben mir an der Wand hängt ein Werbeplakat aus dem letzten Jahrhundert. Darauf steht: “Dial-Up-Zugänge”. Es scheint, damals gab es noch Bindestriche.

Was ich einmal gedacht habe

Reiche erkaufen sich die Zeit, die sie nicht haben, weil sie das Geld verdienen müssen, um sich die Zeit zu erkaufen, die andere haben, weil sie kein Geld verdienen.

Großer logische Fehler.

Cutting in Line beim Waiter