Isabel Allende: Das Geisterhaus

Natürlich ist es ein großer Familienroman mit sprühender Phantasie, starken Charakteren und hinreißend gewobenem Plot. Man sollte es vielleicht auch nicht mit Hundert Jahre Einsamkeit vergleichen, aber die Parallelen drängen sich auf: Ein Multigenerationendrama in Südamerika, in dem es auch gerne einmal spuckt. Doch während Márquez seine Geschichte auf allen Ebenen als Märchen gestaltet und das Phantastische als Selbstverständlichkeit erzählt, scheint sich Allende manchmal nicht entscheiden zu können. Sie hat die Geschichte im Chile in den ersten sieben Jahrzehnten des 20. Jahrhunders angesiedelt, aber der Realitätsbezug steht bisweilen verbindungslos neben den Übernatürlichkeiten und dem Veträumten. So ist das Buch letztlich nicht so ergreifend, wie es sein könnte, und hinterlässt den leicht schalen Geschmack des Inkonsequenten.

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