Er hatte sicherlich genauso viele Maß getrunken wie ich. Er hieß Josef und kam aus Wien. Dreizehn Jahre lebte er schon in München, er war Koch im Arabella Sheraton. Vielleicht hatte das seinen Geschmack ruiniert. Er bestellte sich eine Riesenwurst mit Zwiebeln und hatte angeblich kein Geld. Ich lieh in ein oder zwei Euro und biss ab und zu ab. Wie wir auf Österreich zu sprechen kamen, weiß ich nicht mehr, vielleicht war es sogar meine Schuld. Plötzlich brach es aus ihm heraus: “Und ihr macht euch immer über uns lustig, dabei seid ihr genauso lächerlich.” Er war böse, aber nicht mit mir, denn ich pflichtete ihm bei. Eine Blondine rief von rechts: “Was willst du denn?” Er drückte seine Schultern nach hinten durch und rief: “Was willst du denn?” So betrunken kann ich gar nicht sein, dass ich eine Schlägerei hinnehme, also sagte ich das erste, was mir einfiel. “Aber ihr habt doch den Thomas Bernhard.” Ich brauchte es fertig, zwanzig Minuten über Bernhard zu reden, ohne auch nur mehr als ein Buch von ihm gelesen zu haben. Kann sein, dass Josef es ironisch meinte, als er sagte: “Du bist ein Schlauer.” Am Ende wollte er nach links zur Theresienhöhe und wir rechts zur U-Bahn. “War nett”, sagte er, “aber Telefonnummern tauschen wir trotzdem nicht aus, oder?” Ich schüttelte den Kopf und ihm die Hand.
Jürgen Albertsen
…erzählte früher mal hier.
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