Sie fragt, ich antworte

Judith Andresen behauptet, mich nicht zu kennen, und fragt sich, ob ich Stöckchen fange. Ich tu’s:

Warum bloggst du? Seit wann bloggst du?

Ende 1999, nach über sieben Jahre Unterbrechung, fing ich wieder an zu schreiben. Ich hatte mein Informatikstudium abgeschlossen, hatte Monate auf immer wieder denselben Flughäfen und in immer wieder denselben Hotels zugebracht und erlebte gerade erst meine ersten zusammenhängenden Wochen in München. Ich schrieb ähnlich verschwurbelte Kurzgeschichten wie als Abiturient, aber auch Plattenkritiken und etwas, das man mit viel Wohlwollen als Kolumnen bezeichnen könnte. Doch wohin damit? Sowieso im Internetgeschäft unterwegs bastelte ich mir meine Homepage, hackte ein bisschen HTML und stellte die Texte ins Netz.

Irgendwann war ich es Leid, alles in Handarbeit zu machen. Ich suchte nach anderen Wegen, spielte mit dem Gedanken, ein CMS zu verwenden, und stieß dann: auf Blogs. Ich hatte schon vage davon gehört, aber mich nie ernsthaft damit beschäftigt. Also stöpselte ich zuerst meine eigenen Skripte zusammen, ließ es aus Faulheit aber schnell wieder sein und stieg um auf Sunlog, später Nucleus und jetzt endlich auf Wordpress.

Erst so, über die Technik eigentlich, lernte ich mehr über Bloggen. Ich meldete mich bei einigen Blogverzeichnissen an, kommentierte leidlich fleißig und hatte so relativ schnell eine kleine Leserschar. Damals, 2000 oder 2001, war alles ja noch relativ übersichtlich, und vielleicht hätte etwas aus mir “werden” können, wenn mich nicht etwas abgeschreckt hätte, das mich auch schon immer an Newsgroups gestört hatte: Flamewars, Besserwisserei, Ideologie. Fragen wie “Was ist bloggen und was ist es nicht?” oder schlimmer noch “Was darf man und was nicht?” interessieren mich nicht, schienen aber überhand zu nehmen. Ich ließ also alles etwas schleifen, konzentrierte mich mehr auf meine Kurzgeschichten und Buchrezensionen und hatte das Bloggen als eher etwas Nebensächliches abgetan.

Vielleicht lag es daran, dass ich nur noch das tat, wozu ich Lust hatte, jedenfalls begann sich ausgerechnet jetzt aus dem Bloggen plötzlich etwas zu entwickeln. Ich lernte Blogger persönlich kennen und wurde sogar — obwohl ich ja viel weniger online schreibe als die meisten anderen — eingeladen zu lesen. Außerdem kamen Kontakte zustande, die mir Schreibaufträge gaben und vielleicht sogar in ein Buchprojekt münden.

Ironischerweise habe ich jetzt wegen der Projekte, die sich durchs Bloggen ergeben haben, weniger Zeit zum Bloggen selbst, aber immer wird es einen kleinen, aber wichtigen Platz in meinem schreibenden Leben behalten.

Warum lesen deine Leser Deinen Blog?

Ich denke und hoffe einmal, weil sie meine Texte mögen, aber vielleicht ist diese Antwort zu einfach. Einige kommen vielleicht wegen meiner Rezensionen, die ich eine zeitlang regelmäßig veröffentlichte. Andere vielleicht in der Hoffnung, dass endlich einmal wieder einer Kurzgeschichte von mir zu lesen ist. Wiederum andere kennen mich persönlich und schauen vorbei wie sie vielleicht auch bei mir Zuhause vorbeischauen würden. Und wiederum andere… ach, keine Ahnung, ehrlich gesagt.

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf Deine Seite kam?

Vielleicht liegt es daran, dass ich jeden Tag damit beschäftigt bin, das Existenzrecht von Internetseiten begründen zu müssen, aber bei meinem eigenen Blog kümmere ich mich fast nie um Statistiken. Mit anderen Worten: Keine Ahnung.

Dein aktuelles Lieblings-Blog?

In letzter Zeit bin ich etwas entdeckungsträge geworden und lese immer dieselben Blogs. Meine Lieblinge sind auf meiner Linkseite zu finden, aber wenn ich ein Blog herausheben müsste, so wäre es das Mädchenzimmer — vielleicht weil Frau Nanunana etwas ganz Anderes macht als ich; weil sie mit Texten, Bildern, Sounds, Videos jongliert und dabei so kreativ ist, dass ich manchmal neidisch werde.

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?

Judith Andresens, um nachzusehen, welche Fragen sie mir stellt…

Ich werfe das Stöckchen weiter an

…niemanden, weil ich mich nicht aufdrängen möchte. Wer das hier liest und sich angesprochen fühlt: Nur zu.

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