“Meinst du die da? Die mit dem Big Brother-Tatoo unten auf dem Rücken?”
Jürgen Albertsen
Monat: Januar 2004
Mal wieder Schnittstellenbeschreibung. E-Mails hin und her. XML. UTF-8 oder ISO-8859-1. Anfrage: “Wie ist das gelöst?” Antwort: “Steht alles im Dokument, bitte lesen.” Telefon klingelt. “Ja, ich hätte da doch noch eine Frage.” Später eine E-Mail: “Ach, Entschuldigung, hab da was vergessen.” Und: “Habt ihr ein Beispiel, bitte?” Dann, endlich, einen Prototypen erkämpft, aber “bitte beachtet, dass sich die IP-Adresse noch ändern kann.” Und wieder ein Anruf: “Mir ist da was nicht ganz klar, das stand wohl nicht in dem Dokument drin.” Und nächsten Monat, nächstes Projekt geht alles wieder von vorne los.
Man kann auch beide Typen gutfinden: 1) Das Arschloch, das in unvollständigen Sätzen schreibt. Das mit der gleichen nachdrücklichen Lässigkeit Meinungen vernichtet, wie es uns schwärmend und keinen Widerspruch duldend seine Helden entgegenstößt. Das dabei doch allein von seinem Selbsthass getrieben wird und darum irgendwie unser heimliches Vorbild ist. 2) Der Duckmäuser, der weiß, wann Worte neuerdings nicht mehr zusammen geschrieben werden. Der uns leise seine Geschmackssicherheit vorseziert. Der uns wöchentlich, manchmal täglich Obskures as Herz legt, als hätte er es aus seinem Setzkasten geholt, sorgsam abgestaubt und es mit einem Seufzen in unsere Hand gegeben. Der natürlich die meiste Zeit des Tages hinter verschlossener Tür unter der Bettdecke verbringt und darum irgendwie unser heimliches Vorbild ist.
“Sophie Rois, sowieso toll, aber ich bin da hochbefangen, Sophie, die aus Ottensheim bei Linz kommt, kannte ich schon mit sechzehn, und manchmal bilde ich mir ein, ich hätte mit ihr sogar ein einziges Mal geknutscht, aber wahrscheinlich denke ich mir das nur aus, obwohl damals haben wir alle viel geknutscht, einfach so, sollte man eigentlich wieder tun, unter Erwachsenen wär das ja noch besser, aber wahrscheinlich hab ich eh nie geknutscht mit der, sehr schade eigentlich, sonst könnte ich das jetzt so beiläufig in das Weblog von einem fremden Herrn streuen.”
Peter Praschls wunderschöne Interviewnostalgie
Sie trägt eine Umhängetasche, in dieser Puma-Retro-Art, aber markenlos. Schwarz mit roter Schrift. Auf der einen Seite steht: No Future. Auf der anderen: Family.
Q: I recently read a novel by Ian Rankin. I think it was “Resurrection Men”, but I’m not 100 percent sure. In this book the protagonist - an alcoholic police inspector - is asked the following question: “Did you listen to the Mogwai tape I gave you?” His reply: “Yes. I especially liked the lyrics.” I thought it was quite funny. Rankin seems to be a fan of you. In a another novel - “The Falls” - he thanked you for your “Stanley Kubrick” EP that was some kind of inspriation to him. Did he send you a copy of that book? Did you ever talk with him about that?
A: My dad told me about this a while back. He’s got a few things referring to us. Weird and good.
Barry.
Sie hatte sich auf die Bettkante gesetzt, schaute ihn an. So wie sie dasaß, nackt und in ein paar Meter Entfernung, hatte er sie selten betrachtet, immer nur aus nächster Nähe, neben ihr, auf ihr oder unter ihr liegend. Man sah ihr an, dass sie Sport trieb. Ohne ihr Kostüm gab es nichts mehr, was sie älter machte. Was mochte sie von ihm denken, dick, wie er wurde?
Busfahren ist wie Rauchen. Man kann die Gedanken schweifen lassen, ohne sich rechtfertigen zu müssen, denn man hat ja ein Ziel: Eine Haltestelle oder das Ende einer Zigarette.
Polen, du hast es besser. Du hast nicht nur eine wunderschöne, melodiöse Sprache, sondern auch deine eigenen Coldplay. Myslovitz.
