Es war gleich klar: Das LKA befand sich nicht in dem alten Haus mit den Erkern, sondern in dem grauen Betonklotz mit Moosbefall. Drinnen grüßte uns deutsche Behördenarchitektur, aber es ging ja sowieso in den Keller, in den Schießstand nämlich. Dort, wo sonst die Polizisten an ihren Pistolen übten, hatte man heute Stühle aufgestellt. Man saß sozusagen in der Schusslinie. Wir hatten aber keine Bedenken, denn heute gab es Literatur statt Kugeln.
Astrid Paprotta und Norbert Horst lasen, anlässlich des Krimifestivals München. Und weil sich die Krimiliteraten und -fans selbst nicht so ernst nehmen, wurde es eine höchst kurzweilige Veranstaltung. Man zeigte Filme, fesselte ein frischverheiratetes Ehepaar mit Handschellen aneinander (”zu lebenslänglich verurteilt”) und ließ auch den Polizeipräsidenten zu Wort kommen. Der sah ein bisschen so aus, wie man ihn sich auch in Krimis immer vorstellt: Ein bisschen zu braun gebrannt, ein bisschen zu teurer Anzug.
Ach ja, gelesen wurde auch noch. Astrid Paprotta las aus Die Höhle der Löwin und Norbert Horst aus Todesmuster. Zwar konnte man etwas schlecht sehen, da man den Vortragenden keine Bühne spendiert hatte, aber schließlich kam es auf das Hören an. Ich hätte mir gewünscht, dass die beiden Autoren noch in einer Runde mit der Moderatorin diskutieren würden wie damals Friedrich Ani beim Glatteis-Geburtstag, aber statt dessen gab es “nur” ein paar Fragen nach dem Ende des jeweiligen Vortrags. Dabei konnte man erfahren, dass Astrid Paprotta an einem neuen Buch arbeitet, in dem nicht Ina Henkel die neue Hauptfigur ist. Das führte zu Raunen im Publikum, aber ich kann sie gut verstehen, nicht zuletzt, weil schwer vorstellbar ist, wie es mit der Kommissarin nach dem letzten Buch weitergehen soll. Norbert Horst hingegen hat erst zwei Bücher mit seinem Kommissar Kirchenberg veröffentlich, also geht diese Reihe noch ein bisschen weiter.
Da ich vor der Lesung zu blöd war, Astrid Paprotta zu finden (okay, ich wusste auch nicht ganz genau, wie sie aussieht) und sie nach der Lesung natürlich verschiedentlich bestürmt wurde, blieb uns nur kurze Zeit zum Plaudern. Immerhin habe ich nicht davor zurückgeschreckt, mit eine Widmung schreiben zu lassen, aber dann musste sie auch bald davon, mit ihrem Verlag essen (sind eigentlich alle Verlage in München?).
Schön war’s, mal was anderes. Leider wird das dieses Jahr die einzige Veranstaltung des Krimifestivals für uns bleiben. Aber nächstes Jahr findet sie ja wieder statt.
Kommentare 1
Tatsächlich fast alle Verlage.
24 Mrz 2006 um 15:51 ¶Neuer Kommentar