Krakau

Krakau

Da ist diese Firma, in der ich einmal gearbeitet habe, und in dieser Firma gab es jemanden, dem ich sagte, ich hätte Rot-Grün gewählt, und dieser Jemand sagte: “Dann bist auch du schuld daran, wenn Polen uns bald in der Wirtschaftskraft überholt.” Wäre diese ganze “Vorfahrt Arbeit”-Geschichte nicht sowieso schon eklig genug und wäre ich schlagfertiger gewesen, hätte ich antworten müssen: “Mit Recht!”

Krakau liegt in Polen und Krakau ist ganz wunderbar. Einmal schon waren wir dort zu Silvester, doch seinen größten Charme entfaltet es natürlich im Sommer. Das Leben drängt sich in der kleinen Altstadt und in ein paar kleinen angrenzenden Vierteln. Und was für ein Leben! Noch morgens um halb fünf waren die Straßen voll schöner Menschen, nicht maximianstraßenschön, sondern glücklich schön. Viele schienen verliebt zu sein, mindestens jedoch auf der Suche nach Liebe. So weit im Osten geht die Sonne früher auf als hier.

Die Nacht kann man draußen verbringen, mit Blick auf die Tuchhallen, oder in einer der Bars in den Kellergewölben. Tagsüber kann man durch die Gassen und Straßen umherlaufen oder das beste italienische Essen außerhalb Italiens essen. In der Altstadt und darüber hinaus ist kein Weg zu weit zu Fuß.

Wir wohnten über einem Tattoo-Shop. Vor der Klientel, die dort auf der Treppe hockte, hätte ich in Deutschland Angst: Muskelbepackte Männer mir kurzgeschorenen Haaren, bauchfreie Frauen, die hierzulande Gründe für Revierkämpfe gegeben hätten. Doch sobald wir uns auch nur näherten, sprangen alle sofort auf, um uns Platz zu machen, und nickten uns freundlich zu. So war es überall: Nirgends ein unfreundliches Wort.

Dass es billig ist, mag man schon nicht sagen, denn diese Stadt wäre ein vielfaches ihres Preises wert.

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