Monat: Juni 2006

Das einzige, was mich an dieser WM wirklich nervt, sind: Scherben. Nicht alle und nicht immer, sondern nur die, die auf den Fahrradwegen zur Arbeit liegen und quasi nur darauf warten, sich in meine Reifen zu bohren, es zwar bislang nicht getan haben, aber es ist ja die Angst, die uns niederhält, vor allem an der Leopoldstraße, die ja nach fast jedem Spiel gesperrt wird und wo man dann eine inoffizielle Fahnenzählung durchführen könnte, um zu schätzen, wieviel von welcher Nation in München leben… und Bierflaschen zerdeppern.

Jetzt muss ich doch keine Korrekturzeichen lernen, sondern redigiere direkt im PDF. Mein Verleger geht mit der Zeit.

Im Hinternet habe ich mich in eine Diskussion über einen Atlas der Krimischauplätze eingemischt und frage mich: Was ist so faszinierend daran, die Handlungsorte eines Romans zu besuchen? Warum fahren jedes Jahr Hunderte nach Ystad auf den Spuren Wallanders? Warum würde ich mir gerne einmal John Rebus’ Edinburgh selbst ansehen. Ist es der Wunsch, die Atmosphäre eines Buches selbst zu erleben, quasi Teil der Geschichte zu werden, die man so geliebt hat?

Vielleicht ist es ein Zeichen, dass ich zuviele Konzerte gesehen habe, wenn es mich überrascht, dass eine Band ihr Publikum nicht verachtet und sich alle Mühe gibt, eine großartige Show abzuliefern, inklusive Konfetti, Luftballons, tanzenden Weihnachtsmännern und Aliens, Superhelden als Roadies und und und. Dabei ist das “Love you life, you only got one” zwar irgendwie ironisch und dann auch wieder ernst gemeint. Diese Band will, dass man sich gutfühlt, aber sich nicht verblödet. Danke, Flaming Lips.

Jubeln ist genetisch bedingt.

Ja, gebe es nichts Wichtigeres? Erbeben auf Java, ein Vulkanausbruch gleich hinterher — und der Irak. Der Irak sowieso. Statt dessen: WM. Überall WM.

Eure und meine Nerven in allen Ehren, aber: Wenn wir aufhören, uns mit Unwichtigem zu beschäftigen, sind wir tot.

Kurz vor dem Eröffnungsspiel erscheint mir München leerer als sonst.

Ein Stadion heißt jetzt Arena und ist ein Hexenkessel. Besinnen wir uns also auf Unterhaltungsprogramme der Antike. Ein Kampf zum Beispiel. Für das Eröffnungsspiel schlage ich vor: Goleo gegen den Problembär.

Glendronach vs. 5°C im Juni.