10 Erkenntnisse zur 1. Bayerischen Bloglesung

1. In Bars, in denen mir die Tische nur bis zum Knie reichen, gibt es nur Rentnerhalbe (danke, liebe Kaltmamsell, für dieses schöne Wort). Aber gleichzeitig gibt es auch eine unendliche Auswahl anderer Alkoholika und ebenso unendlich aufmerksame Bedienungen.

2. Man hat das Gefühl, dass da jemand ist, der weiß, was man braucht, wenn dieser kurz bevor man liest plötzlich die Bedienung mit einem Glas Lagavulin zu einem schickt.

3. Das Lieblingswort der Lyssa ist “reizend”, aber sie darf das, kann doch niemand so reizend Fotografierregeln erklären wie sie.

4. Bin ich mir nicht sicher, ob die Kaltmamsell das als Lob auffasst, wenn ich sage, sie wäre vielleicht eine gute Lehrerin. Immerhin klang ihr “Ihr frage euch hinterher ab” sehr überzeugend.

5. Kann kaum jemand die Vorsilbe “Drecks-” so verachtungsvoll aussprechen wie Don Alphonso.

6. War die Geobiographie der Klugscheißerin eigentlich eine Aversionsbiographie, die in Liebe und damit happy endete.

7. Ist es noch schwieriger, mit überschwänglichem Lob, insbesondere von Damen, umzugehen als mit Kritik von Männern.

8. Denken einige der Lobenden wahrscheinlich, dass ich ein arrogantes Arschloch mit Bluthochdruck bin, weil ich rot wurde und so wenig wie möglich antwortete. (Hinweis: Nein, ich wollte euch nicht loswerden, ich war ganz einfach nur sprachlos.)

9. Ist es völlig egal, ob es 2:00 Uhr morgens und mehrere Cocktails, Bier und Whisky spät ist. Man kann trotzdem nicht schlafen.

10. Kann man sich an so etwas gewöhnen.

Ich las übrigens die neue Geschichte Dass der Gustl kein Hund war und eine gekürzte Fassung von Die Liesl.

Danke noch einmal an alle, die gekommen sind. Es war umwerfend.

Kommentare 9

  1. fellow passenger :

    Wenn Sie mir eine Bar empfehlen, deren Tische Ihnen über das Knie hinaus reichen, nehme ich mir vorsichtshalber einen Hocker mit, mein lieber Herr Albertsen.

    18 Mrz 2006 um 06:21
  2. kubelick :

    werter mister albertsen,

    auch heute, nach einer unruhigen nacht, nach der technicolor-premiereneuphorie und hyperemotionalität, womöglich durch die ein zwei drei ganz viele daiquiris, welche die herrschaften mit hochgekrämpelten ärmeln gar nicht so schlecht auf die beine stellten, möchte ich sie überschwenglich loben und mich bei ihnen bedanken:
    mein monumentaler zynismus weist bröckelnde stellen.

    ich hoffe inningst, sie am kommenden termin ebenfalls hören zu dürfen.

    18 Mrz 2006 um 11:46
  3. Helga B. :

    Herr Albertsen, das war schon klar, dass Sie nicht arrogant sind, sondern Ihnen Lob nur einfach peinlich ist… Aber ist doch tausendmal besser als Kriktik oder?

    18 Mrz 2006 um 12:04
  4. albertsen :

    Wieso siezt ihr mich alle plötzlich ;-)

    Lieber kubelick, jetzt machst du mich schon wieder verlegen. Und übrigens: Leider lese ich nächste Woche nicht. Aber ich werde ziemlich sicher da sein und zuhören. Wäre schön, wenn ihr auch wieder kommt. Es steht ja noch diese Sache mit Hemingway aus. Außerdem macht Zynismus alles zu einfach, da muss man sich vor hüten.

    18 Mrz 2006 um 14:07
  5. albertsen :

    @Helga B.: Klar hast du recht. Aber bei Kritik hat man sich ja so ein paar Standardreaktionen zurechtgelegt. Bei Lob bricht so ein Verhaltenskorsett ein bisschen zusammen.

    18 Mrz 2006 um 14:12
  6. kubelick :

    mister albertsen,

    und sei meine wahrnehmung noch so angenehm benebelt gewesen, das wort »kokett« habe ich bis lang in zusammenhang mit werten hemingway noch nicht gehört. es sind solche momente, in welchen das dösende wort und der sinn, die schlumernde sensibilität und der winterschlafende verstand wachgeküsst, auf einer grimmsch’n art.

    18 Mrz 2006 um 14:36
  7. albertsen :

    Selbst ein saufender Großwildjäger, der sich am Ende eine Kugel in Schädel schießt, kann kokett sein, wenn es um seine Werke geht. Die Wahrheit aber ist, er hat den Schluss von “A Farewell to Arms” 39-mal überarbeitet: http://www.timelesshemingway.com/hemtrivia.shtml (ein bisschen runterscrollen).

    19 Mrz 2006 um 22:35
  8. okavanga :

    Und nochmal Lob: bisher kannte ich Sie ja ehrlich gesagt gar nicht. Umso positiver der Überraschungseffekt bei der Lesung. Danke Ihnen, und natürlich auch Ihren Vorleser-Kollegen, für den schönen Abend :-)

    20 Mrz 2006 um 08:48
  9. kaltmamsell :

    (Der Schluss von “A Farewell to Arms” ist aber möglicherweise auch der am besten gemachte Romanschluss überhaupt.)

    20 Mrz 2006 um 15:42

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