
Jürgen Albertsen
Monat: Februar 2004
Nun ist es keine neue Wahrheit, dass man aus Sparzwang und Bequemlichkeit zur Entmenschlichung dieser Welt beiträgt. Amazon, Media Markt und als Krönung die Cinebank. Geldautomatenklone spucken dir DVDs entgegen, dosiert in winzigen Plastikboxen. Auf einer Homepage im Strato-Stil kannst du aus 200 Filmen wie Men in Black II oder Dumm und Dümmer wählen. Und denk daran, deine Hände nicht einzucremen, weil sonst dein Daumenabdruck nicht mehr funktioniert. Den brauchst du spätestens, um dein Guthaben aufzufüllen, weil du natürlich im Voraus zahlen musst. Am Ende überlässt du dem ganzen Laden aber doch den Restbetrag von drei Euro, weil du dich lieber wieder von kaugummikauenden Abiturienten bedienen lassen willst.
Die Leute mischen sich nicht mehr ein, heißt es. Bei einigen würde ich mir eher wünschen, dass sie sich endlich einmal raushalten.
Konnte zuerst gar nicht sagen, was mir an Was nützt die Liebe in Gedanken nicht ganz gefiel. Dann wurde mir klar: Dieser Film ist seltsam detailfrei. Nicht unbedingt lieblos, aber dass am Schluss die Nadel in der letzten Plattenrille hängenblieb, war zu vorhersehbar, um zu hypnotisieren. Wie so einiges. Dabei kein schlechter Film eigentlich. Es ist leider doch nicht immer die Story, die zählt.
Es gibt ja einen Ausweg für Leute, die gerlent haben, dass man auf Deutschland nicht stolz sein darf, die aber trotzdem irgendwohin gehören wollen. Trainsingsjacken mit dem Namen der (Wahl-)Heimat tauchten zuerst in Hamburg auf, dann auch in Berlin und Köln. Bei mir in der Stadt ist man sich aber noch nicht ganz einig, ob es jetzt Munich oder München heißt. Vielleicht lasse ich mir ein T-Shirt mit der Aufschrift Schobüll drucken.
Angelika Express im Orangehouse: Ärzte-Rip-Off mit schlechteren Melodien und besseren Texten. Zu Hause dann SAT.1 (”Powered by Emotion” — “Kraft durch Freude”) mit einem Coldplay-Mitschnitt. DVD zu gewinnen und Klingeltöne für jeden Song. 1,99 Euro pro SMS.
“Tried living in the real world
Instead of a shell
But before I began …
I was bored before I even began.”
Natürlich irgendwie eine selbsterfüllene Prophezeiung. Nach zu vielen Filmen und Büchern sind die meisten echten Dialoge nur noch langweilig.
Wir 80 Millionen Kellerkinder
Weiter so. Schon in der Schule wussten wir: Auf den hinteren Plätzen sitzt es sich entspannter. Wenn die Spitze unerreichbar ist, kann man sich endlich wieder aufs Wesentliche konzentrieren.
Immer noch besser, einen schlechten Roman geschrieben zu haben, als gar keinen klingt ein bisschen nach Better to have loved and lost than never to have loved at all.

El Último Tren. Schöner kann man das Alter nicht lieben. Gleichzeitiger Filmstart in München und Barcelona.
Und dabei ist es scheißegal, ob man Sport macht oder nicht: Der Körper geht so oder so zu Grunde. Entweder man zersetzt ihn mit Bewegungen oder er vergammelt von innen. Vielleicht ist es die Strafe für ein belangloses Leben. Noch nicht einmal zum Spenden kann man sich durchringen. Wird ja alles teurer. Und dann ist da diese Zeitungsanekdote: Jeden Tag mindestens drei Gläser Wodka, zufrieden, 90 Jahre.