Monat: November 2006

Stubenhocker

War ja klar, dass sich alle auf die Killerspiele stürzen.

Schüler demütigten schon immer andere Schüler. Die Schule demütigte schon immer Schüler. Ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen. Ein hilfloser Lehrer kann sich hervorragend einschleimen, wenn auch er noch den Klassendepp verhöhnt. Und die Brillenschlange, die keinen Ball fängt, verschafft sich Respekt, indem sie den Fettwanst verdrischt.

Natürlich igeln sie sich ein, die Außenseiter. Je weniger sie sich blicken lassen, desto weniger prügelt man auf sie ein. Sie werden zu Stubenhockern. Damals schon und heute erst recht. Und was macht man so als Stubenhocker ohne Freunde? Man sucht sich eine Beschäftigung, für die man keine Freunde braucht.

Da ist heute vielleicht der Unterschied zu früher. Früher sah ein Stubenhocker den ganzen Tag fern — oder er las. Er tat alles, um aus der Wirklichkeit zu flüchten. Heute auch noch. Doch heute sind es Spiele. Denn man kann umso besser in eine Welt abtauschen, wenn man die Kontrolle über sie hat.

Viele Idioten sind als Experten in den letzten Tagen zu Wort gekommen. Aber manche sagen auch das Richtige. So einer: “Wenn alle, die Killerspiele spielen, selbst zu Killern würden, müssten wir uns und unsere Familien schon längst in den Häusern einschließen und mit Äxten verteidigen.”

Ich gebe zu, ich selbst mag keine Spiele. Aber das hat nichts damit zu tun, dass mir die Spiele zu brutal wären (immerhin war eine früher einmal Horrorfan). Vielmehr kriege ich von Spielen Drehschwindel. Aber ich habe manche von ihnen zumindest probiert. Und, ja, ich kann mir vorstellen, dass diese Spiele der letzte Auslöser sind. Wenn jemand schon so voller Hass ist, dass es nur noch einen kleinen Stoß braucht, um ihn, ja, zum Killer werden zu lassen.

Aber da ist so vieles, was vorher passiert. Die Demütigungen. Die Prügel. Die Erniedrigungen. Und das scheinen viele zu vergessen. Soiber und Co. sowieso, aber auch einige der Spielefans. Verbote bringen nichts, natürlich nicht. Höchstens ein Verbot der Demütigungen. Aber das wäre wohl zuviel verlangt.

“Warum sind denn Texter so teuer? Sie müssen doch noch nicht einmal ein Programm beherrschen.”

Weibergschichtn

Ich muss nicht nur mal wieder mehr bloggen, sondern auch wieder mehr Blogs lesen. Denn dann hätte ich schon vorher das Wort “Resteficken” gelernt, von der Frau Klugscheißer nämlich.

So war der gestrige Abend: Lehrreich und lustig (sieht man mal von der eher ernsten und überraschend romantischen Geschichte der Kaltmamsell ab, die ihrerseits wiederum überrascht war, dass ich ihre romantische Geschichte überraschend fand, dafür war die Geschichte ja höchst lerreich, weil sie eine für mich neue Seite der Kaltmamsell zeigte, der ich im übrigen gar nicht genug dafür gedankt habe, dass sie massiv für mich Buch Werbung gemacht hat, also darum auf diesem Wege, bevor ich mich noch um Kopf und Kragen schreibe: Danke! Danke! Danke!).

Außer den schon erwähnten gewohnt guten Leserinnen gab es noch die gewohnt gute (weil launige [nicht verwechseln mit launische]) Martina Kink und die ungewohnt gute Miss M. — aber nicht deshalb ungewohnt gut, weil ich Besseres von ihr gewohnt war, sondern weil ich noch gar nichts von ihr gewohnt war, denn ich kannte sie gar nicht, also war sie sozusagen die Starüberraschung für mich, sehr scharf beobachtend, sehr pointert, was mal wieder zeigt, dass ich mehr Blogs lesen muss (und verdammt noch mal besser über meine Satzkonstruktionen nachdenken).

Vielleicht merkt man es schon: Ich bin und war wirr. Liegt wahrscheinlich am dicken Hals. Erkältungsbedingt. Darum blieb ich dann auch nicht zur sicher sehr netten — Achtung: Wortspiel — Nachlese, sondern bin noch schnell (und dann doch wieder zu lang) essen gegangen und schließlich rekonvaleszierend aufs Sofa.

So. Und jetzt muss ich arbeiten.

Nach In Cold Blood (ganz gelesen) und On the Road (nach 50 Seiten aufgegeben) verstehe ich, warum Capote über Kerouacs Buch gesagt hat: “That’s not writing; that’s typing.”

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Da gehe ich hin. Unbedingt.