Und natürlich ist die Kommissarin, diese Einzelgängerin, die ihren Mann und ihr eigenes Kind vernachlässigt, weil sie aufgeht in ihrem Beruf und die froh darüber ist, die Polizeiprozedur als Schild zwischen sich und andere zu haben, ist diese Kommissarin plötzlich die Einzige, die Zugang zu dem misshandeltem Kind findet, das sich in die Ecken verkriecht, alle beharrlich anschweigt und im Dunkeln schreit, ist die Kommissarin diejenige, die das Kind mit einem ganz simplen Trich zum Reden bringt: Mit einem Papierflugzeug nämlich.
Jürgen Albertsen
Monat: Februar 2006
In Gießen hat der Laden Cartridge World Gießen seinen Namen geändert in HWF Patronenservice - Die ganze Welt des Druckens
“Lichtblicke” des Vereins Deutsche Sprache (Hervorhebung von mir). Danke an Astrid für ihren Hinweis auf diesen Link.
“Todos al suelo, coño”: Heute vor genau 25 Jahren versuchten Franco-Anhänger in der jungen spanischen Demokratie zu putschen. Und bedenkt man, was José Mena Aguado vor kurzem von sich gab, so ist man sich nicht immer so sicher, wie fest die “Werte” sind, die wir angeblich verteidigen müssen.
Wie das mit seinem Buckel passiert ist, wissen wir nicht. Und wie er zum Arschloch wurde auch nicht. Vielleicht hängt das eine mit dem anderen zusammen.
Als ständigen Freund hat er einen zu dünnen Hund. Kommt der Bucklige herein, bringt er den Hund zu einem Tisch und lässt die Leine nur auf einen Stuhl fallen. Auf dem Weg zur Essensausgabe herrscht er die Leute an, als wünschte er, sie würden alle so gehorchen wie sein Hund.
Bezahlen braucht er nicht nicht. Seinen Teller trägt er so zittrig und schlufernd zum Tisch, dass es immer wieder einen Ahnungslosen gibt, der ihm helfen will. Der Bucklige kennt keine Gnade. Er zischt und er grummelt und verschüttet erst recht die Sauce.
Stellt er den Teller schließlich auf den Tisch, holte er etwas aus seiner Hosentasche, stopft es dem Hund in den Mund und tätschelt dessen Kopf. Dann geht er Bier holen.
Na toll, jetzt bin ich doch nervös, und dabei dachte ich, meine bescheidene Lesungserfahrung würde ich mich ruhiger machen. Aber sehe ich mir die Blogs der anderen “Mia San Mia”-Vortragenden an, so denke ich: Die sind viel unterhaltsamer, viel witziger und viel besser als ich mit meinen transusigen Geschichten. Vielleicht sollte ich mir doch lieber so eine Pynchon-Existenz aufbauen, aber das ist wohl erst wirklich cool, wenn man sowieso schon berühmt ist.
Scheint so, als bräuchte man auch fürs Auto ein Schild: “Bitte keine Werbung hinter den Scheibenwischer klemmen.” Heute müsste man es dann erweitern um: “Bitte keine Luftballons anbinden.”
Bloglesung
Wie’s halt so ist: Im gemütlichen Bayern dauert alles ein bisschen länger, aber jetzt ist es soweit. Frau Klugscheißer organisiert auch in unserer schönen großen kleinen Stadt eine Bloglesung. Es tragen vor:
Frau Klugscheißer selbst
Don Alphonso
Die Kaltmamsell
Lyssa
…und meine Wenigkeit
Wie oben zu sehen, findet das ganze in Schwabing statt, in der Reizbar, gleich hier um die Ecke, in die ich mich aber noch nie verirrt habe. A propos verirrt: Vielen Dank für die Einladung, denn verglichen mit den den anderen ist mein Blog ja eher ein Friedhof der Zweizeiler. Ich werde also irgend einen Text ausgraben müssen, und wer weiß: Bis dahin ist es ja noch etwas hin. Als Exil-Friese fällt mir schon was über die Bayern ein.
Nachtrag: Offensichtlich zeichnet sich ein so großer Andrang ab, dass man sich Plätze in der Reizbar reservieren sollte. Anruf oder Mail genügt.
Caché. Ein Film, der einen quält, weil die Hauptfiguren sich quälen. Dieses Kriechende, diese langen Momente der Stille, diese unbedingte Verschlossenheit. So muss ein Thriller sein.
Das Programm des Krimifestivals München ist da. Noch stehen nur die Veranstaltungsdaten fest, aber nicht die genauen Uhrzeiten, wie es scheint. Schade, möchte ich doch bald wissen, ob die Lesung von Astrid Paprotta und Norbert Horst am 22.03. hinreichend spät anfängt, dass ich es schaffe, und nicht um 18:00 Uhr herum wie viele Lesungen letztes Jahr. Und gibt es eigentlich Karten im Vorverkauf?
Dieter Paul Rudolph schreibt etwas sehr Wahres über das Schreiben über das Landleben:
So lange ist es noch nicht her, da arbeitete sich der Protagonist zeitgenössischer Prosa wacker oder missmutig, rebellisch oder resignierend an der Bäuerlichkeit ab. Das Landleben war synonym für den Mief und die Engstirnigkeit (etwa in Martin Sperrs „Jagdszenen aus Niederbayern“), dann war es plötzlich Heimat, zwischen Nostalgie und nüchterner Distanz verortet, oder es war einfach authentisch hart. Die Landschaft prägte ihre Menschen, sie machte sie spröde und wortkarg, formte und deformierte sie.


