Monat: Mai 2004

Der Trick ist, einfach weiterzuatmen

Franz-Joseph-Straße

— Ich wollte schon immer eine Büste in der Wohnung haben.
(Schweigt.)
— Ich kann sie mir leisten.
— Stimmt. (Pause.) Dass man mit reden soviel Geld verdienen kann!
— Und?
— Ich wüsste gerne dein Geheimnis.
— Ich höre nicht auf zu atmen.
— Zu atmen?
— Wenn du nicht atmest, fehlt dir die Luft. Wenn dir die Luft fehlt, fehlt dir Energie. Wenn dir die Energie fehlt, fehlen dir die Ideen. Du machst Pausen. Und Pausen bieten Raum für den Gegner. Wie im Krieg.
— Aber beneiden tue ich dich nicht.
— Das musst du nicht. Aber schön wäre, wenn du mir mit der Büste nach Hause hilfst.

21°

Habsburger Platz

— Komm, setz dich dort hin, auf die Kante.
(Keuchend) Nein, nein, ich kann nicht sitzen.
— Dann lehn dich ein bisschen an. Geh aus der Sonne.
— Dieses Wetter. Den Vormittag Regen, und nachmittags geht man mit dem Mantel aus dem Haus. Wie ich jetzt schwitze!
— Geht’s?
— “Früher haben die Frauen ihre Kinder auf dem Feld bekommen”, hat man mir gesagt. “Das musst du aushalten.”
— Du machst es toll.
— Es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.
— Bitte, nicht wieder.
— “Sei doch froh, dass er dafür sorgen will”, hat meine Mutter gesagt.
— Ich übernehme eben Verantwortung.
— Manchmal frage ich mich, ob ich deine Verantwortung will.
— Bitte, Liebes, versuch, ruhiger zu atmen.
— Warum? Am Wochenende lerne ich wieder hecheln.
— Brauchst du ein Glas Wasser?
— Was ich bräuchte, wäre, den Rest meines Lebens allein zu sein.

Lustschlossparole

Lustschloss

— Schau, sie haben es noch nicht weggemacht.
— Wie du es gesprayt hast, habe ich mich versteckt.
— Und ich dachte, du warst in den Büschen zum pinkeln.
(Nach Sekundenlangem Schweigen) Sowieso sind wir zu alt dafür.
— Früher habe ich so etwas nicht gewagt. Ich habe meine Kumpels immer dafür bewundert. Ich war zu feige.
— Neulich nachts warst du nicht zu feige,
— Jetzt bin ich ja auch älter.
— Zu alt.
— Warum machen sie es nicht weg? Das war letzten Herbst.
— Vielleicht kein Geld.
— Ich sollte spenden.
— Komm. Lass uns weitergehen.

Casa Malaparte

Casa Malaparte

— Komm mit zurück in die Stadt.
— Ich ertrage sie nicht mehr. Ich brauche es, dass die Wellen bis an mein Fenster schlagen.
— Immer dieser Wind! Du kannst dich hier noch nicht einmal sonnen! Zu kalt. Immer dieser Wind.
— Hast du mein Sonnensegel noch nicht gesehen? Dahinter ist es warm genug.
— Vermisst du nicht manchmal eine andere Stimme?
— Eine vielleicht.
— Du hättest das Haus nicht kaufen sollen. Nur wegen dieses einen Zeitungsartikels.
— Aus welchem Grunde dann? Kinderfreundliche Nachbarschaft? Ich will keine Kinder.
— Kommt mit. Wir vermissen dich.
— Das habt ihr mir zu spät gesagt.