Ian Rankin: Tooth and Nail

Ian Rankin ist nicht Gott. Das ist doch auch mal ganz beruhigend zu wissen. Nun gut, dies ist sein zweiter von über einem Dutzend Romanen, und im Gegensatz zu den meisten Rockmusikern, werden Schriftsteller eher besser als schlechter mit den Jahren.

Tooth and Nail ist natürlich besser als ein ganzer Sarg voll anderer Kriminalromane, aber krankt gleich an ein paar Ecken und Enden. Da ist zuerst einmal das Serienmörderthema. Tobias Gohlis sagt darüber etwas sehr Kluges in der Wochenzeitung Die Zeit:

Serienkiller sind Verwandte der Aliens, Godzillas und anderer Monster aus nichtmenschlichen Territorien, die über uns kommen wie die sieben Plagen über die Ägypter. Sie sind außermenschliche Menschen, die von irgendwo hinter dem Horizont alltäglicher Lebensbewältigung kommen, ihre Blutspur durch die Vorgärten der Zivilisation ziehen, geschnappt werden und wieder verschwinden.

Mich interessiert die Niedertracht von nebenan, die Verbrechen, die es vielleicht noch nicht einmal in die Zeitung schaffen. Rankin ist normalerweise ein Meister darin, genau diese alltägliche Niedertracht auszuleuchten, egal ob sie nun im Asylantenmilieu vorkommt oder unter Geschäftsleuten. Doch in diesem Buch macht er sich es zu einfach. Dass er alle paar Kapitel die Gedanken des Mörder wiederzugeben versucht, ist letztlich nur ein etwas hilfloser Versuch, den Leser auf die falsche Fährte zu locken. Da ist das fast zwangsläufig, dass Rebus der wahren Identität des Mörder durch einen etwas arg dürftigen Hinweis auf die Spur kommt.

Apropos Rebus: Diesen versoffenen und renitenten Inspektor, den ich — zum Beispiel — in The Falls und Fleshmarket Close so lieben gelernt habe, hat Rankin in Tooth and Nail noch arg überzeichnet. Zu versoffen, zu renintent. Und seltsam sprunghaft obendrein.

Aber Gott sei Dank hat Rankin seine schlechteren Romane zu Anfang geschrieben und nicht jetzt, denn jeder seiner letzten fünf, sechs oder mehr Romane ist ein Meisterwerk. Und das lässt ja nur Gutes hoffen.

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