Krimi-Dreier

Ich habe Astrid Paprotta durch ihr Blog entdeckt und alle ihre vier Bücher über die Kommissarin Ina Henkel gelesen, als letztes Sterntaucher und Die Höhle der Löwin. Es sind Nummer zwei und vier der Serie und beweisen mir den Eindruck, den ich schon nach Nummer eins (Mimikry) und Nummer drei (Die ungeschminkte Wahrhet) hatte: Astrid Paprotta wird von Buch zu Buch immer besser. Den größten Sprung macht sie dabei vom zweiten zum dritten Buch. In Mimikry und Sterntaucher folgt sich manchmal allzu präzise abwechselnd den inneren Stimmen der Kommissarin und des Antagonisten. Zwar ist Paprottas Gut-Böse-Schema hinreichend differenziert, aber erst in Die ungeschminkte Wahrheit wird ihre Direkte-Rede-Prosa so richtig lebendig. Dazu passt auch, dass Die Höhle der Löwin noch unmittelbarer an den Vorgänger anknüpft als die anderen Bücher. Hier verzichtet Paprotta auch zum ersten Mal darauf, in jedem Kapitel die Stimmen zu wechseln. Ich halte diese wechselnde Perspektive zwischen Verfolger und Verfolgtem sowieso oft für einen Spannungskunstgriff, insbesondere weil der Autor uns gerne alles über den Verfolger erzählt, aber nur das über den Verfolgten, was der Spannung nicht abträglich ist. In Die Höhle der Löwin begleiten wir also nur Ina Henkel, reisen mit ihr nach Bukarest und Offenbach und lernen zu verstehen, warum sie die Gejagte nicht wirklich fangen will. Wir lernen: Astrid Paprotta hat keine Spannungskunstgriffe nötig.

Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski
von Robert Hültner ist da ganz anders gestrickt, aber dafür nicht minder gelungen. Das Buch spielt in den Wirren der Münchner Räterepublik (jaha, zwischen dem Märchenkönig und CSU gab es auch einmal den Kommunismus in Bayern) und hätte von einem Autoren mit weniger Talent so richtig in den Sand gesetzt werden können. Doch Hültner schafft es, einen Ton anzuschlagen, der oberbayerische Charaktere beschreibt, ohne sie zu Abziehbildern verkommen zu lassen. Der Kommissar ist angenehm ambivalent gegenüber den politischen Ereignissen, und Hültner drängt dem Leser die historische Kulisse nicht auf. Die Poltik ist in dem Roman, was sie ist: Ein notwendiges Übel, das gerade die Menschen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nicht unbedingt interessiert. Dass der Fall trotzdem mit der Ermordnung des Republikpräsidenten Kurt Eisner zu tun hat, ist dann fast nur Zufall. Sehr unterhaltsam, auch für Leser nördlich von Aschaffenburg.

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