Friedrich Ani: Süden und das Lächeln des Windes

Friedrich Ani hat ein Vorbild: George Simenon. Simenon hat seine Bücher innerhalb von zwei, drei Wochen runtergeschrieben, noch exakt einmal durchgelesen — “um alles Literarische rauszustreichen” — und dann in den Druck gehen lassen. Ani sagt über sich, dass ihm das Schreiben da schwerer falle, doch das ist kaum zu glauben angesichts seines Outputs.

Nennt man die Romane um den Kommissar Tabor Süden “Volksdramen”, so kommt das der Wahrheit recht nahe. Die Menschen leben eher im Hasenbergl als in Bogenhausen, trinken eher Augustiner als Moët & Chandon. Die Romane sind da am stärksten, wo diese Menschen für sich selbst sprechen und fallen nur dort ab, wo Ani versucht, die Figuren reflektieren zu lassen. Simenon hätte diese Passagen wahrscheinlich rausgestrichen: “Zu literarisch.”

Dieses Buch handelt von zwei Kindern — Junge und Mädchen — die verschwunden sind. Der Vater des Jungen ist nicht wirklich sein Vater und möchte lieber heute als morgen von der Mutter forziehen. Der Vater des Mädchens arbeitet in der JVA Stadelheim und hat sich an der Betriebskasse bedient. Soweit klingt es wie Sozialkitsch, aber Anis Stärke liegt darin, das Spannende in solchen Schicksalen zu finden. Er hat einmal wieder ein sehr lesenswertes Buch vorgelegt — so lesenswert wie alle aus dieser Reihe.

Neuer Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird niemals veröffentlich oder weitergegeben.
* = benötigtes Feld