Wie klingt das denn, wenn man schreibt, dass man dieses Buch gelesen hat, weil man sich mit Magenproblemen auf nichts Komplizierteres einlassen wollte? Dabei ist es ein Lob, wenn sich ein Buch einfach liest, bei Krimis erst recht. Und bei Sjöwall/Wahlöö kann man nichts falsch machen, nicht umsonst sind sie die geistigen Eltern des Schwedenkrimibooms. Dabei können Mankell & Co. im direkten Vergleich einpacken. Dieses Buch von 1965 ist das erste in der Serie um Kommissar Martin Beck, die zehn Bände später mit dem Tod Wahlöös ein viel zu frühes Ende nahm. Wie auch bei den Heerscharen von Epigonen ist auch Sjöwall/Wahlöös Ermittler ein Einzelgänger mit Eheproblemen, und ist die Welt, in der die Romane spielen, alles andere als perfekt. Doch hier wird nicht angeklagt, hier finden keine Verschwörungen statt, hier nervt kein Kommissar den Leser mit Selbstmitleid. Eine Frau wird tot mit Götakanal gefunden, und wir beobachten die Polizei dabei, wie sie Schritt für Schritt versucht, den Mord aufzuklären. Weniges ist spektakulär, vieles Fleiß, noch nicht einmal die viel gespriesene Intuition des Kommissars kommt allzu oft ins Spiel. So könnte es auch in Wirklichkeit sein. Die Charaktere sind plausibel, aber nicht aufdringlich, nur manchmal bleibt das Autorenduo ein wenig zu distanziert, ein Manko, das sie in späteren Romanen beheben. Spannendes Buch, nicht nur bei Magenproblemen.
Jürgen Albertsen
…erzählte früher mal hier.
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