Sjöblick

Über die Menschen kann man natürlich wenig sagen, wenn man 15 km von der nächsten Einkaufsmöglichkeit entfernt wohnt. Die wenigen Hausbewohner auf unserem Hügel sprechen nur schwedisch. Freundlich sind sie — winken, wannimmer wir im ersten Gang an ihnen vorüber schleichen. In den Supermärkten und an den Museumskassen lächelt man uns an, kann Englisch oder verzeiht es uns, dass wir ihre Sprache nicht beherrschen. Umgekehrt ist es nicht immer der Fall. Auf dem Spielplatz schreit ein deutscher Junge eine Einheimische an: “Red ordentlich. Ich kann kein Schwedisch.”

Ist man die grün-blau-graue nordfriesische Weite oder das bayerische Fels-Alm-Panaorma gewöhnt, hügelt sich diese Landschaft eher unspektakulär dahin. Auf unseren Wegen durch die Wälder treffen wir niemanden — wie erwartet, wie gewollt. Die Seen entlassen nachts ihre Mückenschwärme und verleiden uns die hellen und warmen Abenstunden. Tagsüber halten sie sich vor der heißen Sonne versteckt. Der Wanderurlaub verwandelt sich einen Bade- und Leseurlaub

Man weiß, dass man schon zu lange in der Stadt wohnt, wenn man in der Stille vergisst zu atmen. Die Erholung merkt man erst, wenn man zurück ist — manchmal sogar erst, wenn man darauf angesprochen wird. Ich wehre mich dagegen, Himmelsrichtungen als Ideologien zu verstehen. Und dennoch sagen wir: “So schön es war: Nächstes Jahr fahren wir wieder in den Süden.”

Neuer Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird niemals veröffentlich oder weitergegeben.
* = benötigtes Feld