J.D. Salinger: The Catcher in the Rye

Um Enttäuschungen vorzubeugen, wollte ich ja immer mal wieder hinreichend altes Buch einschieben, das man heute immer noch kennt und das fast alle gut finden. Einen Klassiker eben. Das ist manchmal nach hinten losgegangen, aber diesmal nicht. Salinger hat nach diesem Buch kaum noch etwas herausgebracht, etwas annähernd so Erfolgreiches schon gar nicht. Heute lebt er zurückgezogen, hat seit 1961 nichts mehr veröffentlicht, seit 1974 kein Interview mehr gegeben und musste sich sogar gefallen lassen, dass seine Tochter eine Biografie über ihn schrieb.

Aber was soll jemand machen, der ein perfektes Buch hinlegt, und das auch noch gleich zu Anfang der Karriere? Wenn er alles gesagt hat, was er sagten wollte? Wenn alles, was er von da an schreibt, nur noch Nachahmung seiner selbst wäre? Er hört auf. Geld genug hat er ja. Immerhin sei es “High School”-Literatur, wie man mir sagte — das heißt Heerscharen von Teenies müssen das Buch kaufen. Das ist durchaus nicht abwertend, sondern beneidenswert, auch wenn die Teenies das vielleicht nicht so sehen. Ich hätte jedenfalls lieber Salinger gelesen als Günter Grass.

Kommentare 7

  1. fellow passenger :

    In meiner Schullaufbahn waren nur “Die Schachnovelle” (Referat) und “Der Zimmerspringbrunnen” (Textanalyse) obligatorisch. Vielleicht steht “Der Fänger im Roggen” deswegen seit Jahren ungelesen im Regal. Allmählich werde ich aber neugierig.

    27 Mrz 2006 um 01:16
  2. albertsen :

    “Schachnovelle”, wie wunderbar. Aber als Schüler hätte ich sie vielleicht auch doof gefunden. Bin halt ein Spätzünder, in jeder Hinsicht.

    27 Mrz 2006 um 09:06
  3. kubelick :

    obschon, wie auch in deutschland, die bildungsqualität in usa recht unterschiedlich ausfällt, war meinereiner verpflichtet sowohl dieses als auch »moby dick« wie auch »scarlet letter« und »a tale of two cities« zu lesen. kein einziges jener bücher hatte ich zur high school zeiten über das vorwort geschafft. das hinderte mich nicht daran, in englischer literatur stets zu glänzen.

    27 Mrz 2006 um 20:50
  4. anobella :

    ich l i e b e salinger. best of ten. man sollte seine handvoll autoren, die einem liegt, immer wieder lesen.

    28 Mrz 2006 um 05:50
  5. albertsen :

    @kubelick: Aber gab und gibt es in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg noch Bücher, die etwas über das Leben sagen (jajajaja, Worthülse ich weiß, aber so ist es nunmal), was auf Deutschland ja so nun nicht unbedingt zutrifft.

    @anobella: Was sind die anderen neun?

    28 Mrz 2006 um 08:48
  6. kubelick :

    wie wäre es mit meinem derzeitigem liebling herrn auster oder seine gattin? und ein großartiger schriftsteller ist herr brodkey, leider auch schon nicht mehr am leben. updike konnte mich nicht überzeugen.

    es klingt, als wäre ein literarisches quartett von nöten? was meinen sie, jolly mister good? stellt sich bloß die frage, wer spuckt am weitesten!

    kubelinsky

    28 Mrz 2006 um 20:23
  7. albertsen :

    Hustvedt meinen Sie? Sehr gut. Und Quartette sind immer eine gute Idee, auch ohne Spucken.

    28 Mrz 2006 um 21:04

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