Wichtigste Erkenntnis: Wenn du irgendwo liest, wo die Leute nicht wirklich wegen der Lesung kommen, brauchst du Marktschreierqualitäten. Denn fehlerfrei und, ja, lebendig vorzutragen reicht nicht. Was in einem Raum von sitzenden — womöglich extra zahlenden — Zuhörern funktioniert, funktioniert nur bedingt, wenn du in der Ecke eines kieswallumrandeten Zellgartens stehst, die Sonne dir auf den Kopf scheint, der Schweiß deinen Rücken hinunterläuft und schreiende Kinder dich fast umrennen.
Kafka und eigene Geschichten gingen gar nicht. Zum Schluss besann ich mich auf Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Schließlich war ich der Winter. Und das brachte mir immerhin eine Dauerzuhörerin, die das Buch zwar schon kannte, aber sich “nicht mehr an die Sprache erinnerte”. Und ein Ehepaar, bei dem die Frau sagte: “Ich will ja, dass mein Mann auch mal liest. Immer soll ich ihm nur erzählen, was drin steht.”
So war es am Ende doch ganz nett. Ob ich so etwas allerdings noch einmal mitmache, glaube ich nicht. Ein Marktschreier bin ich eben nicht.
Neuer Kommentar