Monat: April 2003

Dashiell Hammett: The Thin Man

Vielleicht sollte man doch als erstes “The Maltese Falcon” lesen. Vielleicht, so denkt man sich, reißt einem diese Genre heutzutage sowieso nicht mehr mit. Sam Spade, du wurdest vermisst.

Ein spätes Werk von Hammet, einhellig nicht sein bestes. Nick Charles und Frau steigen in einem teueren Hotel in New York ab und fangen schon zum Frühstück zu trinken an. Sie rauschen von Party zu Party und finden sich gegenseitig großartig.

Inmitten dieser Feierlaune bricht die Nachricht, dass Julia, eine früherere Bekannte Nicks, ermordet wurde. Jeder weiß, dass er früher Privatdetektiv war, alle drängen ihn, etwas zu tun. Cool und arbeitsscheu lehnt er wieder und wieder ab. Wir ahnen: das wird nichts nützen.

So stolpern wir zusammen mit dem dauerbeschwipsten Nick durch die Upperclass des Big Apples. Es stimmt schon, Hammet ist ein Meister des Dialogs. Die Charaktere hinreichend skuril, ist eigentlich alles dran, was ein Krimi so haben muss. Außer Spannung leider. Man schwankt zwischen “das habe ich kommen sehen” und “oh, wie konstruiert.” So ist man am Ende nur wenig berührt von der Aufklärung. Wer der Mörder war, hat man eine Stunde nach Lektüre sowieso wieder vergessen.

Virginia Woolf: Mrs Dalloway

Sparen wir uns Inhaltsangabe und Interpretation, verweisen wir lieber auf andere Quellen. Solche Bücher muss man niemanden mehr empfehlen - gerade nicht in letzter Zeit. Buch und Film namens “The Hours” sind Remix, sind Werbung.

Doch nicht nur zu ihrem Verständnis sollte man “Mrs Dalloway” lesen. Gut, mit seinem Schulenglisch muss man sich manchmal durch Schachtelsätze kämpfen, aber nie will man das Buch in die Ecke werfen. “Stream of consciousness” war eine große Sache - nicht nur bei James Joyce. Und das kann auch bedeuten, dass man zwischendurch mal gar nichts mehr kapiert, wie das ebenso ist, wenn man verstehen will, was andere denken.

Dabei wünscht man sich einmal wieder, man wäre knapp hundert Jahre früher geboren. Was damals umgewälzt wurde! Ideologien, Staatsformen, das Wahlrecht. Frau Woolf war eine Feministin ganz anderen Schlages als ihre Epigoninnen heutzutage. “Mrs. Dalloway” behandelt die ganz großen Themen ebenso wie die profanen: Was tut man, wenn man nach fünfzig Jahre erkennt, dass man dreißig Jahre lang eine Lüge gelebt hat? Was zwingt einem dazu weiterzuleben, immer weiter? Warum lassen es Frauen immer wieder zu, dass ihnen Namen und Kleider wichtiger sind als die große Liebe?

Erstaunlich eigentlich, dass sich zwei so prägende literarische Strömungen in so kurzem Abstand entwickelten: die totale Gedankenwelt à la Woolf und Joyce, die totale Beschreibung à la Hemingway und Faulkner. Manchmal möchte man Woolf zurufen: “Doch nicht alle denken so komisch”, doch man muss verstehen. Ebenso wie Hemingway hat sie eine Biografie voller Spannung: nur richtete sich ihr Fluchtreflex nach Innen. Beide brachten sich letztendlich um.

Freundliche Menschen lesen Hack. Danke.

Feliç diada de Sant Jordi. Heute ist Wellttag des Buches, heute ist el dia del llibre i de la rosa. Und wir haben ausgerechnet den Valentinstag importiert.

Iraqi Freedom

Da schaut die Friedensbewegung jetzt doch ein bisschen betreten zu Boden. Gut finden die das schon irgendwie, dass Saddam jetzt weg ist. Aber die Besatzer, die müssen raus. Und jeder Spiegel-, Zeit-, SZ-Bericht, der davon redet, dass Zehntausende auf der Straße waren in Bagdad, jede Mittelung, die beweist, die Iraker wollen sich selbst regieren – all das lässt hoffen: Die Dankbarkeit ist nicht zu groß. Die “Pace”-Fahnen bleiben in den Fenstern hängen. Man weiß ja nie.

Freidhofhierarchie

Gestern bei unserem Besuch in Salzburg festgestellt, dass Kaufmänner und Fabrikanten wohl mehr bedeutet haben als Rechtsanwälte und Lehrer. Sie liegen auf dem Friedhof der Erzabtei St. Peter in Familiengrüften und nicht, wie die anderen, in kleinen Gräbern, zwischen denen man umherwandern kann.

Da sagt einer: “Ich lese den Spiegel nicht mehr, weil ich mir nicht vorschreiben lassen will, was ich zu denken habe.”

Nur wer gute Laune hat, hat Recht?

Können gute Redner auch gute Zuhörer sein und umgekehrt?

Der Ich-Bezug

Erlebnisse werden nicht dadurch realer oder wichtiger, weil man sie anderen Leuten ungefragt erzählt.