Monat: Dezember 2006

Starnberg, Eva Braun und das Kacken

Die Zeit berichtet über Parallelgesellschaften am Starnbeger See. Und Frau Klugscheißer über die Elite, die nach dem Kacken gelobt werden möchte.

Das erinnert mich an einen Limousinenservice.

Es war zu der Zeit, als ich das Fliegen hassen lernte, aber es auch angenehmes gab. Den Chauffeur nämlich. Er fuhr uns Montag morgens um sechs zum Flughafen und holte uns dort donnerstags um acht Uhr abends wieder ab. Mit einem Mercedes S-Klasse. In schwarz. Mit getönten Scheiben. Denn das war billiger, als jedes Mal ein Taxi zu nehmen. Sagten unsere Chefs.

Der Chauffeur war klein, ein wenig rundlich und trug immer einen perfekten schwarzen Schnurrbart und einen perfekten schwarzen Anzug. Er war ein Ausbund der Dienstfertigkeit. Er nahm mir den Koffer ab, kaum dass ich aus der Tür trat, und wenn ich einmal allein mit ihm fuhr, spürte er sofort, ob er lieber die Klappe halten sollte (montags) oder ein bisschen Konversation machen konnte (donnerstags). Dabei erzählte er mir auch, was ich jetzt wieder in der Zeit lesen konnte: Am Starnberger See leben die meisten Millionäre. Er sagte dies mit einem Ton, den ich nicht ganz deuten konnte. Einerseits hatte er einen Sinn fürs Protzige, schwärmte auf der Autobahn jedem Mercedes oder BMW hinterher, der größer oder neuer war als sein eigener. Andererseits musste auch ihm klar sein, dass er diese Reichen niemals fahren würde. Denn diese hatten entweder ihren eigenen Chauffeur oder nahmen sich dann doch schnell ein Taxi. 200 Euro, eh egal.

Dem Chauffeur gehörte die Limousinenfirma. Er hatte Angestellte, aber uns fuhr er immer persönlich. Warum weiß ich nicht. Denn unsere Firma war klein und nicht sonderlich reich und wollte sich ja eigentlich nur das Taxigeld sparen.

Ich hörte irgendwann auf, mit ihm mitzufahren, denn ich musste nicht mehr fliegen. Ich hatte ein Projekt in München, Gott sei Dank. Aber der Chauffeur kutschierte die anderen immer noch persönlich zum Flughafen. Montags hin, donnerstags zurück.

Bis zu einem Tag.

Wir hatten einen Lehrling. Da unsere Firma aber klein war und wir immer beim Kunden arbeiten, hätte der Lehrling allein in unserem Münchner Büro herum sitzen müssen. Dass man dabei nicht allzu viel lernt, wurde dann auch unseren Chefs irgendwann klar. Also dealten sie irgend etwas mit dem Kunden, und so konnte auch unser Lehrling mitfliegen. Und von dem Chauffeur gefahren werden.

Konversation mit dem Lehrling war kein Problem. Er liebte es zu reden. Also saß er immer vorne, vor allem montags. Auch an jenem Tag, da der Chauffeur zum letzten Mal persönlich fuhr. Worüber sie genau sprachen, weiß ich nicht. Ich war ja nicht mehr dabei. Aber irgend etwas muss den Lehrling dazu gebracht haben zu sagen: “Ja, die Eva Braun, die hat den Adolf beim Ficken immer vollgekackt.”

Als man es mir erzählte, stellte ich mir ihn vor, den Chauffeur. Sein dienstbeflissenes Gesicht entgleisen. Keine Höflichkeit findend, die er darauf antworten konnte. Wahrscheinlich zutiefst beschämt von der Johlerei, die der Lehrling bei den Chefs auf der Rückbank auslöste. Der Chauffeur, der so gerne die Millionäre vom Starnberger See gefahren hätte.

Von diesem Tag an schickte er immer einen Angestellten.

Turrón nach einer Wurzelspitzenresektion ist zwar kompliziert, aber es geht. Muss gehen. (Und wir haben erst eine Packung geschafft.)

Do They Know It’s Christmas?

Viele wohl nicht, denn viele von ihnen sind Muslime. Und außerdem — um es mit Morrissey zu sagen:

The whole implication was to save these people in Ethiopia, but who were they asking to save them? Some 13-year-old girl in Wigan! People like Thatcher and the royals could solve the Ethiopian problem within ten seconds. But Band Aid shied away from saying that — for heaven’s sake, it was almost directly aimed at unemployed people.

Ich war auch dreizehn und kaufte die Platte, aber damals hatte ich keinen Geschmack. Ich glaube nicht, dass ich an den guten Zweck gedacht habe. Ein paar Monate später saß ich Stunden und Stunden vor Fernseher und Radio und schnitt Live Aid mit. Die Hungernden waren wir immer noch ziemlich egal.

Heute ist das anders, aber heute würde ich so ein schreckliches Lied nicht mehr kaufen.

Die Sache mit der Polizei

Was mich bislang davon abhielt, einen Krimi zu schreiben, war die Sache mit der Polizei. Denn die gehört ja irgendwie dazu zum Krimi. Denkt man.

Gut, es gibt Ausnahmen. Je nachdem, wohin man die Handlung verlagert, können auch andere ermitteln. In L.A. ein Privatdetektiv und im Hunsrück eine strickende Lokalreadakteurin. Aber bleibt man in Deutschland, in einer Großstadt, im Hier und Jetzt sozusagen, wird’s eng. Man könnte sich auf den Täter konzentrierten. Oder auf das Opfer. Aber will man eine Figur haben, die ohne Wenn und Aber überall rumschnüffeln kann, so bleibt nur: Die Polizei.

Was mich interessiert, ist die Niedertracht und woher sie kommt. Aber kann das eine Polizei interessieren? Doch nur bis zu einem gewissen Punkt, und das mit Recht. Warum sollten sie ihren Job anders machen als wir unseren? Wir gehen jeden Tag acht, neun, zehn Stunden ins Büro, und wenn wir Glück haben, macht es uns sogar Spaß, aber tun wir es mit Leidenschaft? Wohl eher selten.

Doch genau davon wimmelt es in den meisten Krimis. Von Polizisten aus Leidenschaft. Die meisten sind deshalb Einzelkämpfer, denn Moral macht einsam. Einige davon werden weinerlich (Kurt Wallander), andere zerreißen sich für uns auf wunderbare Weise selbst (John Rebus), aber sie sind aus dem Inneren getrieben. Selbst wenn sie trinken, schlagen und auch mal mit den Gangstern paktieren, sind sie edel.

“Unsinn!” höre ich jemanden rufen. Es ist ein Noir-Leser. Er wedelt mit ein paar Romanen. Korrupte Bullen, wohin man schaut. Gut, das ist schon einmal ein Ansatz, aber irgendwie liegt mir das nicht. Sicher, auch hierzulande fließt Schmiergeld. Aber das Bild vom etwas biederen Beamten will mir einfach nicht aus dem Kopf.

Was wäre mit einem Kommissar, dem alles gleichgültig ist? Er kann nicht die einzige Hauptfigur sein, ihm gegenüber steht der Verdächtigte. Aber wir begleiten ihn, wie er Zeugen vernimmt und dabei an seine Rente denkt. Ob das trägt, weiß ich nicht. Vielleicht steht ihm zur Seite doch noch einer der Edlen, der aber unweigerlich scheitern muss.

So wie auch Astrid Paprottas Ina Henkel. Denn sie ist nämlich Schuld, dass mir klar geworden ist, dass es auch anders geht. Ina Henkel geht durch den Polizistenalltag eher achselzuckend als mit Verve. Nachzulesen übrigens auch in einem Krimiporträt von Dieter Paul Rudolph, das dann demnächst auch ganz ehrlich erscheint.

Die Polizei wird bei mir nur die Hälfte des Raumes einnehmen, aber den ohne Edelmut. Ich hoffe, es klappt.

Langzeitprovisorium. Woran denkt ihr da als erstes?

Öfter mal Theater

Gestern im Theater 44 gedacht: Warum siehst du dir das nicht öfter an? Keine lästige Werbung wie im Kino, keine Spezialeffekte, keine Nachoesser. Außerdem gefallen dir doch auch in Romanen die Dialoge am besten.

Zudem ist ganz speziell das Theater 44 besonders sympathisch: Seit 1959 von Horst A. Reichel betrieben, der außerdem noch Regie führt, machmal mitspielt — und an der Kasse sitzt. Der Zuschauerraum ähnelt einer Kneipe, ja, es kommt sogar eine Bedienung und bringt dir ein Weißbier. Die Inszenierung ist schnickschnackfrei, aber nicht altbacken, dargebracht von Schauspielern, die von diesem Theater aus nicht selten große Karriere machen. Die Stücke sind gut ausgewählt, viel Dürrenmatt, Max Frisch, diese Richtung. Unterhaltsam, aber nicht boulevardesk, und wenn das Wort nicht so scheußlich wäre, könnte man sagen: Tiefgründig.

Ein Genuss.

Mein Flughass

Die SZ singt ein Loblied auf die Bahn und spricht mir aus der Seele:

Auto? Vergiss es. Selbst wenn du glatt durchkommst von Bayern bis ans Meer, selbst wenn du es tatsächlich pünktlich bis zum Termin schaffst, du wärst dann nicht mehr interviewfähig. Flugzeug? Mit der S-Bahn zum Münchner Flughafen, von dort zum Flughafen Hamburg, von dort in die Innenstadt zum Bahnhof, dann in den Zug nach Bremerhaven, ein dauerndes Gewechsle, und wenn das Flugzeug Verspätung hat, bis du umsonst gereist.

Und später:

Wer viel fliegt, weiß, wie es in vergleichbaren Situationen im Flugzeug zugeht. Da meldet sich irgendwann die tiefe Stimme des Kapitäns, die etwas murmelt von Gepäckstücken, die noch zu verladen seien oder von Passagieren, auf die man noch warten müsse, vielleicht kommt die Mitteilung entschuldigend daher, vielleicht auch nicht, auf jeden Fall: Bleiben Sie angeschnallt sitzen und lassen Sie Ihre Mobiltelefone ausgeschaltet.

Ja, ich hasse es zu fliegen. Nicht weil ich Flugangst hätte, im Gegenteil. Im Auto habe mehr Angst, vor allem auf deutschen Autobahnen. Und sieht man sich die Statistiken an, wohl mit Recht.

Fliegen ist Gängelei. Das fängt schon damit an, dass man irgendwie zum Flughafen kommen muss. Je moderner der Flughafen ist, desto weiter liegt er außerhalb der Stadt. München ist da das beste Beispiel. Wenn man es in einer halben Stunden dorthin schafft, hat man entweder Glück gehabt oder jemanden gefunden, der einen mit dem Auto hinfährt. Und ist man erst einmal da, ist Warten angesagt. Vor dem Check-In. Vor der Security (und das auch schon vor der Flüssigkeitssprengstoffhysterie). Am Gate, und dort meistens länger als gedacht, denn:

Fliegen ist der Inbegriff der Unpünktlichkeit. Wie? Sagt man das nicht über die Bahn? Ja, aber zu Unrecht. Ich bin oft geflogen, eine zeitlang mindestens zweimal die Woche, und ich wage zu sagen: Mehr als ein Drittel aller Flüge hat mehr als zwanzig Minuten Verspätung. Und davon wiederum die Hälfte mehr als eine halbe. Schon beim Abflug, wohlgemerkt. Dass wir bei meinem letzten Urlaub sechs Stunden später als geplant abgeflogen sind, man uns davor noch mit einem stinkenden Bus quer über die Insel zum Südflughafen karrte und nur mit einem Pauschaltouristenbuffet in einer Bettenburg abspeiste, hat mich schon gar nicht mehr überrascht.

Warum trotzdem die meisten auf die Bahn eindreschen, liegt an dreierlei:

  1. Keine Fluggesellschaft hat ein derartiges Monopol wie die Bahn. Fehler macht man an einer Firma fest, nicht am System. Wenn Iberia dauernd zu spät abfliegt, wechselt man eben zur Lufthansa, so wie man ja auch nicht mehr zum Thailänder um die Ecke geht, wenn man sich dort einmal Salmonellen eingefangen hat.
  2. Fliegen ist mondän. Trotz Billigairlines mit ihren Media-Markt-Charme glauben viele immer noch, die Warterei am Gepäckband sei ein Ausdruck von Weltläufigkeit. (Das sagt im übrigen auch einiges über die Wirtschaftselite aus: Obwohl Flugpendler es besser wissen müssen, finden einige es von ihnen immer noch großartig, sich Tag für Tag beim Reisen erniedrigen zu lassen.)
  3. Für Auslangsreisen gibt es kaum eine Alternative, denn — das muss ich zugeben — so richtig gut funktioniert die Bahn dann doch nur im Inland. Obwohl Barcelona von München genauso weit entfernt ist wie Husum, würden wir nicht auf die Idee kommen, dorthin mit dem Zug zu fahren.

Punkt drei zeigt andererseits noch ein weiteres Problem: Fliegen verbindet nur Metropolen. Von München nach Hamburg brauche ich Tür-zu-Tür mindestens drei Stunden. Wenn es keine Verspätung gibt, heißt das. Mit dem Zug brauche ich sechs Stunden. Fast immer ohne Verspätungen übrigens. Will ich aber weiter nach Husum, kann ich das Fliegen vergessen. Der Hamburger Flughafen hat eine katastrophale Anbindung an den öffentlichen Nachverkehr. Entweder muss ich eine halbe Stunde oder mehr in Kauf nehmen, um nach Altona zu kommen, oder teures Geld für ein Taxi bezahlen. Mit dem Zug steige ich bequem am Dammtor um. Und selbst wenn ich Hamburg bleiben will, lande ich immer direkt in der Innenstadt. Denn Bahhöfe liegen nunmal nicht in einer Brache vor der Stadt, sondern im Zentrum.

So könnte ich endlos weitermachen: Davon erzählen, wie es ist, sich mit 1,93m Körpergröße in Flugzeugsitze zu zwängen. Wie die Luft in den Boeings und Airbussen dieser Welt stinkt. Wie ich im Flugzeuggang nicht einfach herumlaufen kann, weil ständig ein Getränkewagen im Weg steht.

Aber ich könnte es auch kurz machen und sagen: Ich fahre sogar lieber Auto als dass ich fliege.

Und das will einiges heißen.

Also, ich finde Flickenteppiche ganz großartig. Und warum sind eigentlich die Leute, die am meisten auf EU-Bananengesetze schimpfen, für die Abschaffung der Bundesländer? Als ob ein Bürokrat in Berlin besser wüsste, was man in Nebel auf Amrum braucht, als in Nebel auf Amrum selbst.

Ichauchichauchichauch

Tempo und Spex waren wichtig in der Provinz, und die Spex lese ich immer noch. Manchmal. Zirka einmal im Jahr. Dass es die Tempo nicht mehr gibt, wusste ich bis vor kurzem nicht. Am besten erinnere ich mich an ihren 80er-Jahre-Plattenrückblick, denn einiges an Musik dieses Jahrzehnts habe ich erst dadurch entdeckt. Landkind, ich sagte ja schon.

Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Mittlerweile trage ich Pantoffeln und sitze Samstags und Sonntags auf dem Sofa. Mit der SZ, Zeit oder FAS. Oder ein Buch. Oder gar nichts. Oder ich halte eine Nickerchen. Mit Wolldecke.

Mach nur einen Plan…

“Ein Mac? Damit kann man doch nicht ernsthaft arbeiten!” Das ist eine Ansicht, die weit verbreitet ist. Vor allem unter Softwareentwicklern und Leuten, die behaupten, sie machen “Business”. So weit verbreitet, dass Apple sich in Werbespots selbst darüber lustig macht.

Ich war auch nicht frei von dem Vorurteil, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Immerhin habe ich doch schon 1996 mit dem System gerarbeitet, aus dem das MacOS X hervorgegangen ist.

Eine Sache hat mich dann aber doch überrascht.

Eigentlich wollte ich auch auf meinem MacBook Pro programmieren, bin aber zu faul, ihn jeden Tag in die Arbeit mitzuschleppen. Also benutze ich ihn hauptsächlich zu Hause, vor allem zum Schreiben. Und dafür ist er nahezu perfekt.

Woran das liegt? Im Mac eingebaut ist eine Komponente, die von Haus aus schon so viel kann wie eine mittlere Textverarbeitung. Softwareentwickler müssen diese Komponente einfach nur in ihr Produkt einbauen und sich nicht mehr um Funktionen wie Formatierung, Rechtschreibprüfung etc. kümmern. Sie können sich auf Dinge konzentrieren, die ihr Produkt einzigartig machen.

Darum gibt es auf dem Mac erstaunlich viele Programme zum kreativen Schreiben. Sei es Prosa oder Drehbücher. Scrivener ist eines von ihnen und ein erstaunliches Stück Software. Um mich vom Romanschreiben zu drücken, hatte ich mir einmal vorgenommen, selbst ein solches Programm zu entwickeln, aber das ist jetzt überflüssig.

Es gibt Leute, die machen zu Anfang einen Plan ihres Romans, schreiben den runter, korrigieren und kürzen und dann fertig. Andere schreiben erst Kapitel 10, dann Kapitel 3, dann den Schluss und ganz am Ende den Anfang. Ich mache einen Plan zur Hälfte, werde zu ungeduldig, schreibe die ersten Kapitel runter, muss dann wieder zurückgehen, weil ich etwas vergessen habe und hoffe, dass zum Schluss etwas Sinnvolles dabei rauskommt. Dass man dabei leicht die Übersicht verliert, liegt nahe, insbesondere darf man die Romanfiguren nicht vergessen. Dabei habe ich schon im wahren Leben genug Probleme, mir Namen zu merken.

Arbeite ich mit Word oder Konsorten, habe ich entweder ein großes Dokument, in dem ich mich nicht zurechtfinde, oder viele kleinere, in denen ich mich nicht zurechtfinde. Scrivener hingegen fasst alle Dokumente, die zu einem Projekt gehören, unter einer Oberfläche zusammen. Man kann sie in einem Baum organisieren, durchsuchen, kennzeichnen, kategorisieren etc. Und Rechercheergebnisse legt man auch einfach in Scrivener ab, egal ob PDF, Ton, Video oder ganze Internetseiten. Ladet euch die aktuelle Beta herunter und probiert es selbst aus (wenn ihr einen Mac und Interesse habt, heißt das).

Eine Problem gibt es allerdings noch: Jetzt habe ich keine Ausrede mehr, meinen Roman zu Ende zu schreiben.

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Lass uns nicht über Arbeit reden

Ich habe den langweiligsten Job der Welt. Aus Sicht der anderen, nicht aus meiner. In einer Bar am Tresen stehend, in eine nettes Gespräch verwickelt, zucke ich zusammen, wenn die Frage kommt: “Und was machst du so?” Ich zucke nicht nur, weil ich finde, dass man nach der Arbeit nicht über die Arbeit reden sollte, sondern auch, weil nur Softwareentwickler wirklich verstehen können, was Softwareentwickler so machen. Alle anderen erinnern sich an College-Filme und den Nerd mit der Brille, der nie eine Frau abkriegt. Dabei trage ich gar keine Brille.

Immerhin: Dass ich mit dem Internet zu tun habe, reißt es noch ein bisschen raus. Das ist cool, ein bisschen wenigstens, aber auch nicht mehr so wie Ende der Neunziger. Damals fiel den alten Medien zweierlei zum Thema ein: Unfassbar reiche Start-Up-Gründer Mitte zwanzig und — Kinderpornos. Und so waren dann auch die Fragen: “Hast du Aktien?” oder “Macht ihr so Schmuddelkram?”

Heute sage ich immer: “Du kennst doch Amazon? Ich mache die Programme im Hintergrund, die dafür sorgen, dass du dein Buch bekommst und dein Geld loswirst.” Dann wechsle ich das Thema: “Und was machst du so?”

München, Maximiliansplatz

Drei Clubs, direkt nebeneinander, auf drei verschiedenen Ebenen. Von oben nach unten: Pacha, Regina’s, Rote Sonne. Rat mal, wo ich war. (Rohre an der Decke, die Bühne an der breiten Seite, Kritzeleien an der Wand hinter der Bühne, gestern Nacht nur eine Bar von zweien besetzt, Tegernseer 0,3 plus Tannenzäpfle plus Biowein. Früher Lesbendisko.)