Die Schrannenhalle* ist wirklich schön geworden. Zwar hatte ich etwas Ähnliches wie die Boqueria erwartet, aber stattdessen ist es eine sehr nette überdachte Fressmeile. Man holt sich an den Ständen Sushi, Leckeres aus dem Tandoori (gestern probiert!), Pasta oder — natürlich — Weißwurst/Brezen/Bier. Man stellt sich entweder zum Essen an einen Tisch oder geht eine Treppe zu einem der Balkone hinauf, um das Gewusel von oben zu betrachten.
Wie es sich für München gehört, gab es natürlich einen VIP-Bereich. Denn der Angermaier veranstaltete eine Modenschau für Wiesnkluft (Trachten kann man das ja nicht mehr nennen), und den Models und der Presse war es natürlich nicht zuzumuten, sich unter den Pöbel zu mischen. Deshalb ging’s auch zu wie am Stachus, und wir mussten uns nach dem Essen durch die Massen zum Pschorr drängen.
Dort fand nämlich die Lesung statt: Funf Jahre Krimibuchhandlung Glatteis. Nicht in der bayrisch-holzverkleideten Wirtsstube (schon jetzt mit Wiesenstimmung, aber vielleicht lag das an der Modenschau), sondern in einem Saal à la Schloss Schleißheim, nur mit niedrigerer Decke und Musik aus einen iBook. Sehr fein.
Die Lesung selbst war großartig. Edlinger und Steinleitner kamem zuerst. Sie lasen “szenisch” ihrem Roman Hirschfänger. Sie spielten sich gegenseitig ihre Halbsätze zu, und für Dialoge wechselten sie ins Bayerische und/oder sprangen auf und liefen durchs Publikum.
Aber die Veranstalter wussten natürlich, dass Friedrich Ani der Star des Abends war, deshalb kam er zum Schluss (Headliner sozusagen). Er sah aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte: Grauer Bart, längere Haare, Jeansjacke, bedrucktes T-Shirt. Als er sich setzte, stand vor ihm schon ein frisches Bier, obwohl er noch eines in der Hand hielt. “Das ist mir jetzt aber unangenehm”, sagte er. Er las aus Süden und der glückliche Winkel — passend, spielt der Roman noch zum großen Teil auf dem Viktualienmarkt. “Mein Lieblings-Süden”, sagte er.
Anschließend versammelten sich alle drei Autoren noch zum Interview auf der Bühne. Dabei zeigte sich: Edlinger und Steinleitner waren die Witzigeren, aber Ani hörte man lieber zu: Denn wenn er — manchmal sogar stockend — von Tabor Süden, dem Verschwinden oder dem Licht auf Sitzweg-Bildern sprach, dann tat er das mit solcher Begeisterung und einem solch träumerischen Blick, dass man wusste: Da hat einer seine Bestimmung gefunden.
Trotz seines immensen Outputs die letzen Jahre bekannte sich Ani zur Faulheit: “Tschechow sagt: Die Kürze ist die Schwester des Talents. Darum sind meine Bücher kaum länger als 200 Seiten. Ich bewundere Leute, die fähig sind, einen Plot für 400, 500, 600 Seiten zu entwickeln. Ich kann so etwas nicht überblicken.”
Zum Schluss gab Ani noch einen Ausblick. Zwar ist seine Süden-Reihe beendet, aber er gestand, dass er einen neuen Kommissar erfunden hat, über den man spätestens nächstes Jahr im Herbst etwas lesen kann. Ich bin gespannt.
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