Eine altbekannte aber nichtsdestotrotz depimierende Tatsache, dass die Dinge, die man am häufigsten genießt, am ehesten kaputt gehen:
The Smiths: “The Queen is Dead”
Lambchop: “Is A Woman”
Jürgen Albertsen
Monat: Dezember 2003
Verschleiß
Eine Art Verweigerung
Pasta mit Spinat und Sardellen, Turrón, Wein, Scrabble, vielleicht um Mitternacht mit Cava auf den Elisabethplatz, maximal zur Münchner Freiheit (Olympiaberg finde ich im Dunkeln sowieso nicht). Wobei man nicht abgesagt hätte, wenn man eingeladen worden wäre.
Besserwissereuphorie
Eigentlich blöd, dass man sich so darüber freuen kann, in Der Krieger und die Kaiserin ein Lied von Arab Strap wiedererkannt zu haben und dann den Abspann in Single-Step-Modus verfolgt, bis man bestätigt wird. Dabei sollten viel mehr Filme von Arab Strap inspiriert werden. Bücher auch. Überhaupt: Findet sonst noch jemand, dass von den letzten drei Tykwer-Filmen Heaven der beste und Lola Rennt der schlechteste war? Was nichts heißen muss im Wortmann-Land.
Ein Zettel im Portmonee
Rezept für Matjessalat
Wela-Brühe
Salomon Korn
Wahl der Waffen
In dem Moment, als die Börsenblase platzte, begann die Renaissance des Rocks. Der Sequencer ist das Instrument für den Boom, die Gitarre das Instrument für die Rezession.
Altersmilde III
Der Wunsch, ein Profi zu sein. Mittlerweile ist es egal, in was.
Altersmilde II
Nach den Jahren der Weihnachtsverweigerung schließlich erkennen, dass es schlicht zwei Wochen sind, die man nicht arbeiten muss und die eine schöne Struktur haben. Kerzen tun ihr übriges, und zu Hause lässt man sich auch endlich einmal wieder blicken. Auferzwungene Stille ist vielleicht besser als gar keine Stille.
Altersmilde I
Der Wunsch, eine Stammkneipe zu haben.
Immer diese Selbstakzeptanzverzögerung. Wenn ihm jemand widersprach oder sagte “Wie siehst du denn heute aus?” — dann merkte er: Er war noch nicht soweit.
“In the heart of Europe”
Wir sitzen doch in der Mitte. Den Norden zieht es nach Schweden, nach Norwegen. Den Süden zieht es nach Italien, nach Spanien. Bleiben will keiner.
Eine Gruppe
Nicht nur, dass sie immer öfter auf Beerdigungen ging, auch traf sie dort immer öfter ihre Freunde. Der Kreis wurde kleiner, und irgendwann begannen sie, nach der Trauerfeier auf ein Cognac in ein Café zu gehen: Fünf Frauen, die sich schließlich Sorgen machten, weil sie nicht immer wieder dieselbe schwarze Bluse tragen wollten.
Fanmail
Von gregor14@onlinehome.de:
Es ist einfach nur Sinnlos, was du zu erzählen hast. deine Mutter ist eine Arschkratzgiraffe! Du Eselpoppender Kackfresser!
Anzahl der Ausrufezeichen auf notwendiges Maß gekürzt. Die Red.
Kind
Letztes Jahr hatte die Frau noch gesagt: “Nicht gucken, selber machen.” Die Antwort war: “Und du?”
Dieses Jahr schaut sie auf das Kind, das sich noch kleiner macht und zum Nikolaus hinauf staunt. Das Kind fängt an, leise, fast nur für den Tisch hörbar, ein Gedicht zu flüstern.
Der Mund der Frau — die Konturen tätowiert, die Lippen eher lila als rot — formt stumm die Worte, die das Kind immer aufgeregter, immer schneller purzeln lässt. Kurz blinzelt der Nikolaus zur Frau herüber — dann ist das Kind fertig, atmet endlich wieder ein. “Sehr schön, sehr schön, da können sich die Erwachsenen mal ein Beispiel nehmen.” Die Frau klatscht mit erhobenen Händen, wie eine Diva, die ihrem Publikum applaudiert.
Die Falle
Ausgerechnet, als er anfing, bekannt zu werden, hatte er nichts mehr zu bieten. Keine Geschichten, keine Witze, keine Beobachtungen. Er sah nur zu, wie sich die Leute um ihn scharten und wiederholten: “Oh, ich habe ja soviel von Ihnen gehört.” Er stand nur da, das Glas in der Hand, und hörte, wie die Leute ihm all das erzählten, was er von sich gegeben hatte an Abenden wie diesen, früher. Und wenn sie fertig waren, blickten sie ihn in der Erwartung an, er möge jetzt den Faden aufnehmen und doch bitte aus dieser Vorlage etwas machen. Er stellte dann sein Glas ab und sagte: “Sie entschuldigen mich für einen Moment?” Und wenn er dann von der Toilette zurück kam, suchte er sich ein neues Grüppchen am anderen Ende des Saals, wo man ihn mit den Worten begrüßte: “Oh, ich habe ja soviel von Ihnen gehört.”