War ja klar, dass sich alle auf die Killerspiele stürzen.
Schüler demütigten schon immer andere Schüler. Die Schule demütigte schon immer Schüler. Ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen. Ein hilfloser Lehrer kann sich hervorragend einschleimen, wenn auch er noch den Klassendepp verhöhnt. Und die Brillenschlange, die keinen Ball fängt, verschafft sich Respekt, indem sie den Fettwanst verdrischt.
Natürlich igeln sie sich ein, die Außenseiter. Je weniger sie sich blicken lassen, desto weniger prügelt man auf sie ein. Sie werden zu Stubenhockern. Damals schon und heute erst recht. Und was macht man so als Stubenhocker ohne Freunde? Man sucht sich eine Beschäftigung, für die man keine Freunde braucht.
Da ist heute vielleicht der Unterschied zu früher. Früher sah ein Stubenhocker den ganzen Tag fern — oder er las. Er tat alles, um aus der Wirklichkeit zu flüchten. Heute auch noch. Doch heute sind es Spiele. Denn man kann umso besser in eine Welt abtauschen, wenn man die Kontrolle über sie hat.
Viele Idioten sind als Experten in den letzten Tagen zu Wort gekommen. Aber manche sagen auch das Richtige. So einer: “Wenn alle, die Killerspiele spielen, selbst zu Killern würden, müssten wir uns und unsere Familien schon längst in den Häusern einschließen und mit Äxten verteidigen.”
Ich gebe zu, ich selbst mag keine Spiele. Aber das hat nichts damit zu tun, dass mir die Spiele zu brutal wären (immerhin war eine früher einmal Horrorfan). Vielmehr kriege ich von Spielen Drehschwindel. Aber ich habe manche von ihnen zumindest probiert. Und, ja, ich kann mir vorstellen, dass diese Spiele der letzte Auslöser sind. Wenn jemand schon so voller Hass ist, dass es nur noch einen kleinen Stoß braucht, um ihn, ja, zum Killer werden zu lassen.
Aber da ist so vieles, was vorher passiert. Die Demütigungen. Die Prügel. Die Erniedrigungen. Und das scheinen viele zu vergessen. Soiber und Co. sowieso, aber auch einige der Spielefans. Verbote bringen nichts, natürlich nicht. Höchstens ein Verbot der Demütigungen. Aber das wäre wohl zuviel verlangt.
