Mir scheint, der Konsens heutzutage ist: Die Bild-Zeitung ist zwar in Ärgernis, aber längst keine Gefahr mehr. Die Zeit sagt, außer während der Porno-Diva-Kampagne gegen Sibel Kekilli habe sie sich in den letzten Jahren keine ethischen Flops mehr geleistet.
Das war früher anders, insbesondere in den Jahren 1968ff.
Bölls Erzählung ist eine Stellungnahme zu den Methoden der Springer-Presse während der Studentenrevolten und den Machenschaften der Baader-Meinhof-Gruppe. Sie ist also eine Art Zeitdokument, und genau das ist aus heutiger Sicht das Problem.
Böll schreibt im Berichtstil (Passivkonstruktionen en masse, “Man tut” statt “Sie tun”), nimmt das Ende schon am Anfang vorweg und belegt alles mit einer dicken Schicht Ironie oder was er dafür hält. Denn anstatt die Geschichte für sich allein stehen zu lassen, scheint er dem Leser nicht zu trauen und fühlt sich gezwungen, mehr oder weniger versteckt zu kommentieren. Überhaupt ist es extrem anstregend, dass Böll — ebenso wie sein Generationskollege Grass — jede Spannung im herkömmlichen Sinn zu vermeiden versucht. Es soll eben ein moralisches Dokument sein und keine Unterhaltung.
Man kann allerdings auch etwas Positives darin sehen: Wenn wir solche Bücher heute als antiquiert und fast schon unfreiwillig komisch empfinden, haben sie ihr Ziel erreicht. Offensichtliches langweilt, und Bölls Kritik ist offensichtlich, und das ist nicht zuletzt auch sein Verdienst. Er hat seinen eigenen Roman quasi selbst überflüssig gemacht — zumindest in dieser Form.
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