Monat: September 2005

Die hochsympathische Münchner Krimibuchhandlung Glatteis feiert ihren fünften Geburtstag. Sie tut das — natürlich — mit Lesungen. Am 6.9. im KUK-Club (u.a. mit Astrid Paprotta), am 7.9. in der neuen Schrannenhalle (u.a. mit Friedrich Ani) und am 8.9. in der Buchhandlung selbst. Das vollständige Programm findet sich auf ihrer Homepage. (Ich gehe übrigens in die Schrannenhalle, falls es jemand wissen will.)

Haruki Murakami: Der Elefant verschwindet

Schöne Geschichtensammlung von Japans Literatursuperstar. Im Prinzip ähnlich wie Nach dem Beben, auch wenn hier das übergreifende Motiv fehlt. Die Themen sind jedoch die gleichen: Das Ich und wie das Ich entsteht, der Alltag und wie er zusammenfällt. Wie Kafka, nur leicher. Wie Márquez’ Magischer Realismus, nur nicht so schrill. Überhaupt ist Murakamis Stimme so westlich, dass man sich fragt, ob er nur deshalb hierzulande so erfolgreich geworden ist. Wie auch immer: Ihn zu lesen lohnt sich.

Raymond Carver: What We Talk About When We Talk About Love

Wieder wunderschöne Miniaturen über das Leben am unteren Rand der Mittelschicht, über Sprachlosigkeit, über gescheiterte Beziehungen und über das Gefühl, plötzlich noch nicht einmal mehr die Famlie als sicheren Hafen zu haben. Dabei ergehen sich die Geschichten nicht im Sozialkitsch, sondern lassen immer die Möglichkeit der Hoffnung und der Liebe. (Siehe auch Will You Please Be Quiet, Please.)

Je mehr man allerdings von Carver liest, desto eher fällt einem auch auf, dass seine hochreduzierte Sprache nur in Happen genossen werden kann. Zu sehr schwingt jedes Wort, jede Dialogzeile, jede Andeutung. Liest man mehrere Texte hintereinander, läuft man schon einmal Gefahr, etwas Wesentliches zu übersehen. Eigentlich müsste man jede Geschichte gleich anschließend ein zweites Mal lesen und danach ruhen lassen. Wie ein Gedicht.

Ich wünsche mir, dass Google auch Auktionen anbietet.