Gunnar Staalesen: Die Schrift an der Wand

War ja klar, dass sie im Klappentext Marlowe erwähnen. Aber eigentlich geht das schon in Ordnung, denn Marlowe entspricht seinem eigenen Klischee letztlich auch nicht.

Bergen ist nicht Los Angeles, und das weiß Staalesen genau. Und so ist alles eine Nummer kleiner, aber nicht weniger dramatisch. Es geht um ein verschwundenes Mädchen aus ganz normalen Hause (das heißt: Ehe der Eltern zerrüttet, die Teenagerin von Mutter und Vater entfremdet). Der Privatdetektiv Varg Veum soll sie suchen, doch jäh endet sein Auftrag: Das Mädchen wird gefunden. Tot. Trotzdem ermittelt Veum weiter. Warum, weiß man nicht genau, vielleicht weil er früher Sozialarbeiter war und sich für solche Schicksale immer noch verantwortlich fühlt, jedenfalls bohrt er so lange im Kleinkriminellenmileu herum, bis er auf Hinweise trifft: Prositution, Drogensucht und ein toter Richter in Damenunterwäsche.

Staalesens größte Stärke sind die Dialoge, selbst da, wo sie dann tatsächlich ins Marlowehafte kippen. Von mir aus könnte er ganz auf die wenigen Actionszenen verzichten, aber die gehören wohl dazu. Nötig hat er sie nicht, denn er kann etwas, was nicht immer selbstverständlich ist: Eine gute Geschichte direkt von A nach B erzählen, ohne sich in Nebensächlichkeiten oder gar Moral zu verheddern, aber auch ohne oberflächlich oder gar unlogisch zu werden. Man könnte sagen, dieses Buch sei solide, aber eigentlich ist es mehr als das. Es ist sehr, sehr gut.

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